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Mark Deptas Traum vom Profi: Wenn es plötzlich schnell geht

14:00 MESZ 25.04.17
Mark Depta Aachen
Der 19-jährige Keeper Mark Depta von Alemannia Aachen hofft nach starken Leistungen in der Regionalliga auf eine Profikarriere. Goal begleitete ihn.

Mark Depta ist ein Junge wie viele andere auch. Er geht zur Schule, macht 2016 sein Abitur und spielt nebenbei seit seiner Kindheit Fußball. Nicht in einem DFB-Nachwuchsleistungszentrum oder einer hochdekorierten Jugendakademie eines Bundesligisten, sondern in den U-Mannschaften des Viertligisten Viktoria Köln und später beim Drittligisten Fortuna Köln.

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Im Sommer 2016 wechselt der 19-Jährige zum Regionalligisten Alemannia Aachen. Eingeplant wird er als Nummer drei, soll aber vorerst in der zweiten Mannschaft, die in der Landesliga, der sechsthöchsten Spielklasse, spielt, Erfahrungen sammeln. Dort herrscht zwar gutes fußballerisches Niveau vor, für das täglich Brot übt der überwiegende Teil der Spieler aber einen anderen Beruf aus.

So plant auch Depta, ein Jura-Studium anzufangen. An eine Profikarriere denkt er nicht explizit. "Ich wollte mich einfach stetig verbessern und schauen, wie weit ich ligatechnisch kommen kann", sagt Depta exklusiv zu Goal. "Dem Trainer der ersten Mannschaft, Fuat Kilic, wollte ich natürlich beweisen, dass ich vielleicht doch zu mehr fähig bin, als in der zweiten Mannschaft zu spielen. Als ich im letzten halben Jahr dann gemerkt habe, dass ich Fortschritte mache, war ich mir dann doch relativ sicher: Ich werde meine Chance bekommen."

Depta behält Recht. Als sich Stammkeeper Pascal Nagel Anfang des neuen Jahres verletzt, schenkt Kilic ihm das Vertrauen. Und er nutzt seine Chance. Sechs Spiele absolvierte Depta bislang in der vierten Liga, nur eines davon ging verloren. Er präsentiert sich für sein Alter sehr ruhig und abgeklärt, überzeugt auf der Linie und im Eins gegen Eins. Gegen den Tabellenführer und Aufstiegskandidaten Viktoria Köln, seinem alten Verein in der Jugend, sichert er Alemannia mit starken Paraden den Sieg.

Zwei Wochen später spielt er gegen Rot-Weiß Essen erstmals vor einer Kulisse von über 10.000 Zuschauern. So mancher würde vermutlich Nervenflattern bekommen, nicht so Depta. "Das hat mich selber überrascht. Diese ganze Atmosphäre, Beleidigungen von gegnerischen Fans konnte ich während des Spiels komplett ausblenden und mich auf das Spiel konzentrieren." Mit einer erneut starken Leistung verhilft er der Alemannia zu drei Punkten, wird von der bekannten Seite Fupa auch noch in die Elf des Spieltags gewählt.

Plötzlich ist Depta mittendrin im rasanten, verrückten Fußball-Geschäft. Eine Handvoll hervorragender Spiele reichen aus, um Scouts auf sich aufmerksam zu machen. Erste Interessenten melden sich, andere Regionalliga-Klubs, sowie Mannschaften aus der 3. Liga und sogar aus der zweiten englischen Liga beobachten ihn seitdem.

Alles andere als eine einfache Situation für einen 19-Jährigen. In kürzester Zeit hat sich seine Lebenssituation, seine Perspektive komplett verändert. Er muss das Erlebte verarbeiten, richtig einordnen, sein Umfeld, das ihn gerne über den grünen Klee lobt und bereits als Profi sieht, bremsen. "Da gibt es schon den ein oder anderen Bekannten, der dann nach den letzten zwei Monaten sagt, es wird hoch hinaus gehen. Aber ich mag es nicht, soweit in die Zukunft zu schauen. Ich will einen kühlen Kopf bewahren."

Nach wie vor weiß Depta, wie schwer es ist, Profi zu werden. Von seinen jüngsten Erfolgen lässt er sich nicht blenden: "Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn sich plötzlich Vereine für dich interessieren. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber ich habe bis jetzt erst so wenige Spiele absolviert, dass es keinen Grund gibt, abzuheben. Um es zum Profi zu schaffen, braucht es viel. Talent, Glück, aber vor allem die Einstellung. Von meinen Kollegen weiß ich, dass man viel Zeit investieren muss, nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern auch in seiner Freizeit, zusätzliches Krafttraining machen." Die ereignisreichen letzten zwei Monate haben ihm aber vor allem eines gezeigt. "Ich habe mir selber bewiesen, dass ich die Qualität habe."

Sein Jura-Studium steht nach wie vor auf dem Programm, nun aber eventuell etwas später. "Das Studium wird vielleicht nach hinten verschoben, man weiß ja nie, welche Möglichkeiten sich im Fußball noch auftun", erklärt er abgezockt wie ein gestandener Profi.

Deptas ungewöhnlicher Weg zeigt, dass es sich auch im durchstrukturierten Fußball-Geschäft der Gegenwart lohnt, an seinen Traum zu glauben. Nicht ausschließlich der Fakt, seit Kindesbeinen in einem Fußball-Internat eines renommierten Vereins zu sein, ermöglicht es, Profi-Fußballer zu werden – auch wenn Depta das noch längst nicht ist.

Das bekannteste Beispiel für eine solche Geschichte war zuletzt Jamie Vardy. Der Angreifer spielte mit 26 Jahren noch in der fünften Liga, wechselte dann in die zweite Liga zu Leicester City. Mit den Foxes stieg er auf, wurde sensationell Meister und Torschützenkönig. Heute ist Vardy englischer Nationalspieler. "Natürlich motivieren solche Schicksale wie das von Vardy", sagt Depta. "Es zeigt, dass man nicht schon seit der Jugend in einem großen Verein gespielt haben oder das Mega-Talent gewesen sein muss, um es relativ hoch im Fußball zu bringen. Sich so etwas vor Augen zu führen, hilft einem und zeigt, dass es eben nicht nur den einen Weg gibt."