Trotz Messi und Ronaldo: Ronaldinho war talentierter

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Getty / Goal
Für Deco war er viel begabter als Messi und Ronaldo, im Bernabeu bekam er Standing Ovations. Nun verabschiedet sich Ronaldinho von der großen Bühne.


HINTERGRUND

Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo ? Wer ist der noch bessere Fußballer? Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, allein die Frage hat eine ganze Generation geprägt. Wenn es in den vergangenen Jahren darum ging, wer der Beste der Welt ist, fiel fast immer einer der beiden Namen.

Im Sommer 2016 wurde diese Frage Deco gestellt. Der frühere Regisseur des FC Barcelona war damit nicht ganz einverstanden und kritisierte: "Ronaldinho war viel begabter als Leo oder Cristiano. Er war ein Naturtalent mit besonderen Fähigkeiten. Wann immer wir ihm den Ball zuspielten - es folgten Bewegungen und Tore aus einer anderen Welt."

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Ehrlich gesagt ist es schwierig, da zu widersprechen. Nachdem Ronaldo die Wahrnehmung verändert hatte, was eine Nummer 9 auf dem Platz anstellen kann, kam Ronaldinho dazu und veränderte die Wahrnehmung, was Fußballer im Allgemeinen zu leisten im Stande sein können. Er brachte die gewieftesten Tricks aus dem Futsal aufs große Feld, Skills, die niemand zuvor gesehen hatte. 

Kevin-Prince Boateng erzählt noch heute bemerkenswerte Geschichten davon, wie Ronaldinho den Ball während seiner Zeit beim AC Mailand dreimal hintereinander an die Latte schoss. Einfach, weil er es konnte. "Wir anderen haben uns gefragt, wie es möglich sein kann, dass so viel Talent in seinem Körper schlummerte", sagte er. 

Roberto Carlos: "Es ging nicht nur um seine Tricks"

Eidur Gudjohnsen war derweil sogar überzeugt, dass Ronaldinho den Gesetzen der Physik trotzen kann. "Wenn du mit ihm spielst und siehst, was er mit dem Ball anstellt, überrascht dich danach gar nichts mehr. Irgendwann wird er den Ball auch noch zum Sprechen bringen", meinte der Isländer einmal. Roberto Carlos ergänzte: "Es ging nicht nur um seine Tricks: Er kreierte und schoss Tore, die zu seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten passten."

Da war etwa sein legendäres Tor aus dem Stand im Auswärtsspiel bei Chelsea an der Stamford Bridge im Jahr 2005 - einer der bezauberndsten und verwirrendsten Treffer überhaupt. Dieses Tor ist aber nur ein Beispiel, in Wahrheit gab es unzählige Beweise für seine unerklärlichen Fähigkeiten. Eine ganze Generation hat die Spiele des FC Barcelona verfolgt, nur um zu sehen, was Ronaldinho diesmal anstellen wird.

Ronaldinho Barcelona

Deco Ronaldinho German

Aufgrund eines Terminstreits im Vorfeld einer Länderspielpause wurde sein Debüt gegen den FC Sevilla am 3. September 2003 erst fünf Minuten nach Mitternacht angepfiffen. Trotzdem waren über 80.000 Anhänger ins Camp Nou geströmt, um ihren neuen brasilianischen Superstar zu sehen - und kein einziger hat seine Entscheidung später bereut. 

Gegen 1.30 Uhr nahm Ronaldinho den Ball in der eigenen Hälfte an, er überrannte zwei Gegenspieler und knallte das Leder aus 30 Metern über die Unterlatte ins Tor. Das Spiel hatte Barca letztlich nur unentschieden gespielt, aber Ronaldinho hatte die Hoffnung auf große Erfolge zurückgebracht nach Barcelona. David Beckham sagte einmal: "Es gab eine Zeit während Ronaldinhos Periode beim FC Barcelona, in der er für seine Widersacher unspielbar war." Zwischen 2004 und 2006 war es, als Barca zweimal hintereinander Meister wurde und die Champions League gewann.

Standing Ovations beim Erzrivalen

Diese zwei Jahre waren der Höhepunkt in Ronaldinhos Karriere, er war hochmotiviert und spielte schlicht magisch. Durch seine Konstanz und seine Genialität erreichte er ein Niveau, auf dem sich vorher und hinterher nur Alfredo Di Stefano, Diego Maradona und Messi bewegt haben. Ronaldinho raubte Fußballfans auf aller Welt im Wochenrhythmus den Atem, immer mit diesem liebenswerten Grinsen im Gesicht. "Er transportiert viel Freude und große Lust beim Spielen. Und er hatte solch hohe individuelle Fertigkeiten, dass ihn jeder auf der Welt liebte", sagte Frank Rijkaard.

Selbst die Fans von Real Madrid erhoben sich im November 2005 im Santiago Bernabeu aus ihren Sitzschalen und applaudierten dem Magier des größten Rivalen. "Ich werde das nie vergessen, weil es sehr selten ist, von den gegnerischen Fans in solch einer Weise beklatscht zu werden", sagte Ronaldinho hinterher. Der einzige andere Barca-Profi, der jemals im Bernabeu mit Standing Ovations gefeiert wurde, war Maradona. Selbst Messi wartet noch heute auf solche Szenen. Ronaldinho indes überschritt vermeintlich in Stein gemeißelte Gesetzmäßigkeiten. Er schaffte es, unabhängig von seiner Vereinszugehörigkeit wahrgenommen zu werden. Ronaldinho war nie davon getrieben, der beste zu sein. Er wollte nur Spaß haben und genießen. Sein Auftreten und sein Verhalten machten es ganz deutlich: Ronaldinho hatte nicht nur Spaß am Fußball, er genoss das Leben im Allgemeinen. Und er wollte, dass es auch andere genießen können. 

Ronaldinho Barcelona

Als Barca im Sommer 2006 für eine Promotion-Tour nach Los Angeles reiste, kam der damalige NBA-Star Kobe Bryant beim Trainingsplatz vorbei und sah sich eine Einheit an. "Ronaldinho war ein guter Freund von mir. Und während ich mit ihm sprach, sagte er mir: 'Kobe, schau mal, ich werde dich einem Kumpel vorstellen, der bald der größte Spieler aller Zeiten sein wird.' Ich sagte: 'Wie bitte? Du bist der größte.' Ronaldinho entgegnete: 'Nein, nein. Dieses Kind hier wird der Beste sein.'" Das Kind war damals 17 Jahre alt. Es hieß Lionel Messi. 

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"Hätte zu gerne länger mit Messi gespielt"

Ronaldinho war demütig und humorvoll. Nicht wenige meinten, er nehme das Spiel nicht so ernst, wie er es hätte tun sollen, was umso mehr unterstreicht, wie großartig er eigentlich war. Ronaldinho gewann die Weltmeisterschaft, die Copa America, die Copa Libertadores und die Königsklasse. 

Ungeachtet dessen wurde Ronaldinho schon oft danach gefragt, was er rückblickend bedauert, nachdem er seine Karriere beendet hatte. "Ich hätte nur zu gerne länger mit Messi gespielt. Er ist so ein großartiger Spieler und ich bin sehr froh darüber, dass ich ihm zu Beginn seiner Karriere sein erstes Tor vorbereiten konnte", entgegnete er. "Es wäre wirklich schön gewesen, mehr mit ihm zu spielen, aber meine Zeit bei Barca war damals vorbei. Es war ein Punkt, an dem ich gehen und mir neue Ziele setzen musste."

Nun geht Ronaldinho endgültig, nun verabschiedet er sich von der großen Bühne des Weltfußballs, den er mit seinem Lächeln und seinen Fähigkeiten maßgeblich geprägt hat. Sicher, er hätte noch mehr erreichen, noch mehr Titel gewinnen können. Aber Ronaldinho geht zufrieden. "Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte. Und ich bin unendlich dankbar dafür."

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