Domenico Tedesco Schalke 04Getty Images

Schalke-Trainer Domenico Tedesco im Interview: "Wir schauen nicht auf die Tabelle"


MIXED-ZONE-INTERVIEW

Domenico Tedesco war enttäuscht, aber nicht gänzlich unglücklich nach der 1:2-Niederlage des FC Schalke 04 im Bundesliga -Auswärtsspiel beim FC Bayern München . Dafür hatte seine Mannschaft am Samstagabend zu viele positive Dinge gezeigt. 

Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Welche Dinge das waren, wie er die Fehler von Keeper Ralf Fährmann bewertet und welche Bedeutung Körpersprache hat, erklärte der 32-Jährige den anwesenden Reportern in der Interviewzone der Allianz Arena.

Herr Tedesco, Ihre Mannschaft hat stark gespielt, nimmt aber nichts mit. Wie bitter ist das?

Domenico Tedesco: Wir sind natürlich enttäuscht. Wenn die Bayern etwas schlechter gespielt hätten, dann hätten wir einen oder sogar drei Punkte mehr, die heute sicherlich drin gewesen wären.

Was sind die Ursachen für die Niederlage? Ralf Fährmann sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus.

Tedesco: In der ersten Szene war der Schuss von Thomas Müller nicht so schlecht und ziemlich hart. Da hat Ralle versucht, ihn zur Seite oder übers Tor zu lenken, aber so blieb er in der Box liegen und Lewandowski schaltete schnell. Beim zweiten Gegentor war Müller relativ weit außen, sodass Ralle wahrscheinlich dachte, dass Thomas ihn reinflanken will und ich glaube auch, dass er ihn reinflanken wollte. Da offenbart Ralle ein bisschen den ersten Pfosten, und da geht er durch. Ich glaube, da passt nur ein Fußball zwischen, ein Volleyball oder ein Tennisball, aber zum Beispiel kein Basketball. Das war ein bisschen unglücklich.

Analyse: Bayern auch ohne Heynckes nicht zu stoppen

Gegen Bremen hat Fährmann bereits gepatzt, nun erneut gegen die Bayern. Müssen Sie ihn jetzt aufbauen?

Tedesco: Nein, überhaupt nicht. Ralle ist zu Recht unser Captain, er strahlt etwas aus. Die Gegentore ärgern ihn am meisten, nach dem Spiel gegen Bremen hat er sich nochmal entschuldigt, wobei er das nicht braucht. Alles gut, das ist jetzt eine Phase, die wir gemeinsam überwinden werden.

Was können Sie aus dem Spiel im Hinblick auf die Duelle mit Hoffenheim und Leverkusen mitnehmen?

Tedesco: Dass wir genau so spielen. Dass wir mutig spielen und vertikal denken. Wir hatten heute unheimlich viel Körperlichkeit in unserem Spiel. Das war uns in den vorherigen Partien etwas abhanden gekommen. Man kann natürlich die Spieleröffnung probieren und immer wieder von hinten rausspielen, aber die Gegner haben sich schon ein bisschen darauf eingestellt. Deswegen mussten und müssen wir permanent neue Ideen kreieren. Eine Idee ist, dass wir ein paar Elemente des zweiten Balles drin haben. Es ist keine Schande, auch mal einen Ball unter Druck in Richtung Spitze zu chippen. Das ist dann ja kein blindes Langholz, sondern ein gekonnter Chipball. Das haben die Jungs heute super gemacht, auch Ralle. Wenn wir nach einem gewonnenen zweiten Ball die richtige Entscheidung treffen und direkt tief spielen, vereinfacht das vielleicht unseren Fußball, aber in einer Art und Weise, in der wir uns wohl fühlen und freier sind. Das hat man heute auch gesehen. Wir hatten gute Ballzirkulationen und gute Verlagerungen drin. Aber wir müssen natürlich die Tore machen. Das nehmen wir uns Tag für Tag vor.

Sie haben mit Franco Di Santo, Breel Embolo und Guido Burgstaller überraschend drei Stürmer von Beginn an gebracht. Könnte dieses Modell in Zukunft öfter zum Einsatz kommen?

Tedesco: Wir haben das gegen Frankfurt ja auch schon in der Phase gemacht, als wir gemerkt haben, dass der Platz immer schlechter wurde. Deswegen haben wir gesagt: Bevor wir da unnötige Ballverluste in Kauf nehmen, pflanzen wir die Dinger lieber vorne rein. Dafür braucht man Körperlichkeit, deswegen waren es diese drei Spieler. Sie machen das super, so kommt Breel mehr zur Geltung und auch für Franco und Burgi sind das gute Elemente. Das werden wir sicherlich passend zum Gegner und zur Situation öfter machen.

Wie hat Ihnen Embolo heute gefallen?

Tedesco: Gut. Er hatte eine anspruchsvolle Aufgabe im Defensivbereich mit zwei Sechsern. Wir wussten, dass die Bayern immer wieder in der roten Zone schwimmen, dass sie sich zwischen den Linien bewegen und dort immer wieder reinkommen. Deswegen war es nicht einfach. Wir wollten es auf der Ballseite eher mannorientiert und auf der ballfernen Seite raumorientiert gestalten. Das haben die Jungs sehr, sehr gut gemacht.

Sie leben an der Seitenlinie Körpersprache vor und fordern selbige immer wieder von Ihren Spielern ein.

Tedesco: Es ist ein wichtiges Attribut, immer wieder etwas auszustrahlen. Das tun wir. Wir haben eine natürliche, positive Körpersprache in vielen Mannschaftsteilen, wenn man sich Ralle, Naldo, Leon, Franco oder auch Burgi anschaut. Die haben heute permanent geackert, immer mit dem Kopf oben. Das ist wichtig. Wir machen es gut, trainieren gut und intensiv.

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Körpersprache und den Spielen, die Ihre Mannschaft in dieser Saison in letzter Minute noch gedreht oder ausgeglichen hat?

Tedesco: Es ist wichtig, dass man an sich und seine Fähigkeiten glaubt. So war es auch heute. Am Ende hatten wir durch Breel noch eine Möglichkeit, auch Amine Harit ist noch an der Strafraumgrenze zu Fall gekommen oder Burgi in der Situation, in der er (für eine Schwalbe, Anm. d. Red.)  die Gelbe Karte sieht. Das waren alles knappe Situationen, die du nur kreierst, wenn du daran glaubst.

Ihre Mannschaft hat nur eines der letzten fünf Bundesligaspiele gewonnen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Tedesco: Nein. Es ist schade, ich bin jetzt nicht glücklich darüber, aber Sorgen macht es mir keine, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Ergebnisse nur eine Frage der Zeit sind, wenn man gut arbeitet und gut spielt. Ergebnisse kann man nicht immer stark beeinflussen, aber die tägliche Arbeit und die Art und Weise, wie die Mannschaft ins Spiel kommt, wie sie spielt und versucht, Torchancen zu erarbeiten sehr wohl. Deswegen schauen wir nicht auf die Tabelle.

Werbung

HAT IHNEN DIESE STORY GEFALLEN?

Fügen Sie GOAL.com als bevorzugte Quelle bei Google hinzu, um mehr von uns zu lesen

GOAL bei Google bevorzugen