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Niko Kovacs Prognose ging gehörig daneben! Pascal Groß' Entwicklung beim BVB war für ihn am Ende doppelt bitter

Folgerichtig und sinnvoll, aber auch gewinnbringend? So ließe sich Pascal Groß' plötzlicher Abgang von Borussia Dortmund zusammenfassen. Der 34-Jährige, 2024/25 noch mit den zweitmeisten Einsätzen aller Feldspieler und starken 15 Torvorlagen, ist beim BVB schließlich zum reinen Reservisten verkommen.

  • Nur noch achtmal stand er in der Anfangself. Wenn er auflief - 732 Minuten in 16 Pflichtspielen -, überzeugte Groß selten. Es war ein sehr unbefriedigendes Halbjahr für ihn. Und wenn man es genau  nimmt, waren die zwölf Monate zuvor auch weit entfernt von dem, was er sich vom Wechsel zu seinem deutschen Lieblingsklub erhofft hatte.

    Dabei war Groß trotz seines fortgeschrittenen Alters so etwas wie ein heißes Eisen, als er im Sommer 2024 für sieben Millionen Euro Ablöse zu den Westfalen kam. In der Saison zuvor, seiner letzten nach sieben Jahren bei Brighton & Hove Albion im Süden Englands, wurde er mit 32 erstmals deutscher Nationalspieler.

    Der flexibel einsetzbare Mittelfeldspieler hatte in der Premier League abseits der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit konstant gute Leistungen gebracht und sich die Nominierung durchaus verdient. 55 Torbeteiligungen in 261 Pflichtspielen stehen für ihn in Brighton zu Buche. 

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  • Hamburger SV v Borussia Dortmund - BundesligaGetty Images Sport

    Pascal Groß wurde als Kroos-Nachfolger gehandelt

    Groß mit zum DFB-Team zu nehmen, war eine der letzten Personalentscheidungen von Ex-Bundestrainer Hansi Flick. Unter ihm debütierte Groß im September 2023 beim verheerenden 1:4 gegen Japan, Flicks letztem Spiel in Amt und Würden.

    Auch Nachfolger Julian Nagelsmann vertraute auf Groß als Bestandteil des Kaders, er beförderte ihn gar in den Mannschaftsrat. Und Groß spielte gut, besonders an der Seite Ilkay Gündogans. Zwölf Länderspiele in Folge gingen nicht verloren, wenn Groß auf dem Feld stand.

    Dass er dies bei der Heim-EM nur 45 Minuten lang im Auftaktspiel gegen Schottland tat, lag auch an der Rückkehr von Toni Kroos. Doch als der sowie Gündogan nach dem Turnier ihre (Länderspiel-)Karrieren beendeten, fiel Groß' Name in steter Regelmäßigkeit, wenn es um die Nachfolge von Kroos ging.

  • Pascal GroßGetty Images

    Nagelsmann lud Groß trotz Formschwäche beim BVB ein

    "Pascal wird das gut machen. Er spielt in Dortmund eine ähnliche Rolle, wie es Toni bei uns getan hat", sagte Nagelsmann zwischenzeitlich. Er lobte Groß immer wieder in den höchsten Tönen: "Er ist ein Spieler, der sich unfassbar viel mit Fußball beschäftigt. Er ist sehr schlau im Raum, sehr schlau im Binden von Gegenspielern, sehr mutig und hat auch ein gutes Gegenpressing. Er hat ein gutes Auge für die Situationen auf dem Rasen und ist im positiven Sinne ein Fußball-Verrückter."

    Diese Eigenschaften waren es auch, die den BVB unter Niko Kovacs Vorgänger Nuri Sahin dazu bewegten, Groß zu verpflichten. Sie blitzten auch immer wieder punktuell auf, doch Groß litt natürlich auch unter dem steten Abwärtstrend, den die Borussia unter Sahin hinlegte. Als damals die Personallage enorm angespannt war, musste Groß sogar als Rechtsverteidiger aushelfen.

    Nagelsmann blieb ihm dennoch treu. Er nominierte den formschwachen Groß bei jeder Gelegenheit in der Vorsaison, sieben Länderspiele bestritt er in diesem Zeitraum. Zumal es nach Sahins Trennung und der Übernahme von Kovac ja auch schnell besser wurde bei den Dortmundern. Acht seiner zehn Torvorlagen in der Bundesliga leistete Groß unter dem neuen Trainer.

  • Borussia Dortmund Training Session And Press Conference - UEFA Champions League 2025/26 League Phase MD4Getty Images Sport

    Pascal Groß beim BVB zur Randnotiz verkommen

    Der tätigte dann während der Klub-WM eine Prognose, die gehörig daneben ging. "Ich glaube, dass er nicht nur uns, sondern auch der Nationalmannschaft viel geben kann. Das hat er in den letzten zwei Monaten in Dortmund gezeigt", sagte Kovac da und kündigte an: "Er wird in der Saison sicherlich ein großer Faktor für uns werden."

    Doch gemessen am Vorjahr ist Groß beim BVB eben zur Randnotiz verkommen. Zuletzt klang Kovac dann so: "Pascal fehlt gar nichts, aber ich habe es ja gesagt: Im Moment ist das Leistungsniveau ziemlich hoch." Bei der Bekanntgabe des Wechsels erklärte Kovac, dass ihm der Abgang persönlich zwar "sehr weh" tue, aber man habe Groß "keine Steine in den Weg" legen wollen. Einen Ersatz hält er nicht für nötig: "Wir sind da gut aufgestellt." Im zentralen Mittelfeld haben vor allem Felix Nmecha und Marcel Sabitzer die Nase vorn, auch Jobe Bellingham hat von Kovac knapp 300 Einsatzminuten mehr bekommen als Groß. 

    Das war für den 16-maligen Nationalspieler gleich in doppelter Hinsicht bitter. Groß' Vertrag bei den Westfalen wäre zum Saisonende ausgelaufen. Wäre er in Dortmund weiter verzichtbar geblieben, hätte er es vermutlich nicht auf die vertraglich vereinbarte Anzahl an Spielen geschafft, die ihm dem Vernehmen nach eine Verlängerung in Dortmund beschert hätte. 

  • FC Bayern München v Borussia Dortmund - BundesligaGetty Images Sport

    Pascal Groß mit Blick auf seinen WM-Traum unter Druck

    Hinzu kommt, dass unter diesen Umständen auch Groß' Traum von einer Teilnahme an der WM im kommenden Jahr relativ sicher geplatzt wäre. Bereits in den beiden vergangenen Abstellungsperioden im Oktober und November hatte ihn Nagelsmann nicht berufen.

    Daher, erneut: Es ist folgerichtig, dass Groß den BVB verlassen hat. Und sinnvoll deshalb, weil er in Brighton auf einen Klub trifft, den er sehr gut kennt, bei dem sich die Anlaufzeit extrem verringert und dessen Trainer auf ihn steht. Fabian Hürzeler wollte Groß nämlich schon nach seinem Wechsel von St. Pauli zu Brighton unbedingt im Team halten.

    Doch Groß hatte andere Pläne, er wollte sich in Deutschland bei einem Champions-League-Klub beweisen. 16-mal spielte er für Dortmund in der Königsklasse, fünf Torbeteiligungen können sich dabei sehen lassen. Dennoch hat sich der Transfer als Fehlentscheidung entpuppt.

    Groß ist nach zwei Jahren nun zurück auf Start. Bessere Voraussetzungen für einen Neuanfang, gerade mit Blick auf eine WM-Teilnahme, hätte er an einem anderen Ort als in Brighton wohl nicht haben können. Ob die Rückkehr am Ende auch gewinnbringend für ihn sein wird, steht auf einem anderen Blatt. Er steht jedenfalls unter Druck: Groß muss nun auf Anhieb spielen und abliefern, damit ihn Nagelsmann bei der nächsten Länderspielpause im März wieder beruft.

  • Pascal Groß: Seine Statistik beim BVB

    PflichtspieleToreVorlagen
    66117
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