Ex-Milan-Wunderkind Hachim Mastour: Vom gefeierten YouTube-Star in die fußballerische Bedeutungslosigkeit

Kommentare()
Mastour sorgte mit seinen YouTube-Videos für Aufsehen, wurde schon als "neuer Messi" gehandelt. Doch dann folgte der Absturz des Milan-Wunderkinds.


HINTERGRUND

Mit seinen YouTube-Videos, in denen er wie ein Slalomfahrer durch die gegnerischen Abwehrreihen tanzt, versetzte Hachim Mastour seine Generation ins Staunen. Schon als 14-Jähriger zählte das marokkanische Talent mit italienischen Wurzeln zu den großen Versprechungen des Fußballs.

Doch aus der am Reißbrett entworfenen Karriere wurde nichts. Heute, acht Jahre nach seinem Transfer zur AC Mailand, ist von dem Glanz, der Mastour als Jugendlicher umgeben hat, nichts mehr übrig. Anstatt Mailand, Barcelona oder Madrid heißt die Realität inzwischen Reggina 1914 aus der italienischen Serie B.

"Das mediale Aufsehen bei meinem Wechsel zu Milan sorgte dafür, dass Vereine und Berater in mir mehr eine Chance sahen, Profit zu machen, als eine sportliche Chance, mit der man Geduld haben muss", beklagte Mastour zuletzt in einem Interview: "Das hat meiner sportlichen Entwicklung geschadet, vor allem, weil ich nur spielen wollte."

Zwei Leihgeschäfte enden für Mastour im Fiasko

Rückblick auf den Juli 2012: Mastour, damals noch im Trikot der AC Reggiana, zieht mit seinen YouTube-Videos das Interesse europäischer Schwergewichte auf sich. Das als Wunderkind angepriesene Talent sieht sich bereit für den nächsten Schritt und unterschreibt in der Hoffnung auf eine große Karriere bei Milan - ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll.

Hachim Mastour Michael Essien Milan Bild: Getty Images

Nach zwei Jahren in der Nachwuchsabteilung beordert ihn der damalige Trainer Clarence Seedorf in den Kader der Profis, als 15-Jähriger sitzt Mastour am letzten Spieltag der Serie A gegen die US Sassuolo auf der Bank. Eingewechselt wird er zwar nicht, doch fortan sollte das Scheinwerferlicht noch greller auf ihn scheinen.

Um sich an das Niveau im Herrenbereich gewöhnen zu können, wird Mastour für eine Saison an den FC Malaga verliehen. Dort soll er sich in Ruhe entwickeln und regelmäßige Einsätze sammeln - so zumindest der Plan. Denn mehr als fünf Minuten gegen Betis Sevilla bleiben ihm verwehrt.

Bei seiner Leihe zum niederländischen Erstligisten PEC Zwolle soll es besser laufen. Zwar bekommt Mastour in der Rückrunde seine gewünschten Einsatzzeiten, aber nicht wie von Milan geplant bei den Profis, sondern der Reservemannschaft von Zwolle in der Beloften Eerste Divisie.

Gattuso droht Mastour, ihm die Zähne auszuschlagen

Nach dem Leihende möchte sich Mastour endlich bei den Profis von Milan durchsetzen. Doch statt die Chance, die sich ihm bietet, zu nutzen, wird er für die gesamte Saison suspendiert, kommt nur sporadisch bei der U19 des Vereins zum Einsatz.

"Ich habe ihm gedroht, weil er berühmter dadurch wurde, Videos zu drehen, als zu spielen. Er macht das inzwischen aber nicht mehr, weil ich ihm gesagt habe, dass ich ihm sonst die Zähne ausschlage", erklärte der damalige Milan-Trainer Gennaro Gattuso auf einer Pressekonferenz.

Für den Durchbruch bei Milan reicht der gesteigerte Einsatz im Training nicht, am Saisonende steht Mastour ohne Verein auf der Straße. Nach zwei Monaten unterschreibt er beim griechischen Erstligisten PAS Lamia, doch eine schwere Verletzung macht ihm nach nur sechs Spielen einen Strich durch die Rechnung.

Hachim Mastour FC Malaga Bild: Imago Images

Die Beschwerden seien von Lamia ignoriert worden, wie sein Vater betont. Mastour lässt sich (angeblich ohne das Wissen des Vereins) in Italien untersuchen, seine Beschwerden auf eigene Kosten behandeln - und dafür mit der Begründung, ohne Kommentar untergetaucht zu sein, bis zum Saisonende suspendiert.

Mastour über Milan-Wechsel: "Ich bereue nichts"

Im Oktober meldet sich sein aktueller Verein Reggina 1914 aus der Serie C bei ihm. Mastour klammert sich an den vielleicht letzten Rettungsanker, feiert in seiner ersten Saison gleich den Aufstieg in die Serie B, kommt selbst aber nur für acht Minuten zum Einsatz.

Das soll sich in seiner zweiten Saison in Kalabrien ändern. Der 22-Jährige hat die Hoffnung, seine Karriere nochmals in Rollen bringen zu können, nicht aufgegeben: "Die Voraussetzungen für eine großartige Saison sind gegeben. Ich erwarte, dass ich mit dem Verein eine führende Rolle spielen werde", so Mastour im August.

Inzwischen hat sich das einstige Wunderkind eingestanden, dass sein Wechsel zu Milan eine Nummer zu groß für ihn war: "Ich hatte eine tolle Zeit bei Milan, es war dort wie in einer Familie für mich. Aber mit etwas mehr Weitsicht hätte ich einen Klub wie Ajax Amsterdam wählen können, der an mir interessiert war."

Trotzdem bereut er nicht, den Schritt zu Milan damals gegangen zu sein: "Es hat mir dabei geholfen, das zu werden, was ich heute bin. All diese Erfahrungen haben mich etwas gelehrt. Zum Glück bin ich noch jung und kann meinen Wert unter Beweis stellen."

Schließen