Bei der Verleihung des Ballon d'Or in London Ende Oktober ging offenbar nicht alles mit rechten Dingen zu. Die französische Polizei hat nach eigenen Angaben Ermittlungen eingeleitet. Geprüft werden verdächtige Bewegungen auf dem Sportwettenmarkt rund um den von der französischen Fachzeitschrift France Football vergebenen Ballon d'Or, den Harry Kane vom FC Bayern München letztlich gewann.
Wie eine anonyme Polizei-Quelle The Athletic bestätigte, wurden auf "Polymarket" - ein US-amerikanischer, auf Kryptowährungen basierenden Prognosemarkt - insgesamt zwölf verschiedenen Accounts jeweils korrekte Wetten auf die Top-5 der Wertung abgegeben. Etwaige Gerüchte hatte es bereits vor einigen Tagen gegeben.
Dementsprechend wurde zwölfmal die exakte Reihenfolge getippt, dass Kane vor Kylian Mbappe (Real Madrid), Lamine Yamal, Rodri (beide FC Barcelona) und Lionel Messi (Inter Miami) landen wird. Gepaart mit dem Einsatz von insgesamt 250.000 Euro und einem Reingewinn von am Ende 200.000 Euro ein durchaus verdächtiger Vorgang. Zumal das Rennen zwischen Kane und Mbappe am Ende denkbar knapp war.
Ballon d'Or: Nicht nur die Polizei ermittelt
Laut The Athletic wurden die Veranstalter von France Football bereits vor der Gala auf verdächtige Bewegungen auf "Polymarket" informiert. Inzwischen hat auch die Zeitung selbst Ermittlungen eingeleitet und die französische Glücksspielbehörde darin mit einbezogen. "Die Integrität des Ballon d'Or hat für France Football absolut Priorität", wird ein Sprecher in dem Bericht zitiert: "Wir nehmen diese Anschuldigungen von vorab geleakten Ergebnissen und potenziell kriminellen Wettaktivitäten sehr ernst. Untersuchungen laufen, um die Fakten und mögliche Verantwortungen zu ermitteln."
Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, wurden keine weiteren Angaben vonseiten der Polizei oder des Ausrichters gemacht. Außerdem steht in den Sternen, wann mit einem Ergebnis der Ermittlungen zu rechnen ist.
Getty ImagesBallon d'Or: Warum die Regeln geändert wurden
Dass die Auszählung der von bestimmten Journalisten ausgefüllten Wahlzettel schon vorher ans Tageslicht gekommen ist, widerspricht hingegen den jüngsten Aussagen von Pascal Ferre. Kurz vor der Verleihung erklärte der langjährige Chefredakteur von France Football gegenüber RMC Sport, dass selbst die Sieger "seit 2024" im Vorfeld nicht mehr über das Ergebnis informiert werden.
"Alle Nominierten werden gleich behandelt", führte Ferre aus: "Nach der Ära von Messi und Ronaldo haben wir die Regeln geändert. Um das Ergebnis leichter geheim halten zu können, wurde beschlossen, den Namen des Gewinners bis zum allerletzten Moment nicht bekannt zu geben." Das Ergebnis werde "mit so wenigen Menschen wie möglich" geteilt. "Dann gibt es noch ein paar Tricks und kleine Kniffe. Mein eigener Trick bestand darin, gefälschte Ranglisten in der Redaktion von France Football herumliegen zu lassen, um Spekulationen in den sozialen Medien anzuheizen – was mich immer zum Schmunzeln gebracht hat. Im Moment gibt es wohl nicht mehr als fünf Menschen, die den Namen des Gewinners kennen", sagte er.
In der Vergangenheit war im Vorfeld der jeweiligen Verleihungen immer wieder durchgedrungen, wer das Rennen am Ende macht. So boykottierte Real Madrid 2024 - kurz vor der Regeländerung - sogar die Gala, nachdem der Klub unterrichtet worden war, dass Favorit Vinicius Junior den Ballon d'Or nicht gewinnen würde.



