Bayer Leverkusen hat einen neuen Cheftrainer gefunden - und es ist kein Name, der in den vergangenen Tagen heiß gehandelt wurde. Wie die Werkself am Donnerstag verkündete, wird der Spanier Carles Martinez neuer Coach der Werkself.
Getty ImagesSpanier übernimmt! Bayer Leverkusens turbulente Trainersuche endet mit einer dicken Überraschung
Martinez überzeugte Leverkusen mit seiner Talenteförderung
Der 42-Jährige tritt damit die Nachfolge des Dänen Kasper Hjulmand an, dessen Entlassung schon seit Wochen wahrscheinlich wirkte. Martinez kommt vom französischen Erstligisten FC Toulouse – und ist nach Meistertrainer Xabi Alonso der zweite Spanier auf der Bank des Werksklubs.
"Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, welcher Trainer am besten zur nächsten Entwicklungsphase von Bayer 04 passt", sagte Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes: "Carles Martínez hat in Toulouse zahlreiche junge Spieler erfolgreich weiterentwickelt und eine international geprägte Mannschaft zu einer starken Einheit geformt."
Martinez erhält einen Zweijahresvertrag. Er hatte Toulouse in der vergangenen Saison auf Rang neun geführt und 2023 noch als Co-Trainer mit dem Klub den Pokal gewonnen. "Carles ist ein Trainer mit klaren Prinzipien und einer modernen Spielidee", sagte Rolfes: "Wir sind davon überzeugt, dass er die richtigen Impulse für unsere sportliche Zukunft setzen kann." Martinez' Vertrag in Frankreich war zum Ende der Spielzeit ausgelaufen.
Getty Images SportBayer Leverkusen: Martinez folgt auf Hjulmand
Die Verpflichtung des Spaniers ist für Bayer das Ende einer wochenlangen Reise, denn dass Hjulmand den Klub verlassen muss, hatte sich schon während der noch laufenden Saison angedeutet. Der 54-Jährige hatte Bayer schon nach dem 2. Spieltag von Erik ten Hag übernommen und mit einer starken Hinrunde stabilisiert, die Rückrunde verlief aber enttäuschend. Das Team verpasste die erneute Qualifikation für die Champions League.
Martinez' Verpflichtung ist einigermaßen überraschend, war er doch zuvor nicht als Kandidat in Leverkusen gehandelt worden. Dazu ist der 42-Jährige noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. In den vergangenen drei Jahren arbeitete Martinez in der Ligue 1 beim FC Toulouse, seiner ersten Station als Cheftrainer.
Martinez wurde in Barcelona geboren und arbeitete bei Espanyol und Barca jeweils als Jugendtrainer. Unter anderem trainierte er von 2018 bis 2019 die U16-Mannschaft der Blaugrana. Es folgten Stationen in Katar und Kuwait, ehe er Ende 2022 als Co-Trainer nach Toulouse wechselte und dort gut ein halbes Jahr später zum Chefcoach befördert wurde.
Unter seiner Leitung erreichten die Südfranzosen in den vergangenen drei Spielzeiten die Plätze elf, zehn und neun.
Leverkusen wollte eigentlich Iraola verpflichten
Als Wunschkandidat galt eigentlich Martinez' Landsmann Andoni Iraola (43). Dieser verlässt den AFC Bournemouth nach drei erfolgreichen Jahren. Nachdem allerdings der FC Liverpool am Wochenende Arne Slot vor die Tür setzte, kristallisierte sich Iraola als Wunschnachfolger heraus. Mittlerweile soll es auch eine Einigung geben, mit der Verkündung der Zusammenarbeit wird in den kommenden Tagen gerechnet.
Das Hoffen auf Iraola führte in Leverkusen dazu, dass der ebenfalls gehandelte Ex-Atletico-Profi Filipe Luis sich zwischenzeitlich für die AS Monaco entschied. Allerdings spielte auch die fehlende UEFA-Pro-Lizenz eine Rolle: Ohne Sondergenehmigung müssen die Monegassen wohl 25.000 Euro Strafe pro Spiel von Filippe Luis an der Seitenlinie berappen.
Oliver Glasner (51, verlässt Crystal Palace) will dem Vernehmen nach eigentlich nicht zurück in die Bundesliga und verhandelt mit der AC Mailand. Ex-Real-Trainer Alvaro Arbeloa soll sich laut Sport Bild selbst in der Farbenstadt angeboten haben, überzeugte die Klubchefs aber nicht. Und Michel (50) wechselt vom FC Girona zu Ajax Amsterdam.
Klappt es nun mit dem Transfer von Kennet Eichhorn?
So standen Carro und Rolfes unter Zugzwang, schließlich sah ihr Plan vor, noch in dieser Woche den neuen Trainer für die kommende Saison zu präsentieren.
Zusätzlichen Druck bei der Trainersuche gab es durch das Werben um Supertalent Kennet Eichhorn von Hertha BSC. Zahlreiche Klubs werben um den 16-Jährigen. Laut kicker habe Bayer grundsätzlich "gute Chancen" auf eine Eichhorn-Verpflichtung. Die lange ungeklärte Trainerfrage verzögerte jedoch eine Einigung. Diese stelle ein "K.o.-Kriterium" da, denn Eichhorn werde keinem Verein zusagen, bei dem nicht klar ist, wer künftig auf der Trainerbank sitzt.