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Die verrückteste Saison: Der Aufsteiger wird Meister

Kaiserslautern. Das gibt es doch gar nicht! Gerade erst war der 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga zurückgekehrt. Der erste Abstieg der Vereinsgeschichte war korrigiert und die Saison 1997/98 begann dann direkt so verwunderlich: Ein 1:0-Sieg und das auswärts beim amtierenden Meister FC Bayern im Münchener Olympiastadion. Was für ein Auftakt in die neue Saison! Noch konnte ja niemand ahnen, dass der Aufsteiger dem deutschen Rekordmeister die Meisterschale am Saisonende sogar entreißen würde. Dass dieses Spiel schon das Duell zwischen zwei Meisteranwärtern sein würde, konnte niemand wissen. Und auch wenn das Potenzial der „Roten Teufel“ über die Region hinaus bekannt war, so rechnete doch niemand mit dem folgenden Durchmarsch, an dessen Ende der Titel stehen sollte!

Saison wird immer kurioser

Doch im Verlaufe der Spielzeit festigte sich die Mannschaft immer mehr. Vom vierten Spieltag bis zum allerletzten Abpfiff der Saison stand die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel durchgängig an der Tabellenspitze. Während der FC Bayern München immer mal wieder patzte und sich Giovanni Trapattoni mit seiner „Flasche leer“-Pressekonferenz in die Geschichtsbücher eintrug, siegte sich der FCK durch die gesamte Liga und eroberte nebenbei mit seiner robusten Spielweise auch wieder die Herzen der Fans. Nach einem schwierigen Jahr in der zweiten Liga war endlich wieder toller Bundesliga-Fußball im Fritz-Walter-Stadion zu bewundern, dem höchsten Fußball-Berg Deutschlands! Und dennoch wurde die Meisterschaft so richtig erst realisiert, als sie perfekt war. Zuvor hatte es viele Zweifler gegeben und der FC Bayern war Lautern in einem langen Rennen als Verfolger dauerhaft auf den Fersen geblieben.

Schreie, Jubel und dann die Nachricht

Und dann kam dieser 2. Mai 1998. Kaiserslautern empfing am vorletzten Spieltag den Mit-Aufsteiger VfL Wolfsburg. Olaf Marschall brachte die Pfälzer nach 24 Minuten in Führung. Martin Wagner ließ das 2:0 folgen (52.). Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren Fans und Spieler auch mit einem Ohr in Duisburg, wo der FC Bayern München spielte. Dass Marschall (55.) und Jürgen Rische (88.) noch Tore zum 4:0-Endstand erzielten, wurde fast zur Nebensache. Jubel gab es an diesem Tag reichlich in Kaiserslautern. Die Torschreie schienen fast noch atemberaubender denn je zu sein. Aber im Fritz-Walter-Stadion machte unmittelbar nach dem Abpfiff eine andere Nachricht die Runde: Bayern München hatte in Duisburg nur 0:0 gespielt. Der 1. FC Kaiserslautern war deutscher Meister!

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Große Feier...

Anschließend gab es kein Halten mehr. Eine ganze Stadt, eine ganze Region stand Kopf. Deutscher Meister als Aufsteiger – das hatte es noch nie gegeben! Irgendwie passte es zu diesem verrückten Klub, dass ausgerechnet ihm dieses Kunststück gelungen war. Die Spieler belohnten sich mit diesem Titel selbst für eine großartige Saison und verhalfen dem Verein damit aus einer tiefen Krise. Die Spielzeit 1997/98 schien die Neugeburt eines Klubs zu sein. Der FCK definierte sich im Herzen nie neu, bleib immer derselbe leidenschaftliche Klub. Doch bei vielen Entscheidungsträgern kam es nun zu einem Umdenken in die falsche Richtung: Immer höher musste es gehen – um jeden Preis!

...und die Musik verstummt

Und dieser Preis war hoch. Rehhagel hielt sich noch bis 2000 beim 1. FC Kaiserslautern und legte dann sein Amt nieder. Auch wenn die Fans ihn gerne, wie im Stadionlied gefordert, noch länger im Amt gesehen hätten, gab es für ihn keine Zukunft mehr am Betzenberg. Fortan ging es wieder steil bergab, wirtschaftlich und sportlich ging es dem Klub immer schlechter und letztlich stieg der FCK 2006 ab – ausgerechnet gegen den VfL Wolfsburg, gegen den Jahre zuvor noch die Meisterschaft gefeiert worden war… Den zweiten Aufstieg der Vereinsgeschichte erlebte die Pfalz erst im vergangenen Frühjahr. Aber nach einer Wiederholung der Sensations-Meisterschaft sieht es derzeit wahrlich nicht aus. In den letzten zwei Jahren wurde es ruhiger um den Verein. Eine Ruhe, die dem Klub nach langem Auf und Ab gut tat! Auch die Meisterhelden Marschall, Wagner, Rische und Co. werden dies wohlwollend verfolgt haben...

114878 „20 Jahre – 20 Momente“, das ist die Goal.com-Serie zur deutschen Fußball-Einheit. Denn der 21. November 1990 war im deutschen Fußball ein historischer Tag: Der Verband der DDR wurde aufgelöst. Geboren als neues Mitglied des DFB war der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV). Die deutsche Fußball-Einheit war 49 Tage nach der politischen Deutschen Einheit vollzogen. Goal.com erinnert an die größten Triumphe, tragischsten Momente und berüchtigsten Skandale der letzten 20 Jahre.
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