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UEFA Champions League

Die Juventus-Jagd nach dem Champions-League-Sieg: War's das jetzt fürs Erste?

08:30 MESZ 12.04.18
Allegri Buffon Real Madrid Juventus Champions League
Nach dem erneuten Ausscheiden sinken die Chancen auf einen baldigen Triumph in der Königsklasse drastisch - und doch gibt es Hoffnung.

HINTERGRUND

Man musste kein Hellseher sein, um die Gemütslage von Gianluigi Buffon an seinem Gesicht abzulesen, als er sich weit nach Spielschluss den Mikrofonen der Reporter stellte. Enttäuschung, es war pure Enttäuschung – und das über einen Sieg gegen Real Madrid! Doch Juventus reichte das 3:1 nicht, um die Hypothek aus dem Hinspiel zu egalisieren und ins Halbfinale der Champions League einzuziehen.

Die entscheidende und gleichzeitig umstrittenste Szene der Partie, sie beschäftigte die Torhüterlegende, die sich so sehr nach dem Gewinn der Königsklasse sehnt, auch noch in Katakomben des Bernabeu. "Man kann nicht in der 93. Minute einen strittigen Strafstoß pfeifen. Im Hinspiel wurde ein klarer Strafstoß für uns nicht gepfiffen. Die Mannschaft hat alles gegeben und ein Mensch darf nach einem außergewöhnlichen Comeback wie diesem nicht die Träume mit einer strittigen Entscheidung zerstören", versuchte Buffon das vorher Geschehene in Worte zu packen.  

Nach dem folgenschweren Pfiff des Referees schimpfte und gestikulierte Buffon dermaßen intensiv auf ihn ein, dass er in seinem vielleicht letzten Champions-League-Spiel seiner Karriere den Schlusspfiff nicht auf dem Platz erleben durfte. Rote Karte. Obendrein musste er beim Elfmeter von Cristiano Ronaldo machtlos mitansehen, wie der Superstar der Königlichen seiner Vertretung, Wojciech Szczesny, keine Chance ließ.

Juve in der Champions League: Das Ende einer Ära?

Der Platzverweis gegen Buffon, er ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende einer Ära beim Serienmeister aus Italien. Nach den erfolgreichen internationalen Ergebnissen der vergangenen vier Spielzeiten wird es in den kommenden Spielzeiten nicht wahrscheinlicher, dass der Klub den Henkelpott in die Höhe stemmen kann.

Buffon wettert: "Dazu muss man kein Herz haben, sondern einen Mülleimer"

Zweimal schrammte die Alte Dame in den vergangenen Jahren am maximalen Erfolg vorbei. Sowohl 2015 gegen den FC Barcelona als auch 2017 gegen Real Madrid mussten Gianluigi Buffon und Co. das Feiern im Endspiel dem Gegner überlassen. Dass Juventus in naher Zukunft nach 1985 und 1996 wieder ein gewichtiges Wort in Europas Elitewettbewerb mitreden kann, darf bezweifelt werden. Zu unsicher ist die Zukunft des Klubs.

Juventus' CL-Zukunft sieht alles andere als rosig aus

Mit Buffon, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feierte, befindet sich einer der Köpfe der Mannschaft, der Identifikationsfiguren für die Fans und jungen Spieler, bereits mit einem Bein im Ruhestand. Auch an weiteren wichtigen Stützen des Teams wie Abwehrrecken Giorgio Chiellini oder Andrea Barzagli nagt der Zahn der Zeit gewaltig. Auch bei Leistungsträgern wie Sami Khedira, Gonzalo Higuain oder dem Doppelpacker vom Mittwoch, Mario Mandzukic, steht bereits eine Drei vorne.

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Zudem könnte mit Alex Sandro einer der Garanten des abwehrstarken Juve den Klub im Sommer verlassen. Entsprechende Gerüchte kursieren bereits seit Monaten. Und auch der Architekt des jüngsten Erfolges, Trainer Massilmiliano Allegri, wird permanent mit einem Engagement auf einer anderen Trainerbank in Verbindung gebracht – allen voran mit Chelsea und Arsenal. Es ist auch nicht schwer, sich auszumalen, dass den 50-Jährigen nach wahrscheinlich vier Meisterschaften in der Serie A in Folge neue Aufgaben reizen.

Wie lange ist Massimiliano Allegri noch Teil von Juventus?

Apropos Premier League: Was diese Spielzeit ebenso gezeigt hat: Die englischen Klubs dürsten nach Jahren der Tristesse wieder nach Silberware in der Champions League. Hätten Liverpool und Manchester City sich nicht gegenseitig aus dem Wettbewerb gekegelt, es hätten auch zwei Klubs von der Insel in der Runde der letzten Vier stehen können.

Auch in den künftigen Jahren darf wieder verstärkt mit den Klubs aus England gerechnet werden. Zu viele gute Trainer sitzen dort mittlerweile bei wirtschaftlich zu potenten Klubs. Alle nur mit einem Ziel vor Augen: den ganz großen Wurf machen.

Die 93. Minute im Bernabeu, der Elfmeterpfiff, könnte etwas wie eine Parabel auf die Champions-League-Avancen der Bianconeri sein. Lange hat man geträumt, vom Wunder im Rückspiel, noch länger vom Sieg in der Königsklasse – und mit einem Mal könnte alles vorbei sein.

"Niemand hat geglaubt, dass wir das noch umdrehen können", bilanzierte ein ebenfalls sichtlich aufgewühlter Chiellini bei Mediaset Premium im Nachgang der Partie und wetterte auf den Unparteiischen: "Es ist lachhaft, dass die italienische Schiedsrichterkommission noch kürzlich sagte, dass in der Champions League alles gut ist." Trotzdem wollte sich der Innenverteidiger nicht entmutigen lassen: "Wir haben an uns geglaubt und das wird uns in der nächsten Champions-League-Saison helfen."

Macht es Juventus wie schon einmal?

Die nächste Saison? Trotz des bevorstehenden Umbruchs gibt es für alle Tifosi natürlich auch noch Gründe, den Kopf nicht in den Sand zu stecken – und die rühren ausgerechnet aus der jüngeren Vereinsgeschichte.

Andrea Pirlo, Carlos Tevez, Alvaro Morata, Patrice Evra, Paul Pogba, Arturo Vidal – sechs Stars, die mit Juve im CL-Finale von 2015 gegen ein entfesselnd aufspielendes Barca mit 1:3 den Kürzeren zogen und im Endspiel zwei Jahre später gegen Real nicht mehr mit an Bord waren.

Pirlo, Tevez und Vidal: Drei, die Juventus verließen

Und trotz des hochkarätigen Verlustes hat Juventus bewiesen, dass man es unter anderem mit einer gelungenen Transferpolitik schaffen kann, auch den Wegfall des halben Stammpersonals binnen zwei Jahren aufzufangen. No Pirlo, no Party – diesen Spruch hatte sich Allegri nach dem Weggang seines Mittelfeld-Maestros nach Übersee nicht zu Herzen genommen und eine neue, funktionierende Mannschaft binnen zweier Spielzeiten aufgebaut.

Sollten in den nächsten Monaten ähnlich klug die Weichen für die Zukunft gestellt werden, könnte sie weitergehen, die Jagd von Juventus nach dem Champions-League-Titel. Aber auch nur dann. Die Zukunft von Allegri dürfte hierbei wohl die entscheidende Frage sein.

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Sollte es nicht gelingen, könnte die denkwürdige Nacht in Madrid vorerst der letzte große Auftritt auf dieser Bühne gewesen sein. Das weiß sicher auch Gigi Buffon, dessen Jagd nach dem Henkelpott nun endgültig vorbei sein dürfte; es war an seiner Gemütslage zu erkennen – auch für diejenigen, die keine Hellseher sind.