GFX Bayern Ancelotti Hummels Boateng vor REALGoal / Getty Images

FC Bayern München: Dreifach neue Hoffnung


HINTERGRUND

Beim FC Bayern München haben sie alles versucht in den vergangenen Tagen. Alles, um im Viertelfinalrückspiel der Champions League am Mittwochabend (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) bei Real Madrid auf ihre drei Leistungsträger zurückgreifen zu können. Und eines ist gewiss: Sie dürfen weiterhin hoffen auf die zuletzt verletzten und schmerzlich vermissten Robert Lewandowski, Mats Hummels und Jerome Boateng. Die Chancen auf einen Einsatz scheinen sich in den vergangenen Stunden verbessert zu haben. 

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Lewandowski war am Montag genauso an Bord der Lufthansa-Maschine mit der Flugnummer 2570, die um 11 Uhr deutscher Zeit vom Flughafen München in Richtung Madrid abhob, wie seine beiden Mannschaftskollegen.

Die beiden Innenverteidiger meldeten sich kurz vor Abflug noch via Twitter zu Wort, Boateng postete ein Bild von sich selbst neben Kumpel David Alaba, trug dabei das schmucke Königsklassen-Outfit des deutschen Rekordmeisters und eine Designerbrille aus seiner eigenen Kollektion. Hummels grinste wenig später in die Frontkamera seines Smartphones.

"Große Chancen" für Hummels und Boateng

Unklar war zu diesem Zeitpunkt, wie viel echte Hoffnung und wie viel Mindgames dahintersteckten, die beiden Weltmeister öffentlichkeitswirksam in den Flieger zu setzen. Hummels hatte am Ostersonntag nach seiner in der Vorwoche erlittenen Stauchung und Verletzung des Kapselbandapparats im rechten oberen Sprunggelenk genauso wie Boateng, der mit Adduktorenproblemen zu kämpfen hatte, eine Laufeinheit absolviert.

Tatsächlich scheint das Szenario, am Dienstagabend mit dem Weltmeister-Duo im Santiago Bernabeu verteidigen zu können, jedoch durchaus möglich. "Beide", sagte Trainer Carlo Ancelotti auf der Abschlusspressekonferenz, "haben große Möglichkeiten zu spielen." Es werde allerdings noch ein "Test mit dem Ball" nötig sein. "Wir schauen am Dienstagmorgen, wie es läuft und treffen dann eine Entscheidung."

Sicher dabei sein sollte indes Lewandowski, der die letzte Einheit an der Säbener Straße am Montag schon voll durchzog und danach verkündet hatte: "Es geht mir gut. Ich bin sehr zufrieden, dass ich heute im Training dabei sein konnte." Beim Stürmer sei "alles okay", bestätigte auch Ancelotti.

Lewandowski im Hinspiel schmerzlich vermisst

In weißem Hemd und beiger Bomberjacke hatte Lewandowski am vergangenen Mittwoch in Begleitung seiner Frau Anna die Allianz Arena betreten. Kaum auf seinem Platz direkt unterhalb der Pressetribüne angekommen, zog er sich seine Baseballcap über. Bloß nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen.

In den darauffolgenden 90 Minuten musste er dann tatenlos mit ansehen, wie seine Kollegen 1:0 in Führung gingen, die große Chance aufs 2:0 vergaben, anschließend erst ihre Spielidee, dann Javi Martinez und letztendlich auch das Spiel verloren. Dass sich die Königlichen dabei bei der Chancenverwertung noch gnädig, ja geradezu leichtfertig präsentierten, war der einzige Trost an diesem Abend. 

Ancelotti und sein Team mussten bei der 1:2-Niederlage derweil schmerzlich erfahren, wie wichtig der Toptorjäger tatsächlich ist, wie sehr er der Mannschaft dann doch fehlte. "Wir wissen um seinen Wert, aber wir können auch ohne ihn stark sein - daran habe ich keinen Zweifel", hatte Ancelotti noch vor der Partie gesagt. Eine These, die nach dem Spiel kaum noch haltbar war. 

Thomas Müller war schließlich beim Versuch, Lewandowski zu ersetzen, gnadenlos gescheitert. Es war nicht einmal seine Schuld, weil er ja gar kein Mittelstürmer ist, seine Kollegen ihn aber einsetzten, als würde da Robert Lewandowski stehen. Und selbst der hätte sich vermutlich gegen Sergio Ramos schwergetan.

Ohne Lewandowski fehlten jedoch entscheidende Elemete im Spiel der Münchner. Es fehlte jemand, der die Bälle festmacht und verteilt, der sich auch gegen physisch starke Gegenspieler zu behaupten weiß. Jemand, der auch mit dem Rücken zum Tor Lösungen findet, der standhaft bleibt und den Ball dank seiner technischen Qualitäten auch aus scheinbar aussichtslosen Situationen über die Linie drücken kann. Jemand, der Tore schießt. 

Real Madrid zittert vor Lewandowski

In einer Szene wurde das besonders deutlich, da hatte Philipp Lahm auf Müller durchgesteckt. Man konnte sich bildlich vorstellen, wie Lewandowski diese Situation wohl gelöst hätte, Müller aber vertendelte das Leder und Lahm verwies hinterher darauf, dass Müller ja mehr eine "hängende Spitze" sei und sagte: "Unser einziger Stürmer hat heute gefehlt."

Arjen Robben erklärte derweil, die letzten Prozent Überzeugung vermisst zu haben. Nun, da Lewandowskis Einsatz nichts mehr im Wege steht, sind die Vorzeichen aber andere. "Lewy", sagte Lahm am Montag, "ist sehr wichtig und würde uns guttun." 

In Madrid hat sich derweil rund ums Santiago Bernabeu trotz des eigentlich beruhigenden Hinspielresultats bereits eine gewisse Nervosität breitgemacht, die sich auch in den spanischen Zeitungen niederschlägt. Lewandowski war es schließlich, der Real vor ziemlich genau vier Jahren, damals noch im Trikot von Borussia Dortmund, mit vier Treffern im Alleingang abgeschossen hatte. 

Niemand weiß allerdings, inwiefern die Nachwirkungen seiner im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund (4:1) erlittenen Schulterprellung Lewandowski in seinem Wirken einschränken werden. Allein seine Präsenz dürfte aber einige Prozentpunkte, womöglich ja sogar die entscheidenden, beim FC Bayern herauskitzeln. Ganz zu schweigen davon, wenn auch Boateng oder Hummels auflaufen könnten - womöglich sogar beide zusammen. Die Hoffnung lebt, sogar dreifach. 

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