Guido Burgstaller: Schalkes unsichtbarer Matchwinner

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Effizienz pur. Obwohl Guido Burgstaller gegen Mainz 05 kaum ins Spiel des FC Schalke 04 eingebunden war, entschied er die Partie fast im Alleingang.


HINTERGRUND

24 Ballaktionen, 14 Prozent Zweikampfquote, sechs erfolgreiche Pässe, zwölf Ballverluste und ein einziger Torschuss in 87 Minuten – sind das die Statistiken eines gefeierten Matchwinners? Ja! Beim 2:0-Sieg des FC Schalke 04 über Mainz 05 reichten Guido Burgstaller diese grauenvoll anmutenden Zahlen, um kurz vor Schluss mit Sprechchören und unter stehenden Ovationen als Held den Rasen zu verlassen.

Sieg gegen Mainz: Schalke bleibt oben dran

Der Grund dafür, dass die knapp 60.000 Zuschauer auch Minuten nach Schlusspfiff den Namen des Österreichers skandierten, waren seine starke Vorlage zum 1:0 und ein eigener Treffer zum 2:0. Denn obwohl Burgstaller nur zwei seiner 14 Zweikämpfe für sich entscheiden konnte, waren genau diese am Freitagabend ausschlaggebend.  

Den ersten entschied er in der 13. Minute für sich, als er sich gegen zwei Mainzer durchsetzte, um den Ball auf Leon Goretzka durchzustecken, der per Lupfer zur Führung vollendete. Auch sein zweiter gewonnener Zweikampf spiegelte sich auf der Anzeigetafel wider. Diesmal setzte er sich nach Eckball im Fünfmeterraum durch, um einen abgeblocken Ball von Torwart Rene Adler per Abstauber über die Linie zu drücken. "Das macht er natürlich super", lobte S04-Trainer Domenico Tedesco auf Goal-Nachfrage: "An so einen Ball, der liegen bleibt, muss man auch erst einmal rankommen."

Das Malocher-Gen

Unter dem Strich waren es aber nicht nur die zwei Torbeteiligungen, die die Anhänger dazu brachten, Burgstaller noch lange nach Schlusspfiff lautstark zu feiern. Viel wichtiger ist das Malocher-Gen, das der Mittelstürmer mitbringt. Denn vor allem wegen seiner leidenschaftlichen Art passt er zum Arbeiterverein aus Gelsenkirchen wie kaum ein Zweiter. "Guido ist einer, der für die Mannschaft arbeitet", schwärmt auch Sportvorstand-Christian Heidel: "Es geht für Stürmer nicht nur darum, Tore zu erzielen. Er ist der erste Verteidiger und weiß genau, wann er anlaufen muss. Genau deswegen ist er so wertvoll für uns."

Das zeigt auch ein weiterer Blick auf die Statistikzettel. Denn obwohl Burgstaller am Freitagabend fast gar nicht ins Kombinationsspiel der Schalker eingebunden war, war er sich für keinen Laufweg zu schade und schaffte es stets, die Mainzer Verteidiger unter Druck zu setzen. Starke 33 Sprints machte er während seiner 87 Minuten auf dem Rasen – nur Leon Goretzka (34) hatte mehr Tempoläufe auf dem Konto.

Dass dieser 28-jährige Arbeiter, der vor rund zehn Monaten aus der zweiten Liga als eine Art Notlösung nach Gelsenkirchen kam, heute ein gefeierter Held ist, damit hätte selbst Heidel nicht gerechnet, der ihn im Januar für rund 1,5 Millionen Euro aus Nürnberg verpflichtete: "Es weiß jeder, dass wir im letzten Jahr ein riesiges Problem im Sturm hatten. Trotzdem war es keine Verzweiflungsverpflichtung. Damals ging es darum, einen Spieler zu holen, der nicht erst noch die deutsche Kultur kennenlernen muss, sondern sofort weiterhelfen kann."

GFX Stats Guido Burgstaller

Beflügelt vom ersten Länderspieltor

Mit neun Toren in der Bundesliga und drei weiteren in der Europa League übertraf Burgstaller in der Vorsaison schließlich sogar die Erwartungen der größten Optimisten. Die Frage war nun, ob er diese Form auch in seiner zweiten Spielzeit in Gelsenkirchen bestätigen kann. Als er nach sieben Spieltagen zwischenzeitlich nur einen Treffer auf seinem Tor-Konto hatte, kam bereits leise Kritik am technisch limitierten Spiel des Österreichers auf.

In den letzten Wochen strafte Burgstaller seine Kritiker allerdings Lügen. Beflügelt von seinem ersten Länderspieltreffer war er sowohl beim 2:0-Auswärtssieg in Berlin als auch beim 2:0 gegen Mainz zur Stelle und verdreifachte seine Torausbeute kurzerhand. "Guido ist nicht der Typ, der sich über solche Dinge Gedanken macht", erklärt Heidel. "Wir hatten jedenfalls keinerlei Bedenken, dass er an seine starke Vorsaison anknüpfen kann. Es gibt doch keine Gründe, die dagegensprechen, dass er die Dinger weiter reinmacht. Das Tor ist schließlich noch genauso groß."

Speziell der dominante Kombinationsfußball, den Schalke in den vergangenen Wochen versucht, auf den Rasen zu bringen, ist für Stürmer wie Burgstaller bestens geeignet, wie der Sportvorstand findet: "Wir haben deutlich mehr Ballbesitz und kreieren mehr Strafraumszenen. Deshalb glaube ich, dass es wahrscheinlich ist, dass er mehr Tore schießt als in der letzten Saison."

Mit einer Effizienz, wie sie der 28-Jährige am Freitagabend an den Tag gelegt hat, steht diesem ambitionierten Ziel nichts im Wege. Darauf verlassen, dass Statistiken wie die aus dem Mainz-Spiel regelmäßig reichen, um quasi unsichtbar zum Matchwinner zu avancieren, sollte man sich bei den Knappen allerdings nicht. Doch solange Burgstaller weiter kämpft und ackert wie die Arbeiter in den Zechen, wird die Liebesbeziehung zwischen Burgstaller und dem Ruhrpottklub anhalten. 

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