Ein Text von Carlo GARGANESE
übersetzt von Falko BLÖDING
Berlin. Es gibt Diskussionen auf diesem Planeten, bei denen man einfach nicht auf einen Nenner kommt: Rollings Stones vs. Beatles, Magic Johnson vs. Michael Jordan und, natürlich, Pele vs. Maradona. Die letzte Frage spaltet die Meinungen der Fußballbegeisterten rund um den Planeten. Aber wie bestimmt man, wer besser war. Nun ja, da gibt es einige Möglichkeiten:
Titel und Auszeichnungen
Pele gewann drei Weltmeisterschaften und zwei Mal die Copa Libertadores (Südamerikas Pendant zur Champions League/Landesmeisterpokal) und zwei Klubweltmeisterschaften. Hinzu kommen zahlreiche nationale Meisterschaften und Titel in Amerika. Von der FIFA wurde er im Jahr 2000 zum Spieler des Jahrhunderts gekürt.
Diego Maradona auf der anderen Seite, gewann eine Weltmeisterschaft und nationale Meisterschaften in Argentinien und Italien. Dazu kommen Pokalerfolge in Italien und Spanien. Er wurde als bester Spieler der WM 1986 ausgezeichnet und schoss das Tor des Jahrhunderts. Außerdem wählte ihn die FIFA zum Spieler des Jahrzehnts (1980er Jahre).
Wenn man nach der Anzahl der Weltmeistertitel geht, schlägt das Pendel zu Gunsten Peles aus. Doch bei näherem Hinsehen erkennt man, dass er 1958 als 17-jähriger sein Debüt als Wunderkind auf der Weltbühne hatte. 1962 und 1966 hatte er aufgrund von Verletzungsproblemen dagegen kaum Einfluss auf die Leistungen seiner Mannschaft. Bei der Endrunde 1970 begeisterte er mit seinen Leistungen, fairerweise muss man jedoch festhalten, dass er damals im anerkanntermaßen besten Team um die Stars Tostao, Rivelino, Gerson und Jairzinho spielte.
Maradona führte dagegen 1986 eine durchschnittliche Mannschaft zum großen Triumph. Im Viertelfinale gegen England gelang ihm das beste Tor aller Zeiten und auch das Halbfinale gegen Belgien geriet zu einer Maradona-Show.
Sicherlich wäre Brasilien 1970 auch ohne Pele Weltmeister geworden. Die Frage, die man sich daher stellen muss, lautet: Hätte Argentinien 1986 auch mit Pele anstelle Maradonas das Turnier gewonnen?
Erzielte Tore
Pele-Anhänger werfen immer wieder die unglaubliche Zahl von 1281 erzielten Treffer 1363 Spielen des Brasilianers in die Waagschale. Zunächst einmal müssen wir jedoch festhalten, dass diese Zahl nicht in Stein gemeißelt ist, sondern es eine gewisse Unsicherheit gibt, ob sie überhaupt stimmt. Desweiteren gelangen Pele zahlreiche Treffer für Santos in regionalen Meisterschaften, wo die Gegenspieler kein gehobenes Niveau hatten. Nichtsdestotrotz: 77 Treffer in 92 Länderspielen (zwölf davon in WM-Endrunden) für die „Selecao“ sind eine beeindruckende Hausnummer.
Maradona traf in 91 Länderspielen für Argentinien 34 Mal (acht Mal bei einer WM) und bringt es in seiner Karriere insgesamt auf 311 Tore in 590 Spielen.
Doch, wie so oft im Leben, ist Statistik nicht alles. Ein großer Spieler erzielt Treffer, wenn es drauf ankommt. In Finals, K.O.-Partien oder entscheidenden Meisterschaftsspielen. Ein Beispiel: Italiens aktueller Nationalspieler Alberto Gilardino mag zwar eine nette Trefferquote haben, doch Tore gegen starke Gegner oder in wichtigen Begegnungen muss man bei ihm mit der Lupe suchen. Pele und Maradona waren dagegen beide in der Lage, die ganz wichtigen Tore zu erzielen und Spiele für ihre Mannschaften zu entscheiden.
Maradona hatte es bei seiner Zeit in Italien mit stärkeren Gegnern zu tun. 1987 führte er Napoli zum ersten „Scudetto“ der Vereinsgeschichte und wiederholte diesen Erfolg 1990. Pele, der nie in Europa kickte, hatte es in Brasilien immer ein wenig einfacher. Dennoch: Sein FC Santos war in den 1960er Jahren die dominante Mannschaft im Weltfußball und gewann auch gegen europäische Spitzenvereine. Bei den Weltpokalfinals 1962 und 1963 gegen Benfica und Milan erzielte Pele insgesamt sieben Tore!
Fair Play
Das Verhalten auf und Abseits des Spielfelds ist Peles größter Pluspunkt gegenüber Diego Maradona, sagten seine Befürworter. Schließlich kann der Argentinier nur schwer als Vorbild herhalten. Exemplarisch sei sein Tor mit der „Hand Gottes“ gegen England 1986 genannt – das war schlicht und einfach Betrug.
Aber hat das irgendeine Aussagekraft darüber, wer der bessere Spieler war? In Europa und Südamerika ist sogar es Gang und gebe, sich mit Haken und Ösen, manchmal am Rande der Legalität einen Vorteil zu verschaffen. Das heißt dann meist „clever“, „abgebrüht“ oder „mit allen Wassern gewaschen“. Auch der moralische Teil soll hier keine Rolle spielen. Maradonas Kokainsucht hat doch keinen Einfluss auf seine Rolle im Weltfußball damals. Oder ist Amy Winehouse eine schlechtere Sängerin, weil sie Drogenprobleme hat? Maradona verriet in einem Interview vor längerer Zeit einmal, dass er „drei Mal so gut“ gewesen wäre, hätte er die Finger vom Koks gelassen!
Skandale dieser Art sind Pele fremd, doch auf dem Rasen war auch er gewiss kein Engel. Es gibt sogar FIFA-Größe, darunter Sepp Blatter oder Joao Havelange, die ihn diesbezüglich auf einer Stufe mit Maradona sehen.
Videomaterial
Ein Vergleich der beiden Spieler ist umso schwieriger anzustellen, da es kaum vergleichbares Videomaterial gibt. Von Pele existieren zum Großteil Aufnahmen von WM-Endrunden. Kein Wunder, als Pele in seiner Blüte war (1950er, 1960er Jahre), da wurde längst nicht so viel Fußball gesendet, wie es später bei Maradona der Fall war. Zu dessen besten Jahren entwickelte sich der Sport gerade zu einem Geschäft, bei dem es um viele Millionen geht und das in alle Welt ausgestrahlt wurde. Daher sind die vielen Best-of-Zusammenschnitte im Internet oft trügerisch und mit Vorsicht zu genießen. Von jedem halbwegs guten Erstliga-Spieler lässt sich mittlerweile ein Highlight-Video zusammenschneiden, dass ihn als nächsten Superstar erscheinen lässt. Viel wichtiger ist, dass beide Spieler über viele Jahre den Fußball prägten. Eben diese Konstanz ist ja auch, die Akteure wie Paolo Maldini (spielte 15 Jahre auf Weltklasse-Niveau) zu Legenden werden lässt.
Pele kam vor Maradona
Pele galt als Spieler, der seiner Zeit weit voraus war. Italiens Nationalspieler Tarciso Burgnich erzählte nach dem WM-Endspiel 1970: „Ich habe mir immer wieder eingeredet, dass er genauso aus Haut und Knochen besteht, wie alle anderen. Aber ich lag falsch.“ Viele Leute meinen auch, dass es ohne Peles inspirierende Spielweise keinen Johan Cruyff, Roberto Baggio, Zico oder Zinedine Zidane in dieser Form gegeben hätte. Zugegeben, auch dies ist reine Spekulation.
Die Frage nach dem besseren zweier absoluter Fußballgenies eindeutig zu beantworten ist nahezu unmöglich. Doch die entscheidende Komponente ist für mich die Weltmeisterschaft 1986. Wenn man mich fragte, ob Argentinien diesen Titel auch mit Pele geholt hätte, müsste ich „Nein“ antworten. Maradona hatte einfach einen individuell größeren Einfluss auf seine Mannschaft.
Ihr könnt alle aufgelisteten Fakten und Argumente abwägen und Euch auf den folgenden beiden Videos selbst ein Bild machen.
Goal.com will EURE Meinung hören! Wer war für Euch der bessere der beiden und warum?
Für Frühaufsteher oder Spät-ins-Bett-Geher: Verpasst auf keinen Fall den Knaller zwischen Argentinien und Brasilien mit den Erben Peles und Maradonas auf Goal.com! Wir berichten Am Sonntag ab 2.15 Uhr mit einem LIVE-Ticker aus Rosario. Auch alle wichtigen Infos im Anschluss an die Partie bekommt Ihr selbstverständlich bei uns!
übersetzt von Falko BLÖDING
Berlin. Es gibt Diskussionen auf diesem Planeten, bei denen man einfach nicht auf einen Nenner kommt: Rollings Stones vs. Beatles, Magic Johnson vs. Michael Jordan und, natürlich, Pele vs. Maradona. Die letzte Frage spaltet die Meinungen der Fußballbegeisterten rund um den Planeten. Aber wie bestimmt man, wer besser war. Nun ja, da gibt es einige Möglichkeiten:
Titel und Auszeichnungen
Pele gewann drei Weltmeisterschaften und zwei Mal die Copa Libertadores (Südamerikas Pendant zur Champions League/Landesmeisterpokal) und zwei Klubweltmeisterschaften. Hinzu kommen zahlreiche nationale Meisterschaften und Titel in Amerika. Von der FIFA wurde er im Jahr 2000 zum Spieler des Jahrhunderts gekürt.
Diego Maradona auf der anderen Seite, gewann eine Weltmeisterschaft und nationale Meisterschaften in Argentinien und Italien. Dazu kommen Pokalerfolge in Italien und Spanien. Er wurde als bester Spieler der WM 1986 ausgezeichnet und schoss das Tor des Jahrhunderts. Außerdem wählte ihn die FIFA zum Spieler des Jahrzehnts (1980er Jahre).
Wenn man nach der Anzahl der Weltmeistertitel geht, schlägt das Pendel zu Gunsten Peles aus. Doch bei näherem Hinsehen erkennt man, dass er 1958 als 17-jähriger sein Debüt als Wunderkind auf der Weltbühne hatte. 1962 und 1966 hatte er aufgrund von Verletzungsproblemen dagegen kaum Einfluss auf die Leistungen seiner Mannschaft. Bei der Endrunde 1970 begeisterte er mit seinen Leistungen, fairerweise muss man jedoch festhalten, dass er damals im anerkanntermaßen besten Team um die Stars Tostao, Rivelino, Gerson und Jairzinho spielte.
Maradona führte dagegen 1986 eine durchschnittliche Mannschaft zum großen Triumph. Im Viertelfinale gegen England gelang ihm das beste Tor aller Zeiten und auch das Halbfinale gegen Belgien geriet zu einer Maradona-Show.
Sicherlich wäre Brasilien 1970 auch ohne Pele Weltmeister geworden. Die Frage, die man sich daher stellen muss, lautet: Hätte Argentinien 1986 auch mit Pele anstelle Maradonas das Turnier gewonnen?
Erzielte Tore
Pele-Anhänger werfen immer wieder die unglaubliche Zahl von 1281 erzielten Treffer 1363 Spielen des Brasilianers in die Waagschale. Zunächst einmal müssen wir jedoch festhalten, dass diese Zahl nicht in Stein gemeißelt ist, sondern es eine gewisse Unsicherheit gibt, ob sie überhaupt stimmt. Desweiteren gelangen Pele zahlreiche Treffer für Santos in regionalen Meisterschaften, wo die Gegenspieler kein gehobenes Niveau hatten. Nichtsdestotrotz: 77 Treffer in 92 Länderspielen (zwölf davon in WM-Endrunden) für die „Selecao“ sind eine beeindruckende Hausnummer.
Maradona traf in 91 Länderspielen für Argentinien 34 Mal (acht Mal bei einer WM) und bringt es in seiner Karriere insgesamt auf 311 Tore in 590 Spielen.
Doch, wie so oft im Leben, ist Statistik nicht alles. Ein großer Spieler erzielt Treffer, wenn es drauf ankommt. In Finals, K.O.-Partien oder entscheidenden Meisterschaftsspielen. Ein Beispiel: Italiens aktueller Nationalspieler Alberto Gilardino mag zwar eine nette Trefferquote haben, doch Tore gegen starke Gegner oder in wichtigen Begegnungen muss man bei ihm mit der Lupe suchen. Pele und Maradona waren dagegen beide in der Lage, die ganz wichtigen Tore zu erzielen und Spiele für ihre Mannschaften zu entscheiden.
Maradona hatte es bei seiner Zeit in Italien mit stärkeren Gegnern zu tun. 1987 führte er Napoli zum ersten „Scudetto“ der Vereinsgeschichte und wiederholte diesen Erfolg 1990. Pele, der nie in Europa kickte, hatte es in Brasilien immer ein wenig einfacher. Dennoch: Sein FC Santos war in den 1960er Jahren die dominante Mannschaft im Weltfußball und gewann auch gegen europäische Spitzenvereine. Bei den Weltpokalfinals 1962 und 1963 gegen Benfica und Milan erzielte Pele insgesamt sieben Tore!
Fair Play
Das Verhalten auf und Abseits des Spielfelds ist Peles größter Pluspunkt gegenüber Diego Maradona, sagten seine Befürworter. Schließlich kann der Argentinier nur schwer als Vorbild herhalten. Exemplarisch sei sein Tor mit der „Hand Gottes“ gegen England 1986 genannt – das war schlicht und einfach Betrug.
Aber hat das irgendeine Aussagekraft darüber, wer der bessere Spieler war? In Europa und Südamerika ist sogar es Gang und gebe, sich mit Haken und Ösen, manchmal am Rande der Legalität einen Vorteil zu verschaffen. Das heißt dann meist „clever“, „abgebrüht“ oder „mit allen Wassern gewaschen“. Auch der moralische Teil soll hier keine Rolle spielen. Maradonas Kokainsucht hat doch keinen Einfluss auf seine Rolle im Weltfußball damals. Oder ist Amy Winehouse eine schlechtere Sängerin, weil sie Drogenprobleme hat? Maradona verriet in einem Interview vor längerer Zeit einmal, dass er „drei Mal so gut“ gewesen wäre, hätte er die Finger vom Koks gelassen!
Skandale dieser Art sind Pele fremd, doch auf dem Rasen war auch er gewiss kein Engel. Es gibt sogar FIFA-Größe, darunter Sepp Blatter oder Joao Havelange, die ihn diesbezüglich auf einer Stufe mit Maradona sehen.
Videomaterial
Ein Vergleich der beiden Spieler ist umso schwieriger anzustellen, da es kaum vergleichbares Videomaterial gibt. Von Pele existieren zum Großteil Aufnahmen von WM-Endrunden. Kein Wunder, als Pele in seiner Blüte war (1950er, 1960er Jahre), da wurde längst nicht so viel Fußball gesendet, wie es später bei Maradona der Fall war. Zu dessen besten Jahren entwickelte sich der Sport gerade zu einem Geschäft, bei dem es um viele Millionen geht und das in alle Welt ausgestrahlt wurde. Daher sind die vielen Best-of-Zusammenschnitte im Internet oft trügerisch und mit Vorsicht zu genießen. Von jedem halbwegs guten Erstliga-Spieler lässt sich mittlerweile ein Highlight-Video zusammenschneiden, dass ihn als nächsten Superstar erscheinen lässt. Viel wichtiger ist, dass beide Spieler über viele Jahre den Fußball prägten. Eben diese Konstanz ist ja auch, die Akteure wie Paolo Maldini (spielte 15 Jahre auf Weltklasse-Niveau) zu Legenden werden lässt.
Pele kam vor Maradona
Pele galt als Spieler, der seiner Zeit weit voraus war. Italiens Nationalspieler Tarciso Burgnich erzählte nach dem WM-Endspiel 1970: „Ich habe mir immer wieder eingeredet, dass er genauso aus Haut und Knochen besteht, wie alle anderen. Aber ich lag falsch.“ Viele Leute meinen auch, dass es ohne Peles inspirierende Spielweise keinen Johan Cruyff, Roberto Baggio, Zico oder Zinedine Zidane in dieser Form gegeben hätte. Zugegeben, auch dies ist reine Spekulation.
Die Frage nach dem besseren zweier absoluter Fußballgenies eindeutig zu beantworten ist nahezu unmöglich. Doch die entscheidende Komponente ist für mich die Weltmeisterschaft 1986. Wenn man mich fragte, ob Argentinien diesen Titel auch mit Pele geholt hätte, müsste ich „Nein“ antworten. Maradona hatte einfach einen individuell größeren Einfluss auf seine Mannschaft.
Ihr könnt alle aufgelisteten Fakten und Argumente abwägen und Euch auf den folgenden beiden Videos selbst ein Bild machen.
Goal.com will EURE Meinung hören! Wer war für Euch der bessere der beiden und warum?
Für Frühaufsteher oder Spät-ins-Bett-Geher: Verpasst auf keinen Fall den Knaller zwischen Argentinien und Brasilien mit den Erben Peles und Maradonas auf Goal.com! Wir berichten Am Sonntag ab 2.15 Uhr mit einem LIVE-Ticker aus Rosario. Auch alle wichtigen Infos im Anschluss an die Partie bekommt Ihr selbstverständlich bei uns!
