Jorge Sampaoli: Argentiniens letzte Hoffnung

Kommentare()
Getty Images
Die Albiceleste steckt derzeit tief in der Krise und droht, die WM in Russland zu verpassen. Die Hoffnungen ruhen nun auf Neu-Trainer Sampaoli.

HINTERGRUND

Am Freitag gibt Argentiniens neuer Nationaltrainer Jorge Sampaoli im Testspiel gegen Brasilien sein Debüt. Auf dem Mann, der in der vergangenen Saison den FC Sevilla in die Champions-League-Qualifikation führte, ruhen die letzten Hoffnungen auf eine Qualifikation für die WM 2018 in Russland. Bei seiner Amtsübernahme findet er jedoch eine Mannschaft am Tiefpunkt vor.

Erlebe die WM-Qualifikation live und auf Abruf auf DAZN. Jetzt Gratismonat sichern!

Ende März blamierte sich die Albiceleste gegen Bolivien. Der frühere Bremer Stürmer Marcelo Moreno hämmerte mit einem satten Rechtsschuss zum 0:2-Endstand den letzten Nagel in den Sarg des damaligen Nationaltrainers Edgardo Bauza. Wenige Tage später wurde der 59-Jährige vom argentinischen Verband AFA nach nur acht Monaten wieder vor die Tür gesetzt.

Von den acht Partien unter Bauza konnte der Vizeweltmeister lediglich drei für sich entscheiden, holte nur elf von möglichen 24 Punkten. Aktuell belegt die Albiceleste nur Rang fünf in der Tabelle der Südamerika-Qualifikationsgruppe und müsste somit den Umweg über die Play-Offs nehmen, um sich doch noch für Russland zu qualifizieren. Zu allem Überfluss wird Mega-Star Lionel Messi drei der verbleibenden vier Spiele gesperrt verpassen.

Sampaoli gibt sich kämpferisch

Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der sich Sampaoli verschrieben hat. "Die Mannschaft hatte in der Qualifikation durchaus Schwierigkeiten. Nach aktuellem Stand sind wir nicht qualifiziert, aber wir haben durchaus die Qualität, das zu schaffen", gab sich der 57-Jährige bei seiner Vorstellung am vergangenen Freitag zuversichtlich.

Für ihn geht mit dem Amt des Nationaltrainers ein Traum in Erfüllung. "Wie jeder andere argentinische Trainer, der irgendwo auf der Welt eine Mannschaft trainiert, geht es auch mir so: Wenn man gefragt wird, ob man die Nationalmannschaft führen will, kann man nicht Nein sagen", verriet er bereits im Juni vergangenen Jahres.

"Er war der einzige Kandidat", ließ Verbandspräsident Claudio Tapia gegenüber dem TV-Sender ESPN verlauten. Sampaoli soll dem zweimaligen Weltmeister wieder zu altem Glanz verhelfen und die Truppe aus hochveranlagten, aber uninspirierten Einzelkönnern zu einer verschworenen Einheit formen. Dafür wurde der 57-Jährige für 1,5 Millionen Euro aus seinem Vertrag mit Sevilla herausgekauft und mit einem langfristigen Kontrakt bis 2022 ausgestattet. Doch ist Sampaoli überhaupt die richtige Wahl?

Offensive ist für Sampaoli Trumpf

Aus Sicht der AFA ist die Entscheidung naheliegend: Bei der WM 2014 sorgte er mit der chilenischen Nationalmannschaft für Furore, scheiterte im Achtelfinale gegen Gastgeber Brasilien unglücklich im Elfmeterschießen. 2015 gewann er die Copa America und bezwang im Finale die Albiceleste. Vergangenen Sommer übernahm er schließlich das Traineramt beim FC Sevilla und führte die Andalusier mit der zweitbesten Punkteausbeute der Vereinsgeschichte in die Qualifikation für die Champions League.

City-Neuzugang Bernardo Silva – der legitime Nachfolger seines Namensvetters

Bei all seinen Stationen war stets die Handschrift des Trainers zu erkennen. "Meine Vision ist, dass mein Team immer völlig dominant spielt", erklärte Sampaoli nach seiner Amtsübernahme in Sevilla. Er steht für pressing-lastigen, variablen Offensivfußball. "Meine Spieler müssen immer mehr an das Tor vor sich als an das Tor hinter sich denken", erklärt er seine Spielidee.

Bereits während seiner Zeit als chilenischer Nationalcoach gelang es ihm, seinem Team diverse Systeme zu vermitteln und diese während eines Spiels nahtlos und ohne jeglichen Qualitätsverlust zu wechseln. Egal ob mit Dreier-, Vierer-, oder Fünferkette, ob mit einem oder mit drei Angreifern in der Offensive – der 57-Jährige verlangt stets eine unheimliche Variabilität von seinen Spielern.

GFX Sampaoli

Bei allen taktischen Finessen wird jedoch vor allem wichtig sein, Mega-Star Lionel Messi seinen Stärken entsprechend in die Mannschaft zu integrieren. Auch Sampaoli ist sich der Tatsache bewusst, dass das Spiel der Albiceleste trotz der herausragenden individuellen Qualität im Kader vor allem mit dem Ausnahmekönner des FC Barcelona steht und fällt. "Wir wollen, dass der beste Spieler der Welt sich bei uns wohl fühlt. Das Wichtigste wird sein, dass Messi Spieler um sich herum hat, die gut zu ihm passen", unterstrich er bei seiner Vorstellung. "Das kann Paulo Dybala sein, er hat große spielerische Klasse und viele Ideen. Wenn beide gut miteinander harmonieren, wäre das großartig."

Ob beim Testspiel am Freitag gegen den Erzfeind aus Brasilien bereits erste Fortschritte zu erwarten sind bleibt abzuwarten. 43 Millionen Argentinier sehnen sich nach einem Grund, wieder stolz auf ihre Albiceleste sein zu  können. Jorge Sampaoli hat sich für eine schwere Aufgabe entschieden und übernimmt einen Vizeweltmeister am Tiefpunkt. Dank ihm ist die Hoffnung auf eine erfolgreiche Teilnahme an der Endrunde in Russland jedoch noch nicht gestorben.

Schließen