HINTERGRUND
"Ich bin sehr glücklich, meinen neuen Vertrag bei Real Madrid unterzeichnet zu haben. Drei weitere Jahre bei diesem fantastischen Klub." – Diese Worte schrieb Mink Peeters noch im August auf Twitter, als er seinen Fans mitteilte, er habe sich langfristig an die Königlichen gebunden.
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Nicht einmal ein halbes Jahr später hat sich das Blatt in der Karriere des niederländischen Offensivtalents fast um 180 Grad gewendet. Ende Januar gab Almere City FC die Verpflichtung des 19-Jährigen bekannt. Almere, ein Zweitliga-Klub aus der Provinz Flevoland im Heimatland des Youngsters. Doch wie konnte es soweit kommen, dass ein vielversprechendes Talent aus Reals Castilla versucht, seine Karriere auf diese Weise zu retten?
Peeters verbrachte einen Großteil seiner Jugend bei PSV Eindhoven. Im Sommer 2011 folgte er jedoch den Lockrufen des großen Konkurrenten Ajax Amsterdam, wo er sich zu einem der vielversprechendsten Talente seines Landes entwickelte. Der Linksfuß durchlief sämtliche Juniorenauswahlmannschaften Oranjes und machte mit starken Leistungen die Galaktischen aus Madrid auf ihn aufmerksam.
2014 schloss Peeters sich dann also Real an, wo er zunächst für die U19 auflief, ehe er im vergangenen Sommer in die Reserve der Profi-Mannschaft aufstieg. Die Königlichen statteten ihn mit einem neuen Dreijahresvertrag aus und verliehen ihn einen Tag später zur VVV-Venlo.
Leihe in Venlo wird zum Fiasko
"Ich freue mich auf die neue Aufgabe", ließ der Linksaußen damals verlauten. "Ich sehe es als letzten Schritt vom Jugend- zum Männerfußball an. Ich gehe davon aus, dass ich eine ganze Menge spielen werde. Das ist mir jetzt wichtig", sagte er abschließend.
Doch sein Aufenthalt beim Eredivisie-Klub lief komplett anders, als erwartet. Sowohl für Peeters als auch für beide Vereine. Es bleibe weiterhin sein Ziel, irgendwann bei den Profis von Real Madrid zu spielen, machte er seine Ambitionen zuvor noch deutlich. Letztendlich kam es aber anders. Peeters, der während seiner Zeit bei Ajax als die beste Nummer 10 seines Jahrgangs in den Niederlanden angesehen wurde, konnte in der heimischen Liga überhaupt nicht Fuß fassen.
Zu Beginn stand er zwar regelmäßig im Kader von VVV, kam aber in der Liga kein einziges Mal zum Einsatz. Lediglich im Pokal ließ Trainer Maurice Steijn den Youngster von der Leine. Seiner Meinung nach war er noch nicht reif genug für weitere Einsätze.
Suspendierung besiegelt Aus
"Jeder denkt, dass ein Talent von Real Madrid sofort bei VVV spielen kann, aber vergessen wir nicht, dass er vorher in der A-Jugend gespielt hat. Das hier ist die Eredivisie", begründete er seine Maßnahmen. Peeters nahm dies möglicherweise zum Anlass, einen individuellen Trainer für private Einheiten zu engagieren. Ein Unternehmen mit Folgen.
Denn als die Verantwortlichen von VVV-Venlo davon Wind bekamen, wurde er für mehrere Tage suspendiert. "Er hat den Klub diskreditiert", erklärte Trainer Steijn seine Maßnahme gegenüber De Telegraaf. "Er hat, ohne uns zu informieren, ein separates Training mit Arno Arts absolviert und den Medien erzählt, er könne bei uns seine technischen Fähigkeiten nicht gut genug trainieren."
Auch wenn Peeters nach wenigen Tagen wieder begnadigt wurde, war das sein inoffizielles Aus in Venlo. In den darauffolgenden sieben Spielen wurde er nur ein einziges Mal für den Kader nominiert, Ende Januar gab der Klub kurz und knapp seinen Abschied bekannt. "Die Leihgabe von Real Madrid bekam wenig Spielzeit bei der VVV-Venlo und durfte daher gehen", hieß es in einem Statement.
Gleichzeitig bestätigte Almere City FC, dass er den Rest der aktuellen Spielzeit für den Klub in der Jupiler League auflaufen wird, wo die Verantwortlichen mächtig stolz sind auf ihren Coup, wie man den Worten von Geschäftsführer John Bes entnehmen kann.
"Mink ist eines der größten Talente in den Niederlanden. Es ist schön zu sehen, dass ein solcher Junge sich bewusst für Almere City entscheidet. Wir sind dafür bekannt, dass junge Talente sich hier sehr gut entwickeln können", so Bes.
Auch Cheftrainer Jack de Gier freut sich auf Zusammenarbeit mit dem Youngster. "Mink passt gut zu den Ambitionen des Vereins", erklärte er. "Wir sind äußerst zufrieden, dass uns Mink im nächsten halben Jahr zur Verfügung steht."
Peeters verfügt über alle Anlagen
Statt Real Madrid oder Eredivisie steht für Peeters also nun das niederländische Unterhaus auf dem Programm. Ein Schritt, den der Spieler bewusst gewählt haben könnte. "Ich freue mich wirklich auf die neue Herausforderung und hoffe, hier die nächsten Schritte in meiner Laufbahn zu machen."
In der Tat muss die Karriere des einstigen Super-Talents schön langsam wieder auf die richtige Fährte gebracht werden. Die nötigen Anlagen, um sich im europäischen Fußball zu behaupten, bringt Peeters definitiv mit. Sein linker Fuß ist eine Augenweide, technisch besitzt er herausragende Fähigkeiten und auch die nötige Übersicht, seine Mitspieler in Szene zu setzen, ist vorhanden.
Nun gilt es für ihn, zu regelmäßigen Einsätzen zu kommen. Almere wird versuchen, ihn im nächsten halben Jahr an den Männerfußball heranzuführen. Wenn er sein Potenzial abruft, wird er für den Zweitligist nicht über das Saisonende hinaus zu halten sein. Ob es dann für ihn bei Real weitergeht, wird man sehen, doch mit einer guten Rückrunde stehen ihm im Sommer zumindest theoretisch alle Türen offen.
