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Brentford v Tottenham Hotspur - Premier League 2026/27Getty Images Sport

Höhnischer Applaus von den eigenen Fans: Ex-Bayern-Talent Mathys Tel hat bei Tottenham einen schweren Stand

Als sich Mathys Tel vor gut einem Jahr von den Fans des FC Bayern verabschiedete, wurde er hoch emotional. Er sprach vom Verein als "geliebte Person", von der er sich nun verabschieden müsse. Jede Minute, die er für diesen so großen Klub auf dem Feld stehen durfte, habe er "geliebt" und München werde "immer in meinem Herzen sein".

Tels Liebe für den FC Bayern kam nicht von ungefähr. 20 Millionen Euro legte der deutsche Rekordmeister 2022 für den damals erst 17-Jährigen von Stade Rennes hin. Ein überaus großer Vertrauensvorschuss, der gleichzeitig einen immensen Druck auf einen hochtalentierten, aber nun mal blutjungen Stürmer ausübte. Doch er hielt ihm Stand.

Der Franzose etablierte sich im Starensemble als äußerst brauchbarer Joker und wurde schnell zum Publikumsliebling. In seiner ersten Saison reichten ihm rund 450 Minuten für sechs Tore in Bundesliga und DFB-Pokal. Im darauffolgenden Jahr waren es gar schon zehn Treffer und sechs Vorlagen in "nur" 1226 Pflichtspielminuten.

Mathys Tel beim FC Bayern nach der Ankunft von Kompany außen vor

Tel schien durchaus die Zukunft zu gehören, doch als er unter dem neuen Trainer Vincent Kompany bis zum Winter in 14 Pflichtspielen nur auf 458 Minuten und kein einziges Erfolgserlebnis in Form einer Torbeteiligung kam, musste sich etwas ändern. Tel haderte lange mit diesem Schritt und hatte den Bayern-Entscheidern um Kompany und Sportvorstand Max Eberl noch im Dezember suggeriert, sich durchsetzen und keine Leihe anstreben zu wollen.

Ein Leihgeschäft hatten Eberl und Kompany dem Franzosen zwar durchaus nahegelegt, akzeptierten aber die Entscheidung des kriselnden Jungprofis. Ende Januar folgte dann der Sinneswandel bei Tel, mit dem Eberl nicht gänzlich einverstanden war.

"Wir werden schauen, ob wir eine Lösung hinkriegen. Die Zeit drängt", sagte ein etwas angefressener Eberl nur wenige Minuten, nachdem sich Tel nach dem Champions-League-Spiel gegen Slovan Bratislava gestenreich und ausschweifend auf einer Art Ehrenrunde von den Bayern-Fans verabschiedet hatte. Wohlgemerkt ohne, dass es irgendetwas Spruchreifes gegeben hätte.

Dennoch: Es waren rührende Szenen, die sich an diesem kalten Januarabend abspielten. Alleine lief der damals 19-jährige Franzose über den Rasen der Allianz Arena, während all seine Teamkollegen schon längst in den Katakomben verschwunden waren. Tel klatschte, winkte, klatschte. Dann marschierte er nochmal Richtung Südkurve. Schlug dort mit einigen Anhängern ein, posierte für Fotos, plauderte kurz. Seine Jacke übergab er einem Fan, der oben ohne am Zaun hing.

Mathys Tel FC BayernGetty Images

Mathys Tel wechselt vom FC Bayern zu Tottenham und steht direkt in der Kritik

"Die Lösung", die Eberl für Tel da noch finden musste, offenbarte sich wenige Tage später und nach langem Hin und Her in Form eines Leihgeschäfts mit Tottenham Hotspur. Zehn Millionen Euro an Gebühren sollen die Spurs an die Bayern für den kurzfristigen Wechsel überwiesen haben. Der Londoner Klub steckte damals in einer tiefen Krise, war nur 15. in der Liga und suchte dringend eine Alternative zu Star-Stürmer Dominic Solanke, der aufgrund einer Knöchel-OP zuvor das gesamte erste Halbjahr der Spielzeit verpasst hatte.

Anders als von den Bayern erwünscht, handelte man mit den Spurs eine hohe Kaufoption von 60 Millionen Euro und keine Kaufpflicht aus. Das soll auch auf Drängen von Tel geschehen sein, der sich die Tür für eine Rückkehr zum FCB offen halten und über seine langfristige Zukunft selbst entscheiden wollte.

Bei den weiter kriselnden Spurs tat sich Tel nach seiner Ankunft dann schwer. Auf seinen Treffer bei seinem Debüt im FA Cup, aus dem Tottenham dann gleich ausschied, folgte eine lange Durststrecke. Erst im April traf er nach Einwechslung erneut. Als "hoffnungslos ineffektiv" und "enttäuschend" war er zuvor schon The Standard und der The Sun abgestempelt worden.

Enttäuschend war auch das, was die Spurs im restlichen Saisonverlauf über weite Strecken veranstalteten. Nur weil die drei Absteiger Leicester, Ipswich und Southampton noch viel schlechter waren, konnte eine Katastrophe in Form des Gangs in die Championship vermieden werden. Am Ende gelang sogar im Finale der Europa League das unverhoffte Happy End. Statt in der Championship spielte eine schon damals dysfunktionale und offensiv harmlose Mannschaft plötzlich Champions League.

Mathys Tel Tottenham 2025-26Getty Images

FC Bayern macht mit Mathys Tel in der Retrospektive ein herausragendes Transfergeschäft

Und obwohl Tel daran eigentlich keinerlei Anteil hatte (kein Tor und nur 209 Minuten in der gesamten K.o.-Phase der EL), verständigten sich die Spurs im vergangenen Sommer mit den Bayern auf einen festen Transfer des französischen U21-Nationalspielers, dessen Perspektive auf Spielzeit in München durch die herausragende Debütsaison von Michael Olise und der Ankunft von Luis Diaz auf ein Minimum geschrumpft war. 35 Millionen Euro erhielt der Rekordmeister noch einmal für Tel und machte damit in der Retrospektive ein herausragendes Geschäft.

Denn so richtig fasste Tel auch in seiner zweiten Saison in London nicht Fuß. Die magere Torausbeute mit nur vier Treffern in 37 Pflichtspielen muss aber in den Kontext gesetzt werden. Denn die Spurs gaben noch einmal ein viel erschreckenderes Bild ab als in Tels erstem halben Jahr. Erst am letzten Spieltag rettete sich Tottenham vor dem Abstieg und verschliss auf dem Weg dorthin mit Thomas Frank und Igor Tudor zwei Trainer. Erst die Ankunft des Heißsporns Roberto De Zerbi wendete das Blatt für die Spurs letztlich noch zum Guten.

Tottenham Hotspur erlebt irren Transfersommer: Nur Chelsea gab mehr aus

Als Antwort auf zwei katastrophale Premier-League-Spielzeiten folgte in diesem Sommer eine unfassbare Transferoffensive. Das zentrale Mittelfeld wurde für fast 220 Millionen Euro durch die Neuzugänge Sandro Tonali und Mateus Fernandes komplett auf links gezogen. Dazu kamen in Savinho und Omar Marmoush zwei neue Konkurrenten für Tel von Manchester City - Savinho für schlappe 87 Millionen Euro, Marmoush per Leihe mit Kaufpflicht in Höhe von 55 bis 60 Millionen Euro. Dazu gesellt sich mit Chelsea-Leihgabe Mykhailo Mudryk eine weitere Offensivkraft.

354 Millionen Euro haben die Spurs in diesem Sommer bis dato ausgegeben, das wird weltweit nur von den ohnehin stets Transfer-besessenen Manchester City (526 Millionen) FC Chelsea überboten (406 Millionen). Der Ertrag für diese ausschweifenden Investitionen hält sich aber aktuell noch in Grenzen - oder anders gesagt: Bei den Spurs brennt schon nach nur zwei Ligaspielen wieder der Baum.

Denn die für so viel Geld neu formierte Offensive steht abgesehen von einem Kantersieg in der zweiten League-Cup-Runde gegen Charlton Athletic (5:1) in der Premier League bei exakt null Toren, während die Defensive besonders zum Auftakt gegen Brentford (0:3) abermals ein erschreckendes Bild abgab.

Mathys Tel nach unglücklicher Szene von den eigenen Fans verspottet

Und das trifft für einige auch auf Tel zu. Der 21-Jährige hat zwar trotz der prominenten Neuzugänge noch einen Stammplatz auf dem linken Flügel unter De Zerbi, doch ein frühes Erfolgserlebnis war ihm auch in dieser Saison nicht vergönnt. Im Gegenteil. Bei der 0:2-Niederlage am Wochenende gegen Newcastle United wurde Tel gar zur Lachnummer, als er beim Stand von 0:1 in der 68. Minute zu einem aussichtsreichen Freistoß antrat, leicht wegrutschte und den Ball ins absolute Nirvana drosch.

Stinksauer und fast schon verzweifelt schlug er anschließend auf den Rasen ein, ehe ihm seine Teamkollegen aufhalfen und ihn aufmunterten. Währenddessen gab es höhnischen Applaus und Pfiffe von den eigenen Fans. Nur wenige Augenblicke später wurde er ausgewechselt. Eine Szene mit Sinnbildcharakter, wie der ehemalige Spurs-Spieler Jamie O'Hara (56 Spiele, sieben Tore, fünf Vorlagen für Tottenham) urteilte.

"Das ist einer der schlechtesten Freistöße, die ich je gesehen habe", pestete er in einer Live-Reaktion bei talkSPORT während des Spiels: "Er ist einfach nicht gut genug. Ich weiß nicht, warum alle so tun, als wäre er ein anständiger Spieler - er ist absolut unterirdisch!"

Aber nicht nur Tel bekam sein Fett weg. So kritisierte er etwa De Zerbi, weil Pedro Porro auf dem rechten Flügel spielte, und Savinho, der aufgrund von Muskelbeschwerden nach nur 20 Minuten im League Cup pausieren musste.

Im Fokus der Kritik stand aber einmal mehr der enttäuschende Tel, der nur einen seiner sechs Zweikämpfe gewann und keines seiner Dribblings. Auf der Insel sind die Rufe längst laut geworden, dass Tel dringend verkauft und ersetzt werden müsse. Das sieht Trainer De Zerbi aber dem Vernehmen nach anders.

Der Italiener soll Tel unmissverständlich mitgeteilt haben, auf ihn bauen zu wollen - trotz der größer gewordenen Konkurrenz. Doch ganz so sicher darf sich Tel offenbar nicht sein. Denn zuletzt soll Tottenham auf dem Transfermarkt bei Cody Gakpo angeklopft, sich von dem Liverpool-Spieler aber einen Korb eingehandelt haben. Der Niederländer soll derweil Manchester City zugesagt haben.

Die Fragezeichen bei Tel werden hingegen immer größer, ob er tatsächlich das Niveau hat, um bei einem eigentlich großen Klub wie Tottenham zu reüssieren. Stellt er dies nicht zeitnah unter Beweis, muss er im Winter womöglich schon wieder Abschiedsworte formulieren. Fraglich, ob diese dann aber so emotional werden würden wie einst beim FC Bayern.

Mathys TelGetty Images

Mathys Tel: Leistungsdaten und Statistiken beim FC Bayern, Stade Rennes und Tottenham

Verein

Spiele

Tore

Torvorlagen

Spielminuten

FC Bayern

83

16

7

2.464

Tottenham Hotspur

61

7

4

3.181

Stade Rennes

10

-

-

81



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