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Gladbachs Neuzugang Reece Oxford: Rio Ferdinand 2.0?

12:00 MESZ 22.06.17
GFX Reece Oxford Rio Ferdinand
In England gilt Reece Oxford als Juwel. Durch die Leihe nach Gladbach soll er den nächsten Schritt machen und eines Tages in große Fußstapfen treten.

HINTERGRUND

Zum Auftakt der Premier-League-Saison 2015/16 kommt es in London zum Derby zwischen dem FC Arsenal und West Ham United. Fast alle der 60.006 Zuschauer im Emirates Stadium rechnen mit einem Heimsieg der favorisierten Gunners, doch das Star-Ensemble um Mesut Özil, Petr Cech und Aaron Ramsey legt einen klassischen Fehlstart hin. Die Partie geht mit 2:0 an die Gäste, bei denen mit Reece Oxford ein Talent von Slaven Bilic ins kalte Wasser geworfen wurde, das mit 16 Jahren und 236 Tagen gleichzeitig zum jüngsten Spieler der Hammers in der Premier League wurde.

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Doch nach einem kometenhaften Aufstieg im August 2015 ist die Karriere des Defensiv-Spezialisten in letzter Zeit ein wenig ins Stocken geraten. Nun steht eine Leihe in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach an, von der sich die Verantwortlichen in London einen neuen Entwicklungsschub für ihr englisches Juwel erhoffen. Die Fohlen haben bei Andreas Christensen zuletzt eindrucksvoll gezeigt, dass sie eine gute Adresse für Talente aus England sind. Doch ist dem 18-jährigen Oxford ein ähnlicher Werdegang zuzutrauen wie dem dänischen Innenverteidiger?

Nach seinem ersten Premier-League-Einsatz war der Teenager eine gefragte Person. Fußball-England wollte möglichst viel über seinen neuen Hoffnungsträger für die Zukunft wissen, der in früheren Jahren bei Tottenham Hotspur sogar aussortiert wurde. "Ich war eine Zeit lang bei den Spurs", sagte er im Anschluss an sein traumhaftes Debüt. "Doch sie wollten mich nicht mehr und ich bin zu West Ham gegangen, was damals für mich die beste Option darstellte."

Damals wie heute wird Oxford als künftiger Kapitän der Three Lions gehandelt und obwohl er erst sieben Einsätze in Englands Oberhaus auf dem Konto hat, sehen viele in ihm den legitimen Nachfolger von United-Legende Rio Ferdinand.

Doch diese Einsätze fanden allesamt in seiner Debüt-Saison statt. In der Hinrunde der abgelaufenen Spielzeit stand er auch aufgrund einer Knöchelverletzung lediglich achtmal im Kader bei den Profis, absolvierte einige Spiele in der U23 und wurde in der Winterpause schließlich zum FC Reading in die zweite Liga verliehen.

Der erwünschte Erfolg blieb für alle Beteiligten aber aus und Oxford, der neben der Innenverteidiger-Position auch auf der Sechs auflaufen kann, kam über fünf Einsätze im Reading-Trikot nicht hinaus. Dennoch hat man bei West Ham weiterhin großes Vertrauen in seine Stärken und sieht in ihm den Mann für die Zukunft. Deshalb sei laut Daily Mail trotz der jüngsten Entwicklungen ein Verkauf in diesem Sommer "kein Thema" gewesen.

Das hinderte die Verantwortlichen in Gladbach aber nicht daran, sich um Oxford zu bemühen. Der Engländer gilt von seinen Anlagen her als Prototyp des modernen Innenverteidigers. "Er ist schnell, stark am Ball und hat die nötige Statur für einen Innenverteidiger", beschreibt ihn Goals England-Experte Harry Sherlock. "Wenn er jedoch gegen große Stürmer spielt, muss er noch robuster werden. Aber er besitzt unheimliches Potenzial."

Erneute Win-Win-Situation?

Bei den Fohlen herrschte nach der gescheiterten Verpflichtung von Chelsea-Leihgabe Andreas Christensen, der seinen Marktwert in den letzten zwei Jahren von 1,5 auf 18 Millionen Euro steigern konnte, Bedarf auf den Positionen in der Defensiv-Zentrale. Es könnte also zu einer erneuten Win-Win-Situation kommen. Max Eberl und die Borussia bekommen für kleines Geld und wenig Risiko einen Spieler, der in der neuen Saison beim erneuten Angriff auf Europa mithelfen kann und soll. Im Gegenzug könnte West Ham, falls Oxfords Leihe nach Deutschland besser verläuft als die nach Reading, einen Spieler zurückbekommen, der in der übernächsten Spielzeit im London Stadium eine tragende Rolle spielen kann.

Doch zunächst freut sich der junge Mann mit jamaikanischen Wurzeln auf seine Aufgabe in Gladbach. "Borussia hat viele junge Spieler im Team und schenkt diesen großes Vertrauen", sagte er bei seiner Vorstellung im Borussia-Park. "Ich denke daher, dass es hier der nächste wichtige Schritt in meiner Karriere ist. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung und werde versuchen, der Mannschaft so gut es geht zu helfen."

Auch Sportdirektor Max Eberl zeigte sich nach dem Deal äußerst zufrieden. "Reece Oxford hat in England alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und ist eines der größten Verteidigertalente auf der Insel“, so Eberl. "Für uns ist diese Ausleihe die Möglichkeit, unserem Kader einen hochinteressanten Spieler hinzuzufügen – zumal wir mit der Verpflichtung von Nachwuchsspielern aus der Premier League zuletzt sehr gute Erfahrungen gemacht haben."

Neben Hammers- und Fohlen-Verantwortlichen hoffen auch Fans und Medien in England darauf, dass dieses Leihgeschäft ähnliche Früchte trägt wie das von Christensen und dass Oxford als gestandener Profi auf die Insel zurückkehrt. Dort werden in knapp einem Jahr jedenfalls große Hoffnungen auf ihn warten. Und vielleicht schlägt er dann ja einen ähnlich erfolgreichen Weg ein wie ein anderer Weltstar aus der West-Ham-Akademie: Rio Ferdinand.