Beim mühevollen, aber letztlich verdienten Sieg des FC Arsenal in der Premier League gegen Hull City kam es zu einer kontroversen Szene um Kai Havertz, die anschließend die Gemüter erhitzte. Der Nationalspieler hätte laut Regelwerk einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, obwohl er im Abseits stand.
Was war passiert? Kurz vor dem Pausenpfiff bekam Havertz einen perfekten Pass in die Schnittstelle zugespielt und wurde per Trikotzupfer von Hull-Verteidiger Nobel Mendy zu Fall gebracht. Schiedsrichter Farai Hallam sah sich die Szene auf Bitten von VAR Michael Oliver auf dem Bildschirm am Spielfeldrand an, entschied wegen einer Abseitsposition des Stürmers gegen Foulspiel und sprach den Gästen einen Freistoß zu.
Hallam erklärte bei seiner Entscheidung über die Stadionmikrofone, dass Havertz einen Elfmeter verdient gehabt hätte, er sich aber wegen besagter Abseitsstellung dagegen entschied. Der Vorgang brachte den langjährigen Gunners-Profi Martin Keown anschließend auf die Palme. "Man hätte ihn niemals bitten dürfen, zum VAR-Monitor zu gehen, oder?", sagte er bei talkSPORT und betonte: "Sie hätten bereits feststellen müssen, ob er im Abseits stand. Das ist lächerlich. (…) Hätte man das nicht alles schon im VAR-Raum klären müssen, bevor man den Schiedsrichter bittet, sich das anzusehen? Das ist lächerlich. Ich würde wirklich gerne die wahre Geschichte dazu erfahren."
Was offensichtlich aber weder Keown noch das Schiedsrichtergespann um Hallam und Oliver wussten: Havertz hätte laut Regelwerk sehr wohl einen Strafstoß zugesprochen bekommen müssen. Jenes besagt, dass die Abseitsposition in diesem Fall überhaupt keine Rolle spielt.
Darum hätte Kai Havertz einen Elfmeter bekommen müssen
"Ein Spieler, der sich in einer Abseitsposition befindet, wird erst dann aktiv, wenn er ein Abseitsvergehen begeht", erklärte Regelexperte Dale Johnson bei BBC: "Kai Havertz muss versucht haben, den Ball zu spielen, oder mit einem Gegenspieler um den Ball zu kämpfen - andernfalls hat das Ziehen am Trikot durch Nobel Mendy Vorrang. Das Foul geht einem möglichen Abseitsverstoß voraus."
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Einfach formuliert: Ein Foulspiel schlägt Abseits, sofern der gefoulte Spieler nicht aktiv ins Geschehen eingegriffen hat. Das tat Havertz allerdings nicht, weil Mendy ihn unmittelbar nach dem Pass zu Boden gestreckt hatte. Um seinen Punkt nochmal zu verdeutlichen, zog Johnson eine Szene aus einer anderen Partie zwischen Newcastle United und AFC Bournemouth von vor zwei Spielzeiten als Beispiel heran. Damals stand Magpies-Verteidiger Fabian Schär nach einer Freistoß-Flanke außerhalb des Strafraums ebenfalls im Abseits, griff aber nicht aktiv ein und wurde letztlich im Sechzehner von den Beinen geholt. Nach VAR-Überprüfung bekam der Schweizer folgerichtig einen Elfmeter zugesprochen.
Arsenal war die kontroverse Szene letztlich herzlich egal, weil Martin Ödegaard in Minute 72 das verdiente Siegtor erzielte und den Vorsprung des Spitzenreiters auf Verfolger Manchester City in der Tabelle auf sechs Punkte ausbaute. Das Überraschungsteam Brighton & Hove Albion von Trainer Fabian Hürzeler kann am Sonntag mit einem Sieg über den FC Brentford (15 Uhr) bis auf fünf Zähler herankommen und an den Skyblues vorbeiziehen, die am Samstag gegen Kellerkind Nottingham Forest die dritte Ligapleite in Serie kassierten.
Kontroverse um Kai Havertz: So hat Mikel Arteta reagiert
Dementsprechend entspannt trat Arsenal-Coach Mikel Arteta auf der anschließenden Pressekonferenz auf. Angesprochen auf die Havertz-Kontroverse, erklärte der Spanier mit einem Schmunzeln: "Ich weiß es nicht, ich habe mir die Szene nicht noch einmal angesehen - und das habe ich auch bewusst nicht gemacht, damit ich euch nicht anlügen muss."
Gleichwohl war auch Arteta nicht mit der Regel vertraut: "Ich war überrascht, denn als sie den Schiedsrichter zum Monitor schickten, sagten mir die Leute auf der Bank, es sei ein klarer Elfmeter gewesen, weil er (Mendy; Anm. d. Red.) am Trikot gezogen hat. Ich habe jetzt gehört, dass sie beschlossen haben, keinen Elfmeter zu geben, weil Kai in der Ausgangsposition im Abseits stand. Ich weiß also nicht, wie das zu interpretieren ist. Ich bin mir sicher, dass sie das noch klarstellen werden." Bisher gibt es jedoch noch kein offizielles Statement der FA oder der Schiedsrichter-Organisation PGMOL zu der Szene.
Getty ImagesKai Havertz hat eine schlechte Angewohnheit
Unabhängig davon, kristallisiert sich bei Havertz immer mehr eine schlechte Angewohnheit heraus. Bereits zum 15. Mal stand der frühere Leverkusener in dieser Saison im Abseits - mit Abstand so oft wie kein anderer Spieler in der Premier League. Auf Platz zwei des unrühmlichen Rankings folgt Dominic Calvert-Lewin mit acht Pfiffen gegen sich in der verbotenen Zone.
Dennoch ist der bislang noch verletzungsfreie Havertz unter Arteta unangefochtener Stammspieler und lieferte in 15 Einsätzen vier Tore sowie einen Assist. Auch in der Nationalmannschaft ändert sich nichts an seinem Status. Jürgen Klopp sieht in ihm die erste Option für die Stürmerposition. Neben Havertz wurden für den kommenden Lehrgang auch die Torjäger Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt) und Rückkehrer Niclas Füllkrug (SV Werder Bremen) nominiert.





