HINTERGRUND
Hinterher waren die Spieler des FC Bayern selbst überrascht. "Dieses Ergebnis", sagte etwa Arjen Robben in der Interviewzone, "hätte ich nicht für möglich gehalten." Jerome Boateng meinte wenig später: "Wir wollten gut ins Spiel kommen, waren dann aber auch überrascht, wie einfach es heute war." Mit 6:0 (5:0) hatte der deutsche Rekordmeister zuvor die überforderten Gäste aus Dortmund abgeschossen.
Kommentar: Warum dem BVB das 0:6 in München helfen könnte
Das nur vermeintliche Bundesliga-Topspiel verkam zu einer Machtdemonstration der Münchner - und zu einer eine Lehrstunde für den BVB. Die Bayern spielten gnadenlos und zielstrebig, die Schwarz-Gelben dagegen wirkten vor allem in der ersten Halbzeit völlig überfordert, geradezu hilflos. Als Trainer Peter Stöger nach 29 Minuten reagierte und Julian Weigl für Gonzalo Castro ins Spiel brachte, war die Partie längst entschieden.
Robert Lewandowski (5.), James Rodriguez (14.) und Thomas Müller (23.) hatten zu diesem Zeitpunkt drei der zahlreichen individuellen Fehler der Borussen ausgenutzt, später machten erneut Lewandowski (44., 87.) sowie Franck Ribery (45. +1) das halbe Dutzend voll.
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Die Bayern spielten zwar gut, sehr gut sogar, die Dortmunder machten es ihnen aber auch erschreckend leicht. Wieder und wieder unterliefen den Schwarz-Gelben eklatante Fehler im eigenen Aufbauspiel. Wieder und wieder stürmten die Münchner nach einem Ballgewinn in Überzahl auf Roman Bürki zu.
"Die Bayern haben mit uns Katz und Maus gespielt"
"Insbesondere in der ersten Halbzeit haben wir uns wehrlos ergeben. Wir haben die Zweikämpfe nicht gesucht und wir haben sie nicht geführt. Wir haben die Münchner quasi durchlaufen lassen. Der Halbzeitstand sprach Bände", meinte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Trainer Peter Stöger sprach von "kollektivem Versagen" und Kapitän Marcel Schmelzer musste anerkennen: "Die Bayern haben mit uns Katz und Maus gespielt."

Es war ein "nahezu perfekter" Auftritt der Münchner, wie Mats Hummels befand. Ärgerlich war aus Sicht der Bayern nur, dass sie die sechste Deutsche Meisterschaft in Folge noch nicht perfekt machen konnte, weil Schalke 04 am Nachmittag gegen den SC Freiburg (2:0) gewonnen hatte. "Wir hatten uns schon erhofft, heute im eigenen Stadion Meister zu werden", gab Sven Ulreich zu.
Womöglich ist es vor dem wichtigen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Sevilla am kommenden Dienstag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER ) aber auch gar nicht so schlecht, nicht in überschwängliche Feierlichkeiten zu verfallen. In Andalusien werde es schließlich ein "ganz anderes Spiel. Das wird eine schwere Aufgabe", warnte Jerome Boateng. Auch Innenverteidigerkollege Hummels hob den Zeigefinger. Sevilla sei "auf fast allen Positionen eine technisch hervorragend besetzte Mannschaft" und habe zudem auch einige individuell starke Spieler.
Bayern vor dem Spiel in Sevilla in Top-Form
Gefährlich sei der lockere 6:0-Sieg gegen den BVB im Hinblick auf die Partie im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan "aber auf keinen Fall". Warum? "Weil wir wissen, wie gut Sevilla ist und weil wir wissen, dass wir nur mit einer gewissen Art und Weise - fußballerisch aber auch mit dem, was im Kopf abgeht - die Chance haben, die Champions League zu gewinnen. Wir wissen, dass wir am Dienstag mit allem unter einer verdammt starken Leistung in Sevilla verlieren werden. Und ich glaube, dass es keinen bei uns gibt, der diese Aufgabe auf die leichte Schulter gibt. Das wäre ohnehin völlig ungerechtfertigt", sagte Hummels auf Goal-Nachfrage.
Und dennoch: Der FC Bayern geht als Favorit ins Spiel, befindet sich in Top-Form. "Wir müssen den Schwung mitnehmen. Wir haben hohe Erwartungen an uns und werden alles dafür tun, um fit zu bleiben oder fit zu werden, wenn man es noch nicht ist. Wir haben ja auch noch ein, zwei angeschlagene Spieler. Aber der Teamgeist und die Zutaten sind da", sagte Thomas Müller.
Ob es also angerichtet sei, wurde Müller noch gefragt. "Von mir aus", entgegnete er: "Können Sie schreiben."
