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Er hat eine besondere Verbindung zu Jürgen Klopp: Wird ein nimmermüder Dauerbrenner zum ersten großen DFB-Gewinner?

Wenn Jürgen Klopp im September seinen ersten Kader als Bundestrainer nominiert, wird es auf viele spannende Fragen eine erste Antwort geben: Wie verändert sich das personelle Gesicht der deutschen Nationalmannschaft im Vergleich zu den gut zweieinhalb Jahren unter dem nach dem WM-Fiasko zurückgetretenen Julian Nagelsmann? Welche Spieler werden vorerst nicht mehr eingeladen? Welche Akteure holt Klopp neu dazu und betraut sie möglicherweise mit einer wichtigen Rolle beim Neuaufbau des Aushängeschilds des deutschen Fußballs?

Rocco Reitz würde seinen Namen sehr gerne in der Antwort auf letztere Frage finden. "Ich glaube, von jedem ist es das Ziel, irgendwann mal Nationalspieler zu sein. Das ist auch auf meiner Liste", sagte Reitz kürzlich im Rahmen der offiziellen Vorstellung bei seinem neuen Verein RB Leipzig. Wenn man nun bedenkt, dass der Transfer des Mittelfeldspielers von Borussia Mönchengladbach zu den Sachsen schon im März eingetütet worden war, wird schnell klar: Klopp kann Reitz nicht ganz schlecht finden.

Denn schließlich war zum Zeitpunkt von Reitz' Wechsel nach Leipzig noch nicht daran zu denken, dass Klopp gut vier Monate später Bundestrainer sein würde. Stattdessen war der 59-Jährige da noch Head of Global Soccer bei Red Bull - und in dieser Funktion eben maßgeblich daran beteiligt, Reitz zu RB zu lotsen. Die intensive Spielweise des 24-Jährigen, dessen Sprintfähigkeiten und leidenschaftliche Bereitschaft dazu, sein letztes Hemd für die Mannschaft zu geben, imponieren Klopp dem Vernehmen nach sehr. Weil Reitz mit seinem Vollgasfußball so gut zum nimmermüden Spielstil in Leipzig passt, holte der neue DFB-Coach ihn nach Leipzig - und aus denselben Gründen könnte er ihn nun für das Mittelfeldzentrum der Nationalmannschaft auf dem Schirm haben.

Rocco ReitzGetty Images

Klar ist, dass Klopp im DFB-Team einen Neuaufbau gestalten soll und darf. Das von vornherein so auch nach außen zu kommunizieren, Rückschläge explizit in Kauf zu nehmen und vielleicht mal das eine oder andere große Turnier als Teil einer Übergangsphase ohne großspurige Titelansagen zu begreifen, scheint dem neuen starken Mann in Fußballdeutschland wichtig. "Es ist Talent da. Aber man muss eine Erwartungshaltung kreieren, mit der die Spieler umgehen können", betonte Klopp bezüglich der Zukunft des DFB-Teams rund um das WM-Finale als Experte bei MagentaTV. 57 Feldspieler habe er sich notiert, sagte Klopp bei seiner Antrittspressekonferenz. Namen nannte er nicht.

Setzt Jürgen Klopp beim Neuaufbau des DFB-Teams auf Rocco Reitz?

Auf das Beispiel Reitz heruntergebrochen, heißt das: Wenn Klopp ja offensichtlich viel von ihm hält, weil er ihn für 20 Millionen Euro Ablöse nach Leipzig geholt hat, und er ihm für die enorm intensive Spielweise seiner Mannschaften geeignet erscheint, könnte er einer der Spieler sein, die ein Puzzleteil des Neuaufbaus werden. Grundvoraussetzung dafür: Reitz setzt sich in Leipzig durch - und geht mit den teilweise komplizierten Umständen seines Wechsels gut um.

In Mönchengladbach, bei seinem Herzensklub, für den er einst schon als Siebenjähriger die Fußballschuhe geschnürt hat, ist er bekanntlich ziemlich unten durch, weil er ausgerechnet zu RB gegangen ist. "Wer das hier will, darf niemals unser Kapitän sein", stand bei Gladbachs Auswärtsspiel in Leipzig im April, einige Wochen nach Bekanntwerden des Reitz-Transfers, auf einem Plakat in der Fankurve der Fohlen. Bei aller Fußballromantik, der ein derartiger Wechsel widerstrebt, muss man lobend hervorheben, dass eine ordentliche Portion Selbstvertrauen zu einem solchen Schritt gehört. Zumal eine gewisse Fallhöhe den Druck erhöht: Denn kommt Reitz in Leipzig nicht zurecht, ist ihm die Häme aus der alten Heimat sicher - und am ersten Spieltag heißt der erste Gegner seiner neuen Heimat ausgerechnet Gladbach.

Hinzu kommt eine weitere Variable: Als Reitz im Frühjahr verpflichtet wurde, saß bei RB noch Ole Werner auf der Trainerbank. Inwieweit der neue Chefcoach Martin Demichelis von dem Ex-Gladbacher überzeugt ist, muss sich erst noch zeigen. Ganz grundsätzlich scheint Reitz mit seiner Lauf- und Zweikampfstärke, dem aggressiven Spiel gegen den Ball und dem schnörkellosen Spiel mit Ball prädestiniert für Leipzigs Fußball. Er ähnelt dem abgewanderten Xaver Schlager, den er ersetzen soll, vom Profil her sehr.

Da Christoph Baumgartner voraussichtlich noch bis Ende Oktober verletzt ausfällt, kann sich Reitz in den ersten Wochen der kommenden Saison an der Seite von Nicolas Seiwald oder Assan Ouedraogo im Mittelfeldzentrum in Stellung bringen. Vorausgesetzt, er ist selbst vollständig fit. Ein schwerer Infekt hatte ihn schon am Ende der vergangenen Spielzeit außer Gefecht gesetzt und begleitete ihn über die letzten beiden Monate hartnäckig. "Ich fühle mich gut, die Werte sind gut. Woche für Woche gehen wir einen Schritt weiter", gibt sich Reitz optimistisch, musste bei RB aber zunächst mit individuellem Aufbautraining einsteigen.

Wird Rocco Reitz unter Jürgen Klopp Nationalspieler? Die Konkurrenz ist groß

Als persönliches Ziel hat sich Reitz möglichst viele Scorerpunkte vorgenommen - ein Aspekt, der seinem Spiel vor allem in den letzten beiden Jahren zu sehr abging. Dazu plant er natürlich das eine oder andere Empfehlungsschreiben an Klopp. In der U21-Nationalmannschaft hatte sich Reitz in der Qualifikation zur EM 2025 zum Fixpunkt entwickelt, auch beim Turnier im vergangenen Sommer war er dann absoluter Leistungsträger. Mit der deutschen Auswahl wurde er Vize-Europameister, zeigte dabei mehrere bockstarke Leistungen und glänzte allen voran mit seiner schier unerschöpflichen Fähigkeit, intensive Läufe aneinanderzureihen und jeden Meter des Platzes umzupflügen.

ROCCO REITZ GLADBACH Getty Images

Vor der EM 2024 durfte Reitz bekanntlich schon mal bei der A-Nationalmannschaft reinschnuppern, füllte zwischenzeitlich gemeinsam mit Brajan Gruda die Trainingseinheiten auf, machte seine Sache gut und stand beim Testspiel gegen die Ukraine (0:0) Anfang Juni 2024 im Kader. Auf sein erstes Länderspiel wartet Reitz bis heute allerdings, unter Klopp soll sich das ändern. Und wenngleich ihm der Bundestrainerwechsel in die Karten spielt, gehört zur Wahrheit natürlich auch, dass die Konkurrenz auf der Sechs und der Acht ziemlich groß ist.

Mit Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic könnte Klopp im Mittelfeldzentrum auf ein Duo setzen, das beim FC Bayern super funktioniert. Mit Felix Nmecha (Borussia Dortmund), seinem neuen Leipziger Vereinskollegen Ouedraogo, Tom Bischof (FC Bayern), Anton Stach (Leeds United) oder Angelo Stiller (VfB Stuttgart) muss sich Reitz zudem mit einigen weiteren, beim DFB bereits arrivierteren Qualitätsspielern messen. Dazu kommen große, unvorbelastete Talente wie Kennet Eichhorn (Bayer Leverkusen) oder Noel Aseko (Eintracht Frankfurt), die Klopp beim DFB-Neustart explizit als Eckpfeiler der Zukunft aufbauen könnte.

Reitz kommt dafür insbesondere wegen der speziellen Verbindung zu Klopp natürlich auch in Frage. Entscheidend wird sein, wie gut er bei seinem neuen Klub die Qualitäten auf den Platz bringen kann, wegen derer ihn der neue Bundestrainer vor einigen Monaten zu RB Leipzig holte. Zu den besagten 57 dürfte Reitz jedenfalls gehören.

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