Trainer Vincent Kompany findet erstaunlicherweise Gefallen an der Torhüter-"Diskussion" beim FC Bayern München rund um Jonas Urbig und Manuel Neuer.
Nach Neuers haarsträubendem und zugleich historischem Patzer gegen den FC Augsburg war die Debatte neu entfacht, ob der Routinier seinen Zenit womöglich überschritten habe und Urbig früher als geplant eine noch größere Rolle spielen sollte. Gleichzeitig werden aus der Expertenlandschaft immer wieder Zweifel geäußert, ob die Nummer eins in spe schon bereit für die großen Fußstapfen sei. In diese Kerbe schlugen unlängst auch die Ex-Torhüter Jens Lehmann und Oliver Kahn in der Sky-Sendung "Triple - der Hagedorn-Fussballtalk".
Auf deren Aussagen angesprochen, kam Kompany auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig am Samstag zu einem überraschenden Resümee, wenngleich er die Zweifel an Urbig nicht kommentieren wollte. "Ich kann nicht jede Talkshow bewerten. (…) Wir haben immer einen Plan und versuchen diesen durchzuziehen. Dass Jonas in dieser Diskussion ist, ist schön für uns. Wir haben diese Situation selbst entwickelt", sagte der Belgier und betonte: "Das haben wir schon gesagt, als er im Januar vor zwei Jahren aus Köln gekommen ist."
Jonas Urbig: Wechsel zum FC Bayern sorgte für fragende Gesichter
Urbig hatte mit seinem Wechsel Anfang 2025 für kolportierte sieben Millionen Euro vom FC nach München durchaus für fragende Gesichter gesorgt. Der Tenor: Warum setzt sich ein junger, talentierter Torhüter bei den Bayern auf die Bank, obwohl ein Ende von Neuers Ära noch nicht in Sicht ist? Zumal der damals 21-Jährige selbst in der Domstadt keinen Stammplatz hatte.
"Da hat keiner geglaubt, dass es möglich wäre, weil er in Köln nicht gespielt hat und zweiter Torwart war", erklärte Kompany dahingehend. Doch die Bayern hätten stets an Urbigs Entwicklung geglaubt, betonte der FCB-Coach: "Dann haben wir die Situation schrittweise entstehen lassen. Wir wussten schon ein Jahr vorher, dass diese Diskussion kommen wird. Das ist auch gut." Aussagen, die als Lob für Urbig zu verstehen sind. Die Bayern, bekräftigte Kompany, hätten eine "gute Konstellation", die sich "viele wünschen würden".
Das sei auch ein Verdienst Neuers, stellte Kompany klar: "Manuel ist ein Riesen-Teil von dieser Geschichte. Ohne Manu geht das nicht - ohne seine Präsenz, Führung und Leistungen in dieser Zeit." Die beiden Torhüter aus zwei verschiedenen Generationen wechseln sich auch in dieser Spielzeit ab. Der 40-Jährige ist und bleibt jedoch die unangefochtene Nummer eins, während Urbig regelmäßig zum Einsatz kommt.
In der noch jungen Spielzeit hütete Urbig dreimal den Münchner Kasten, so auch zuletzt in Neuers Abwesenheit beim enttäuschenden 3:3 gegen Viking Stavanger in der Champions League. Am Samstag wartet womöglich der nächste Einsatz, da Neuer weiterhin an seiner Fußverletzung laboriert und am Donnerstag noch nicht wieder auf dem Trainingsplatz stand. "Ich möchte nicht die Rolle eines Arztes übernehmen", sagte Kompany: "Es ist am Fuß, nicht am Oberschenkel oder an der Schulter. Es wird nicht so lange dauern. Ob es morgen oder nächste Woche ist, schauen wir mal. Er soll erst mal ein besseres Gefühl bekommen und trainieren, wenn er kann, dann ist diese Phase auch wieder vorbei."
Getty ImagesManuel Neuer: Karriereende im Sommer?
Neuer hatte in den vergangenen Wochen und Monaten indes mehrfach angedeutet, seine Karriere im kommenden Sommer beenden zu wollen. Geht es nach Kahn, hätte er die aktuelle Diskussion um ihn vermeiden können.
"Ich kann jetzt niemandem etwas empfehlen, das kann der Mensch nur selbst entscheiden. Dinge wie: Wann höre ich auf, wann trete ich zurück? Du ersparst dir bestimmte Situationen. Noch einmal bei der WM mitzumachen, die vorsichtig ausgedrückt kein großer Erfolg war", sagte Bayerns einstiger Weltklasse-Torhüter in besagter Talkshow und deutete an, dass Neuer womöglich schon im vergangenen Sommer einen Schlussstrich hätte ziehen sollen. "Wenn man 36, 37, 38 wird - ich hab das selbst erlebt - braucht der Körper länger zur Regeneration. Es passiert hier und da mal ein Fehler. Das Mentale, dieses ständige auf 100 Prozent laufen. Irgendwann kriegst du es nicht mehr hin, auch wenn du es willst. Dann kommst du in die Diskussion. Und diese Diskussion, die nun eben entstanden ist in der aktuellen Situation, die kann man sich ja sparen."
Kann sprach außerdem eine Art Warnung an Neuer aus, dass dieser den Absprung verpasst haben könnte: "Man muss irgendwann für sich selber entscheiden: Was ist mir jetzt wichtiger. Meiner Leidenschaft so lange wie möglich weiterzugehen, wofür ich auch Verständnis habe. Oder aber, dass ich schon in dem Punkt abtrete, wo die Menschen sagen, der könnte doch noch zwei, drei Jahre machen. Und irgendwann - und das sehe ich jetzt eben langsam kommen - ist es nicht mehr seine eigene Entscheidung, sondern die Entscheidung anderer. Und das brauchst du doch in so einer großen Karriere nicht."



