HINTERGRUND
Aus den Büroräumen des Wolkenkratzers Torre Europa eröffnet sich durch die bodentiefen Fenster hinweg ein traumhafter Blick auf das nahe gelegene Estadio Santiago Bernabeu. Xabi Alonso kennt diese herrliche Aussicht aus erster Hand, fünf Jahre spielte der Mittelfeldmaestro des FC Bayern München für Real Madrid.
FC Bayern: Dreifach neue Hoffnung
Immer mal wieder suchte der Spanier diesen Platz während seiner Zeit in der spanischen Hauptstadt auf, er ließ sich tief in den schwarzen Ledersessel zurückfallen und genoss das Panorama ganz allein mit sich und seinen Gedanken.
Lässig saß er dann da mit seinen weißen Sneakern, seiner dunkler Chinohose und seinem sorgfältig gebülten Businesshemd. Alonso ist ein besonnener Mensch, abgeklärt, ausgeglichen, nachdenklich und irgendwie stets in sich ruhend. Das gilt für seine Persönlichkeit, aber genauso für seine Fähigkeiten als Fußballer.
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Alonso ist jemand, der das Spiel ordnet und dirigiert, jemand der Anweisungen gibt und das Tempo diktiert. Dazu gehört es auch, das Spiel zu beruhigen. Eine Gabe, die dem inzwischen 35-Jährigen im fortschreitenden Alter nicht selten als Schwäche ausgelegt wurde, häufig zu Unrecht.
Selten gesehene Reaktion im Hinspiel
Alonso ist gleichzeitig niemand, der seine Emotionen ständig mit anderen teilen muss. Er wirkt immer gefasst, selbst in Augenblicken des Misserfolgs. Zumindest fast immer.
Am vergangenen Mittwoch aber konnte und wollte Alonso seine Gefühle nicht verbergen. Als er während des Viertelfinalhinspiels gegen Real Madrid nach 63 Minuten von Carlo Ancelotti ausgewechselt wurde, fuhr er für seine Verhältnisse gehörig aus der Haut. Das sieht dann freilich lange noch nicht derart trotzig aus wie bei Arjen Robben. Wer Alonso aber kennt, dem war sofort klar, wie aufgebracht er in diesem Moment war. Alonso fluchte vor sich hin, er schlug mit der Hand auf den Rasen, war schlicht unzufrieden.
Er, der ein Spiel lesen kann, schien nach der Gelb-Roten Karte gegen Javi Martinez schon genau gewusst zu haben, in welche Richtung sich die Partie entwickeln würde. Dass der FC Bayern sich am Ende 1:2 geschlagen geben musste, und damit noch sehr gut bedient war.
Alonso: "Kein Platz für Sentimentalitäten"
Für Alonso sind die Duelle mit den Königlichen in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Nicht nur aufgrund seiner Vergangenheit, sondern primär deshalb, weil er seine Karriere als Aktiver im Sommer beenden wird. Weil es in dieser Saison seine letzte Chance ist, nach den Erfolgen mit dem FC Liverpool im Jahr 2005 und mit Real 2014, ein letztes Mal den prestigeträchtigen Henkelpott in die Höhe zu strecken.
"Am Dienstag", sagte Alonso auf der Abschlusspresskonferenz, "gibt es keinen Platz für Sentimentalitäten. Wir sind bereit, uns in bester Verfassung zu präsentieren." Er weiß: Es geht einzig um die Mannschaftsleistung, nicht um persönliche Befindlichkeiten. "Wir müssen es besser machen als in München und ein großes Spiel machen", führte er aus.
Dabei wird es auch auf ihn angekommen. Er muss Defensive und Offensive miteinander verknüpfen und für jene Stabilität sorgen, die in der zweiten Halbzeit des Hinspiels insbesondere nach seiner Auswechslung so sehr gefehlt hat. Dafür braucht es seine Ruhe und seine Erfahrung. Er muss das Spiel der Münchner allerdings gleichzeitig ankurbeln, nach vorne richten, Risiko gehen. Ein schwieriger Spagat. "Wir wissen, wie wir Real stoppen können", kündigte er an: "Wir müssen gewinnen und mindestens zwei Tore schießen." Dann, nur dann, lebt sein letzter großer Traum weiter.
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