In der Saison 2026/27 werden im Fußball voraussichtlich einige Regeln neu eingeführt, verändert oder erweitert. Darüber entscheidet an diesem Samstag die Regelbehörde IFAB (International Football Association Board) auf ihrer Jahreshauptversammlung in Wales. Der kicker berichtet vorab, was geplant ist.
Getty ImagesKampf gegen das Zeitspiel: Bahnbrechende Regeländerungen geplant
Ein wichtiges Thema sind dabei die Eingriffsmöglichkeiten des Video Assistant Referees (VAR). Diese sollen in Zukunft ausgeweitet werden.
So soll es künftig eine Korrekturmöglichkeit nicht nur bei "glatt Roten", sondern auch bei Gelb-Roten Karten geben. Der VAR könnte dann eingreifen, wenn die zweite Gelbe Karte offensichtlich falsch war.
Diese Thematik hatte zuletzt in der italienischen Serie A für viel Aufsehen gesorgt: Im "Derby d'Italia" zwischen Inter Mailand und Juventus stellte Referee Federico La Penna Juve-Verteidiger Pierre Kalulu nach einem vermeintlichen Foulspiel an Alessandro Bastoni fälschlicherweise mit Gelb-Rot vom Platz. Dabei fehlte dem VAR die Befugnis, die Fehlentscheidung zu korrigieren.
Einen ähnlichen Fall hatte es bereits im September 2024 im Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart gegeben. Damals hatte Schiedsrichter Sven Jablonski VfB-Kapitän Atakan Karazor Gelb-Rot gezeigt, obwohl dieser Gegenspieler Maximilian Arnold gar nicht getroffen hatte. Jablonski plädierte anschließend für eine Eingriffsmöglichkeit des VAR.
Diese Möglichkeit soll allerdings weiterhin nicht generell für Gelbe Karten gelten. Und auch wenn der Schiedsrichter auf dem Rasen ein womöglich gelbwürdiges Foul übersieht, das zu einer Gelb-Roten Karten führen würde, dürfte der VAR ihn nicht darauf hinweisen.
VAR soll häufiger eingreifen dürfen
Weitere zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten für den VAR sind ebenfalls geplant: So soll dieser künftig auch bei falschen Eckstoßentscheidungen intervenieren dürfen, voraussichtlich bereits bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Allerdings soll darauf geachtet werden, dass die Eingriffe zügig erfolgen. Möglich ist laut kicker, dass künftig jeder Wettbewerb selbst darüber entscheidet, wie er damit umgeht. Es könnten also beispielsweise in der Bundesliga Ecken mittels VAR überprüft werden, in der Premier League aber nicht.
Darüber hinaus soll die VAR-Eingriffsmöglichkeit bei Spielerverwechslung leicht modifiziert werden. Bisher durfte der Video-Assistent lediglich eingreifen, wenn der Schiedsrichter bei einer Sanktion zwei Spieler der gleichen Mannschaft verwechselt, künftig auch, wenn Spieler aus unterschiedlichen Teams verwechselt wurden.
Getty Images SportDem Zeitspiel soll der Kampf angesagt werden
Ein weiteres wichtiges Thema der Regelhüter ist der Kampf gegen Zeitspiel und für eine längere Netto-Spielzeit. Dabei soll eine Reihe von Maßnahmen helfen.
Schon seit Saisonbeginn gilt die Acht-Sekunden-Regel für Torhüter bei Abschlägen oder Abwürfen, wobei der Unparteiische die letzten fünf Sekunden öffentlich herunterzählt. Eine Überschreitung der Zeit hat einen Eckball zur Folge. Künftig soll das Druckmittel des Fünf-Sekunden-Countdowns nach dem Ermessen des Schiedsrichters auch bei Abstößen angewendet werden und ebenfalls mit einem Eckball bestraft werden können. Ebenfalls herunterzählen darf der Referee in Zukunft wohl auch bei Einwürfen.
Auch bei Auswechslungen soll es schneller gehen: Der Vorschlag: Verlässt ein Spieler nicht innerhalb von zehn Sekunden den Platz, darf der Eingewechselte erst bei der nächsten Spielunterbrechung aufs Feld.
Bei Verletzungsunterbrechungen zum Zeitschinden wollen die Regelhüter ebenfalls genauer hinschauen. Wird ein Spieler außerhalb des Platzes behandelt, soll er nicht sofort wieder auf den Rasen dürfen, sondern erst für eine bestimmte Zeit pausieren.
Bei Verletzungsunterbrechungen von Torhütern soll hingegen vorerst alles beim Alten bleiben.
Auf der Tagung werden außerdem einige bereits eingeführte Änderungen wie etwa die "Kapitänsregel" ausgewertet.
Ein weiterer Diskussionspunkt ist eine Änderung der Abseitsregel. Trainer-Legende Arsene Wenger hatte das sogenannte "Tageslicht-Abseits" vorgeschlagen. Anders als bisher müsste sich für einen Abseitspfiff nicht mehr nur ein Körperteil, mit dem potenziell ein Tor erzielt werden kann, sondern der gesamte Körper des angreifenden Spielers im Abseits befinden. Ob - und wenn ja, wann - dieses Modell allerdings wirklich eingeführt wird, ist offen. Noch gibt es hier wohl viel Diskussionsbedarf.
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