Martin Ödegaard in Heerenveen: Weniger Hype, mehr Arbeit, bessere Entwicklung

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GFX Ödegaard
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Die Erwartungen an den jungen Norweger waren nach seinem Wechsel zu Real riesig. Während der Hype abgeflaut ist, entwickelt er sich in Heerenveen.

HINTERGRUND
Nur wenige Fußballer standen schon in jungen Jahren derart im Rampenlicht wie Martin Ödegaard. Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Fußballfans in ganz Europa der Geschichte des jungen Norwegers folgten. Alle fragten sich: Zu welchem Top-Klub wechselt eines der größten Talente überhaupt?

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Im Alter von 15 Jahren hatte Ödegaard das Interesse der Elite geweckt. Nach seinem Durchbruch bei Stromsgodset tingelte er von Spitzenverein zu Spitzenverein, absolvierte Probetrainings und hatte schließlich unter anderem Angebote von Bayern München, Manchester United, der Roma, von Liverpool und Ajax.

Ancelotti nannte Ödegaard eine "PR-Verpflichtung"

Der Teenager, dem das Potenzial eines künftigen Ballon-d'Or-Gewinners bescheinigt wurde, entschied sich für Spaniens Rekordmeister Real Madrid. Seitdem ist der enorme Hype um Ödegaard abgeklungen und im vergleichsweise bescheidenen Heerenveen entwickelt er sich aktuell zu einem wirklich guten Fußballer.

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Ex-Real-Trainer Carlo Ancelotti nannte ihn in seinem Buch eine "PR-Verpflichtung" und Ödegaard hatte große Probleme in Real Madrids Castilla. Das machte ihn zu einem einfachen Ziel für die Medien und schnell hatte der Mittelfeldspieler den Ruf des anstrengenden Nachwuchsstars weg. Im Januar startete er seine 18-monatige Leihe in den Niederlanden und nach miserablen ersten Monaten deutet er mittlerweile wieder an, warum er einst als ganz besonderer Spieler galt.

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Unter Trainer Jürgen Streppel ist er Stammkraft und weil er so seine Form wieder fand, darf der 18-Jährige erstmals seit März 2016 wieder zur norwegischen A-Nationalmannschaft reisen. Es heißt, Real fasse wieder Vertrauen in den Jungen und Ödegaard selbst bestätigte diesen Eindruck am Donnerstag, als er verriet, in Madrid sei man "glücklich" mit seiner Entwicklung.

Dabei ist Heerenveen nach gutem Start in die Saison ins Straucheln geraten. In den vergangenen fünf Partien fuhr der Klub nur einen Zähler ein und rutschte in der Tabelle auf den zehnten Rang ab. Ödegaards Leistungen waren dabei oft Lichtblicke.

"Bitte gebt ihm den Ball"

Beispiele gefällig? Sein toller Assist mit der Hacke für Michel Vlaps Treffer gegen Alkmaar. Am Wochenende, beim 0:0 gegen Sparta Rotterdam, war er der beste Spieler auf dem Rasen und in der ersten Halbzeit vernaschte er zwei Gegenspieler, indem er sie mit einer Körpertäuschung alt aussehen ließ und mit dem Ball am Fuß nach Innen zog.

Coach Streppel lobte anschließend Ödegaards Leistung auf dem Kunstrasen des Het Kasteel: "Ich habe einige fantastische Aktionen von Martin Ödegaard gesehen. Ich sagte den Jungs: 'Bitte gebt ihm den Ball. Er kann damit über das ganze Feld laufen.' Er hat das Spiel bestimmt, aber leider hat er sich in der zweiten Halbzeit vom langsamen Spieltempo anstecken lassen."

 

Already looking forward to the next game

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Ödegaard bildet mit Rechtsverteidiger Denzel Dumfries ein starkes Duo. Beide sind mittlerweile eingespielt und verschaffen einander mit ihren Läufen Räume. Räume, in denen Ödegaard seine Technik und seine Stärke im Passspiel ausspielen kann.

Der Norweger verfügt über eine überragende Übersicht und ein starkes Antizipationsvermögen. Häufig, so scheint es, erahnt er nicht nur gegnerische Grätschen, sondern auch die Laufwege seiner Mitspieler. Auf der rechten Seite kann er sowohl bis zur Grundlinie marschieren, als auch selbst nach Innen ziehen.

Ödegaards Schwäche ist die Effizienz

Gemäß der Daten-Profis von Opta hat kein Heerenveen-Spieler in dieser Saison mehr Chancen kreiert und nur drei Spieler in der Eredivisie bestritten mehr erfolgreiche Dribblings.

Was ihm dagegen noch klar abgeht, ist die Effizienz. Ödegaard wartet auf sein erstes Tor in dieser Saison und er muss vor allem seine Schussauswahl verbessern. Oft probiert er es aus aussichtslosen Situationen. Ist er dagegen in einer guten Position, verschenkt diese zu häufig und lässt sich zum Beispiel in einen spitzen Winkel abdrängen.

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Bei Heerenveen TV schätzte er seine Leistungen selbst so ein: "Ich denke, ich hatte einige gute Spiele und manche, die nicht zufriedenstellend waren. Wichtig ist, dass man aus seinen Fehlern lernt und sich entwickelt. Genau das probiere ich jetzt. Ich arbeite hart im Training, gebe mein Bestes in den Spielen und hoffentlich spiele ich in Zukunft dann noch besser."

Die Ausleihe in den Norden der Niederlande, fernab der ganz großen Aufmerksamkeit, hat ihm bisher gut getan. Sein von starker Technik geprägter Stil passt glänzend in die Eredvisie.

"Wenn man ihm Platz lässt, ist er überragend“

Norwegens Ex-Nationalspieler Andre Bergdolmo, einst bei Ajax unter Vertrag, sagte kürzlich in der AS: "In Real Madrids Castilla hat er einige Entwicklungsschritte gemacht. Aber erst in Heerenveen hat er gelernt, was es wirklich bedeutet, ein professioneller Fußballspieler zu sein."

Es ist kein Zufall, dass seine regelmäßige Spielpraxis im Klub zu seiner bisher besten Leistung im Dress der norwegischen U21 führte. Gegen Deutschlands Junioren hatte Ödegaard bereits beim zwischenzeitlichen 1:1 seine Füße im Spiel, ehe er mit einem Schlenzer seine Elf in Führung brachte. Sein famoser Diagonalball auf Heerenveen-Kollegen Morten Thorsby war schließlich der Wegbereiter zum 3:1. "Wenn man ihm Platz lässt, ist er überragend“, konstatierte Deutschlands Nationalspieler Jonathan Tah später.

In dieser Woche hat Ödegaard die Gelegenheit, bei Lars Lagerbäck in der A-Nationalelf Pluspunkte zu sammeln. Nach langer Abwesenheit winkt ihm ein Einsatz im Freundschaftsspiel gegen Mazedonien.

Im kommenden Sommer geht es für Ödegaard zurück nach Madrid. Das ist bereits beschlossene Sache. Ein Verbleib bei Real ist dagegen keineswegs sicher. Wahrscheinlich ist eine erneute Ausleihe, womöglich zum aktuellen Tabellenzweiten FC Valencia.

Ödegaard will weiter den Durchbruch bei Real schaffen

Ödegaards Durchbruch ließe damit weiter auf sich warten, dennoch wäre es ein sinnvoller Schritt, um sich weiter an das internationale Top-Niveau heranzutasten. Er ist immer noch erst 18 Jahre alt und muss eine Menge lernen auf dem Weg zum großen Ziel. Das weiß er auch selber.

"Es liegt nun an mir, mich zu entwickeln", sagte er. "In dieser Saison will ich noch mehr aus meinem Spiel herausholen: mehr Tore, mehr Assists, mehr entscheidende Aktionen. Ich will als reiferer und besserer Spieler nach Spanien zurückkehren. Denn es bleibt das große Ziel: ein Platz in der ersten Mannschaft von Real Madrid."

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