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Hall of Fame: Michel Platini – Der "König", der Juventus und Frankreich nach ganz oben führte

Die Karriere von Michel Platini lässt sich in drei Phasen unterteilen: sein Aufstieg und seine Erfolge in Frankreich mit Saint Etienne, dann seine glanzvolle Zeit in Italien und Europa mit Juventus Turin und schließlich seine Erfolge mit der französischen Nationalmannschaft, gekrönt durch drei Triumphe in Folge beim Ballon d'Or.

Platini war ein Mittelfeldspieler, der mehr Tore machte als ein Stürmer. Für andere war er eher ein Stürmer, der sich zurückfallen ließ, um das Spiel wie ein echter Regisseur zu lenken und das Tempo zu diktieren. Er hat seinen Platz in der GOAL Hall of Fame jedenfalls mehr als verdient.

  • Italienische Wurzeln

    Die Wurzeln von Michel Platini hat liegen in Italien: Seine Familie stammt väterlicherseits aus dem Piemont, mütterlicherseits aus Venetien. Aus der italienischen Provinz zogen seine Eltern nach Joeuf in Lothringen, in den Nordosten Frankreichs. Dort in der Nähe der Grenze zu Belgien und Luxemburg wuchs Platini auf und begann mit dem Fußballspielen, zunächst bei AS Joeuf und dann bei Nancy, bevor er den Sprung in die Top-Ligen zu Saint-Etienne und danach zu Juventus schaffte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere arbeitete Platini nicht nur seinen Fußball, sondern versprühte mit seiner überragenden Technik auch viel Glanz. 

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    Seine Karriere in Frankreich

    Michel Platini, geboren am 21. Juni 1955 in Joeuf, spielte zu Beginn seiner Karriere in Nancy, wo er zwischen 1972 und 1979 in 215 Partien 127 Tore machte und eine Zweitliga-Meisterschaft sowie einen Pokalsieg feierte. Von Nancy aus wechselte Platini zu der damals stärksten französischen Mannschaft: Saint-Étienne. Für 'Les Verts' bestritt Platini zwischen 1978 und 1982 145 Spiele und erzielte dabei 82 Tore. 1981 wurde er französischer Meister.

  • Platini hebt Juve auf internationales Top-Niveau

    Gianni Agnelli, der Besitzer von Juventus Turin und Boss des Automobil-Herstellers Fiat, war von Platinis Talent begeistert und wollte ihn unbedingt für seine Mannschaft haben. Juve dominierte zu der Zeit zwar in Italien, konnte aber außer dem UEFA-Pokal-Triumph 1977 keine europäischen Titel vorweisen. Juve-Präsident Giampiero Boniperti erfüllte Agnelli schließlich den Wunsch und holte Platini in eine Mannschaft, in der schon die polnische Legende Zbigniew Boniek und sechs italienische Weltmeister von 1982 versammelt waren: Dino Zoff, Claudio Gentile, Antonio Cabrini, Gaetano Scirea, Marco Tardelli und Paolo Rossi.

    In Turin benötigte Platini einige Monate zur Eingewöhnung, doch dann entwickelte er sich zum Star des Teams. In seinen fünf Jahren bei Juventus gewann der Zehner zwei Scudetti, eine Coppa Italia, einen Europapokal, einen Interkontinentalpokal, einen Europapokal der Pokalsieger und einen UEFA-Supercup. Er bestritt 224 Spiele für die Bianconeri und erzielte dabei 104 Tore. Der Franzose war der Dreh- und Angelpunkt des Teams und hob es auf internationales Top-Niveau. Platini erzielte seine Tore für die Bianconeri auf jede erdenkliche Art und Weise: mit Freistößen, Elfmetern, Kopfbällen, mit dem rechten oder dem linken Fuß, mit Kraft oder mit Präzision.

  • 1984 ist das Jahr von Michel Platini

    Insbesondere während seiner ersten drei Jahre bei Juventus dominierte Platini nicht nur in Italien, sondern in Europa. In der damals mit Abstand härtesten Liga der Welt krönte sich Platini dreimal in Folge zum Torschützenkönig. Platini, der klassische Zehner, glänzte sowohl im Mittelfeld als auch im Strafraum und erzielte mehr Tore als die anderen Top-Stars wie Diego Armando Maradona, Zico und Karl-Heinz Rummenigge. 

    Platinis Leistungen ließen ihn zu "Le Roi", dem "König", werden, der dreimal den Ballon d'Or von France Football gewann. Das Jahr 1984 war dabei der Höhepunkt: Liga-Titel und Pokalsieg mit Juventus Turin, Torschützenkönig der Serie A und Gewinn des Ballon d'Or, Europameister mit Frankreich und Torschützenkönig des EM-Turniers mit einem bis heute unübertroffenen Rekord von neun Treffern.

  • 1984 European Championships Semi FinalFrance v PortugalHulton Archive

    Platini macht die EM 1984 zu seiner EM

    Nicht nur Juventus brachte Platini entscheidend voran, sondern auch die französische Nationalmannschaft. Mit ihm ging es für die Equipe Tricolore bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1986 auf den dritten Platz - und 1984 zum Europameistertitel. Diese EM war Platinis EM, denn er führte 'Les Bleus' mit einigen Rekorden zum großen Erfolg: In fünf Spielen gelangen fünf Siege - und dabei machte Platini neun Tore. In der Gruppenphase startete Frankreich mit einem 1:0 gegen Dänemark, natürlich mit Platini als Torschützen. Danach folgten Erfolge gegen Belgien (zwei Tore von Platini beim 5:0) und Jugoslawien (Hattrick von Platini beim 3:2). 

    Im Halbfinale stand Frankreich vor der bislang größten Herausforderung: Es ging gegen Portugal in die Verlängerung, in der das Team sechs Minuten vor Schluss mit 1:2 zurücklag. In der 114. und 119. Minute erzielte Platini dann aber zwei fantastische Tore und brachte die Mannschaft von Trainer Michel Hidalgo doch noch ins Finale. Im Endspiel besiegte Frankreich Spanien mit 2:0, wobei Platini mit einem Freistoß das umjubelte Führungstor gelang. 

  • Michel Platini zählt zu den ganz Großen

    Wenn man nach den Gesamt-Zahlen geht, war Maradona ein größerer Kicker in den 80er-Jahren. Der Argentinier konkurriert mit Pele und Lionel Messi darum, als bester Fußballer der Geschichte genannt zu werden. Aber es gibt drei Jahre, zwischen 1982 und 1985, in denen Michel Platini der Stärkste, der Effektivste, der Größte war, sowohl in der Serie A als auch in ganz Europa.

  • Der "König" zeigt Humor und Größe

    Neben seinen Qualitäten auf dem Platz war Platini auch seine entwaffnende Art und seine Kommentare bekannt, die seinen Humor und seine Größe zeigten. Bescheidenheit zeichnete ihn nicht gerade aus: "Ich habe angefangen, für die stärkste Mannschaft Lothringens zu spielen, habe dann bei der stärksten Mannschaft Frankreichs weitergemacht und bin schließlich bei der stärksten Mannschaft der Welt gelandet“, sagte er einmal. Ein anderes Mal wurde er gefragt: "Rauchen Sie in der Halbzeit?“ Daraufhin entgegnete er: "Das Wichtigste ist, dass Bonini nicht raucht. Er ist der, der laufen muss!“

    Fast schon philosophisch wagte er auch den Blick auf das große Ganze: "Das Leben ist ein Spiel und muss in dem Bewusstsein gespielt werden, dass man auch verlieren kann. Aber was bringt es, nicht zu spielen?“, fragte er.

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    Eine bittere Niederlage und eine Tragödie

    Es gibt zwei dunkle Abende in Platinis Karriere: Auf sportlicher Ebene ist es die schmerzhafte Niederlage gegen den Hamburger SV im Europapokal-Finale: Juventus, klarer Favorit vor dem Spiel, verlor mit 0:1, und Platini spielte sehr schlecht. Aus menschlicher Sicht war der dramatischste Moment der Abend 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion, als 39 Menschen ums Leben kamen, bevor Juventus das Europapokalfinale gegen Liverpool gewann. Für Michel Platini war dies das Ende des Fußballs als Spiel und Spaß, zwei Jahre bevor er 1987 im Alter von nur 32 Jahren seine Karriere beendete: "Das Wichtigste ist, immer sich selbst treu zu bleiben. Ich konnte auf dem Platz einfach nicht mehr. Also bin ich gegangen", erklärte er. 

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