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Borussia Dortmund: Andre Schürrles Weg zur Anerkennung

15:30 MEZ 16.02.18
Andre Schürrle BVB Borussia Dortmund
Vor kurzem noch verspottet und vor dem Absprung, entwickelt sich Andre Schürrle beim BVB zunehmend zum Gesicht des Aufschwungs.

HINTERGRUND

Seit ein paar Wochen haben die Fans von Borussia Dortmund etwas Neues für sich entdeckt. Wann immer Andre Schürrle in halbwegs gefährlicher Position an den Ball kommt, brüllen sie mal mehr und mal weniger laut die ersten vier Buchstaben seines Nachnamens. Wie sie das eigentlich meinen, ob spöttisch oder ernst, wissen die meisten selbst nicht so genau. 

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Eines ist allerdings klar: Jener Teil, der es ernst meint, anerkennend und wertschätzend, wurde zuletzt immer lauter im Westfalenstadion. Nachdem Schürrle am Donnerstagabend im Europa-League-Spiel gegen Atalanta Bergamo (3:2) den zwischenzeitlichen Führungstreffer erzielt hatte, grölte die gesamte Südtribüne. "Schüüüü" hallte eindringlich durchs weite Rund und manch einer wollte sich dabei sogar ans Santiago Bernabeu und die sonderbaren Ausrufe erinnert fühlen, die lautstark in Madrid erklingen, wenn Cristiano Ronaldo seine Tore in markanter Sprungpose zelebriert. 

Schürrle wurde ja zuletzt oft verhönt, in Dortmund genauso wie in Gesamt-Fußballdeutschland. Schon der 30 Millionen Euro schwere Rekordtransfer vom VfL Wolfsburg zum BVB im Sommer 2016 wurde mehrheitlich kritisch gesehen. Und spätestens nach den ersten schwachen Leistungen und der bis zur Winterpause mageren Bilanz von 19 Bundesligaspielen (neun von Beginn, zwei Tore) in anderthalb Jahren mutierte Schürrle zu einem Gesicht der sportlichen Krise. In den vergangenen Wochen allerdings entwickelt er sich mehr und mehr zum Gesicht des neuerlichen Aufschwungs unter Peter Stöger.

Batshuayi mit Startrekord beim BVB

Beim Auswärtssieg in Köln erzielte er vor zwei Wochen den 3:2-Siegtreffer, im Heimspiel gegen Hamburg (2:0) bereitete er das 2:0 durch Mario Götze in der Nachspielzeit mit herrlichem Dribbling und nicht minder ansehnlichem Zuspiel vor. Und nun, gegen Bergamo, zeigte Schürrle erneut eine ansprechende Leistung und war an den ersten beiden Treffern maßgeblich beteiligt. 

Stöger: "Schürrle beginnt das abzurufen, was er an Qualität hat"

Der Weltmeister traf erst nach schwierig zu verarbeitendem Zuspiel von Lukasz Piszczek zum 1:0 (30.), später leitete er gemeinsam mit Götze Michy Batshuayis Tor zum 2:2 ein (65.). Außerdem initiierte er eine Großchance von Marco Reus (6.).

"Das war im Bereich der Normalität. Er beginnt langsam das abzurufen, was er an Qualität ganz einfach hat", sagte Stöger hinterher. Nach einer schwierigen Phase bekomme Schürrle "jetzt immer mehr Spielpraxis und Vertrauen. Er zeigt mehr und mehr das, was ihn auszeichnet und was er an Grundqualität mitbringt", so der Coach weiter.

Im Winter war noch über einen vorzeitigen Abschied aus Dortmund spekuliert worden. Im Dezember hatte Schürrle-Berater Ingo Haspel zu Sky gesagt: "Grundsätzlich will Andre so viel wie möglich spielen und wenn die Spielzeit nicht gewährleistet ist, dann wäre es geradezu fahrlässig, nicht darüber nachzudenken, wie die Zukunft da aussehen kann und wo man mehr Spielzeit bekommt."

Von Watzke angezählt - und dann gelobt

Im Januar konterte Hans-Joachim Watzke schließlich den Agenten und zählte Schürrle in aller Deutlichkeit an. "Beide Seiten sind - Stand jetzt - noch nicht zufrieden. Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn sich ein Berater öffentlich äußert. Aber er sollte vielleicht auch ein bisschen Ursachenforschung betreiben. Woran liegt es, dass es nicht funktioniert? Es scheint ja nicht nur bei uns in Dortmund bis jetzt nicht funktioniert zu haben", sagte der BVB-Boss und spielte damit auf Schürrles Engagements beim FC Chelsea und dem VfL Wolfsburg an, beide von überschaubarem Erfolg geprägt.

"Andre Schürrle" erklärte Watzke schließlich weiter, "werden alle Brücken gebaut. Er hat alle Möglichkeiten, er wird immer wieder die Chance bekommen, sich zu zeigen. Aber in letzter Konsequenz muss er das sportlich lösen." In den vergangenen Wochen tut er das.

Kategorie Hinrunde Rückrunde
Einsätze 8 5
Minuten 341 379
Tore 0 2
Torvorlagen 1 1
Schüsse pro 90 Minuten 4,0 2,6
Torschussvorlagen pro 90 Minuten 1,3 1,7
Ballaktionen pro 90 Minuten 55 61
Passgenauigkeit 83% 87%
Zweikampfbilanz 34% 45%
Erfolgsquote Dribblings 17% 47%

An drei Toren war Schürrle in den jüngsten fünf Pflichtspielen direkt beteiligt. Im Vergleich zur Hinrunde hat er sich statistisch in nahezu allen Bereichen verbessert. Er ist jetzt häufiger am Ball, gewinnt mehr Zweikämpfe, spielt genauere Pässe und gestaltet mehr Dribblings erfolgreich (s. Tabelle oben, Daten von Opta). 

Nach dem Spiel in Köln sagte Watzke der FAZ: "An dieser Stelle möchte ich, obwohl ich das bei Einzelspielern selten mache, insbesondere auch Andre Schürrle explizit loben. Phasenweise haben wir richtig guten Fußball gespielt. Ein Spiel wie das in Köln würde ich mir als neutraler Zuschauer gern mal ansehen. Da hätte ich viel Freude."

Die Freude ist auch bei Schürrle zurück. Natürlich hat der Nationalspieler zuletzt auch von den Verletzungen von Maximilian Philipp, Andriy Yarmolenko und Jadon Sancho profitiert, er hat seine Einsätze aber auch mehr und mehr mit guten Leistungen gerechtfertigt. Selbst die größten Skeptiker in der Dortmunder Fangemeinde erkennen das zunehmend an.