HINTERGRUND
Es gab Zeiten, da hätte man sich den Lauf zur Eckfahne eigentlich sparen können, so ungefährlich segelten die Eckstöße des FC Bayern München in den Strafraum. "Bei dieser Option sind wir eine Katastrophe", sagte der frühere Trainer Pep Guardiola im November 2014. Das sei "auch ein bisschen ein mentales Problem". Es fehle oft der Instinkt. Gut drei Jahre später sind diese Zeiten längst vorbei.
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Der FC Bayern anno 2018 strahlt nach Standardsituationen im Allgemeinen eine große Gefahr aus. 13 ihrer 44 Bundesliga-Tore und damit 30 Prozent ihrer Treffer erzielten die Münchner nach ruhenden Bällen. Eine derart starke Quote hatten die Bayern zuletzt 2011/12. Damals wie heute Trainer der Münchner: Jupp Heynckes.
Im Training hat der Routinier allerdings gar nicht so sehr den Fokus auf ruhende Bälle gelegt, wie Joshua Kimmich und Niklas Süle verrieten. Es stellt sich also die Frage, warum die Bayern trotzdem so effektiv sind nach Ecken und Freistöße. "Wir trainieren das schon gelegentlich. Es liegt aber auch an der Begabung der Spieler. Man braucht Spieler, die die Fähigkeit haben, den Ball vor dem Tor nicht nur zu erwarten, sondern auch antizipieren", sagte Heynckes am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen 1899 Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr im LIVE-TICKER).
Bayern gegen Hoffenheim ohne Hummels und Martinez




Früher habe er mit seinen Mannschaften intensiver Eckbälle oder Freistöße trainiert, das sei schon richtig, führte Heynckes aus: "Aber wir mussten am Anfang eher an anderen Elementen unseres Spiels arbeiten. Deswegen liegt es primär an den Fähigkeiten der Spieler. Vor dem Tor musst du das gewisse Etwas haben, du musst antizipieren und den Gegner überraschen." Mit der Begabung der Spieler meint Heynckes allerdings auch denjenigen, der das Leder den Abnehmern mustergültig serviert, und da kommt meist Neuzugang James Rodriguez ins Spiel.
James als Schlüssel
"Seine Bälle sind super getreten. Er hat ein gutes Gefühl, wo der gefährliche Raum ist, und er hat die Fähigkeit, den Ball genau dorthin zu bringen, wo er ihn haben möchte", schwärmte Kimmich nach dem 4:2-Sieg gegen Werder Bremen am vergangenen Sonntag.
| Saison | Anzahl Standardtore | Anteil an gesamt erzielten Toren |
| 2017/18 | 13 | 30% |
| 2016/17 | 21 | 24% |
| 2015/16 | 16 | 20% |
| 2014/15 | 18 | 22% |
| 2013/14 | 23 | 24% |
| 2012/13 | 22 | 22% |
| 2011/12 | 23 | 30% |
Alle im Text genannten Statistiken von Opta
"Man sieht, dass er einen überragenden linken Fuß hat und die Dinger genau auf den Kopf haut. So etwas gibt es nicht so oft", lobte auch Niklas Süle im exklusiven Interview mit Omnisport und Goal. "Hinzu kommt, dass wir viele großgewachsene Spieler im Kader haben, die auch torgefährlich sind. Dann ist es abzusehen, dass man auch mal erfolgreich ist." Thomas Müller ergänzte: "Wir schlagen gute Standards, egal ob James, Josh oder auch Arjen und wir haben exzellente Kopfballspieler mit Mats, Niki, Javi oder Lewy."
Apropos exzellente Kopfballspieler: Die Bayern erzielten mit neun Treffern in der laufenden Saison nicht nur ligaweit die meisten Kopfballtore - es sind jetzt auch schon genauso viele wie in der kompletten Vorsaison und mehr als in der Saison 2015/16 (acht). Und es wäre sogar noch mehr möglich gewesen.
"Ich persönlich bin noch nicht so zufrieden, da ich schon relativ viele Chancen hatte, aber nicht viele Tore daraus gemacht habe", sagte Süle und fügte hinzu: "Wenn man aber die gesamte Teamleistung bei Standards sieht, ist das schon sehr gut." Ein weiterer Beleg:Allein in den beiden Rückrundenspielen gegen Bayer Leverkusen (3:1) und Bremen erzielten die Münchner drei Treffer nach ruhenden Bällen.
Der einst fehlende Instinkt ist offenbar zurück beim FC Bayern.
