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Arjen Robben vom FC Bayern: In seinem Stolz verletzt

07:55 MEZ 21.02.18
GER ONLY | Arjen Robben FC Bayern
Robben saß gegen Besiktas zunächst auf der Bank und zeigte sich nach der Partie enttäuscht. "Die Situation wird heikel bleiben", sagt Müller.

HINTERGRUND

Arjen Robben machte hinterher gleich dreimal Halt. Erst beim Fernsehen, dann im vorderen und später im hinteren Bereich der langgezogenen Interviewzone der Fröttmaninger Arena. Der FC Bayern hatte das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Besiktas zuvor mit 5:0 (1:0) gewonnen. Und dieser Arjen Robben hatte durchaus seinen Teil dazu beigetragen.

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Zufrieden war dieser Arjen Robben trotzdem nicht, das war ihm deutlich anzumerken. Es war die spielerische Leistung, die ihn ärgerte, vor allem war es aber die Tatsache, die aus seiner Sicht in direktem Zusammenhang mit der spielerischen Leistung stand: Dass er selbst zunächst auf der Bank hatte Platz nehmen müssen. 

Es war spekuliert worden, Robben sei erkältet gewesen und habe deshalb nicht in der Startformation gestanden. "Ich bin nicht erkältet", entgegnete Robben und es lag eine gehörige Portion Trotz in seiner Stimme, vielleicht war es sogar Empörung. Aber warum hat er nicht von Beginn an gespielt, wenn er körperlich doch fit war? "Das weiß ich auch nicht", sagte Robben. Ob er denn überrascht gewesen sei, wurde er noch gefragt. "Ich war sehr überrascht", entgegnete Robben. 

"Das ist schon eine schmerzhafte Geschichte"

Dass es Härtefälle geben würde, war ja bereits vor der Partie klar. Trainer Jupp Heynckes standen schließlich all seine Feldspieler zur Verfügung. 

Genau deshalb hatte Mats Hummels schon einen Tag vor dem Spiel an die Einstellung der Betroffenen appelliert. "Es ist unser Job, damit vernünftig umzugehen. Wir können nur elf Spieler aufstellen, haben aber mindestens 18, die du locker bringen kannst. Jeder Einzelne muss seiner Verpflichtung der Mannschaft gegenüber nachkommen und darf nicht demjenigen, der für ihn spielt, ein schlechtes Gefühl geben", hatte der Weltmeister am Freitag auf der Pressekonferenz gesagt. Bei Arjen Robben scheint diese Botschaft nur teilweise angekommen zu sein.

"Jedes Wort ist eines zu viel. Dazu sage ich gar nichts", meinte er an anderer Stelle zu seinem Bankplatz. Es waren nahezu dieselben Worte, die er in Paris gewählt hatte, als ihn Carlo Ancelotti bei der herben 0:3-Pleite im September vergangenen Jahres ebenfalls draußen gelassen hatte.  

Ein bisschen was sagte Robben dann aber doch noch am Dienstagabend. "Wenn ich meine Emotionen jetzt rauslasse, dann bin ich morgen bei Brazzo oder bei Herrn Rummenigge und dann weiß ich nicht, was es dann gibt. Ich bin 34, ich genieße den Fußball und mache alles dafür. Solche Spiele wollen alle spielen und ich auch. Das sind die großen Spiele, dafür bist du da. Wenn du dann nicht spielst, dann ist das schon eine schmerzhafte Geschichte."

Robben über Anfangsphase gegen Besiktas: "Aggressivität und Schärfe haben gefehlt"

Robben war sichtlich enttäuscht, er war in seinem Stolz verletzt. Er wusste ja ganz genau, was das bedeutete: Dass er, der nach eigener Auffassung mindestens erstbeste Offensivspieler des FC Bayern, nach Auffassung von Jupp Heynckes aktuell nicht zur ersten Elf gehört. 

Deshalb erklärte Robben auch noch, warum er sehr wohl dazugehören sollte. "Mit Elf gegen Elf haben wir nicht gut gespielt. Wir waren nicht gut im Spiel", sagte er. Ein bisschen leichtsinnig habe das von draußen ausgesehen, auch Heynckes sei in der Halbzeit nicht zufrieden gewesen und habe das deutlich angesprochen, berichtete Robben.

"Es hat ein bisschen die Aggressivität und die Schärfe gefehlt, um nach vorne zu spielen und Tore zu machen. Es waren leichtsinnige Fehler drin. In der zweiten Halbzeit war es dann viel besser. Da hat man gesehen, wie wir Fußball spielen können. Und da haben wir die Tore auch gemacht", sagte Robben. Er selbst war nach 44 Minuten für den an der Wade verletzten James Rodriguez eingewechselt worden. Robben: "Ich habe einfach versucht, gut reinzukommen, mein Spiel zu machen, und der Mannschaft zu helfen. Ich glaube, das hat gut geklappt. Es war insgesamt eine gute zweite Halbzeit von der ganzen Mannschaft."

Bayern-Coach Heynckes mit Fingerspitzengefühl

Heynckes wird das ähnlich sehen, Robbens Analyse war schließlich korrekt. Und trotzdem dürfte es ihm nicht unbedingt gefallen haben, was Robben da zu Protokoll gab. Der erfahrene Coach bewies nach der Partie aber einmal mehr Fingerspitzengefühl. "Arjen ist ein Top-Profi. Dass er von Anfang spielen will, ist doch ganz klar. Das ist eine Momentaufnahme und überhaupt kein Problem", sagte Heynckes. Er stellte allerdings auch klar: "Jeder muss das akzeptieren." 

Überhaupt hat ja wieder einmal alles funktioniert. Durch die Tore von Müller (43./66.), Kingsley Coman (52.) und Robert Lewandowski (78./88.) ist der Viertelfinaleinzug fast schon perfekt. Auch dank des umtriebigen Robben, der nach seiner Einwechslung auf der rechten Außenbahn für viel Wirbel gesorgt hatte. 

"Ein belebendes Element für die Mannschaft" sei der Niederländer gewesen, lobte Heynckes. Auch Müller streichelte die Seele seines Teamkollegen. Der FC Bayern brauche diesen "Push von der Bank", sagte er, und dank Robben habe er auch "mehr in die Tiefe gehen" können. Außerdem könne man ja "auch Tore erzielen oder wichtig sein, wenn man reinkommt".

"Nicht so einfach, damit umzugehen"

Robben aber ist das nicht genug, dafür ist er zu ehrgeizig. Ob er nun in Vertretung des verletzten Manuel Neuer als Kapitän und Moderator fungieren müsse, wurde Müller gefragt. "Man kann nicht viel machen, weil es bei jedem Spiel wieder so sein wird. Der Trainer kann auch verstehen, dass jeder, dem er sagen muss, dass er nicht spielt, enttäuscht ist", sagte er. 

Es sei schließlich "unmöglich, jeden zufriedenzustellen. Deswegen wird es nach jedem Spiel, das von außen als ganz wichtiges Spiel deklariert wird, Spieler geben, denen Ihr Fragen stellen könnt. Das ist jedes Jahr das gleiche und jetzt ist die Situation wirklich extrem, da alle Feldspieler fit sind. Das ist für den Trainer nicht einfach und auch für die ganze Mannschaft ist es nicht so einfach, damit umzugehen."

Tatsächlich ist es eine heikle Situation mit Problempotenzial. Gerade für Robben und auch Franck Ribery, gegen Besiktas zunächst ebenfalls auf der Bank. Man müsse es letztlich schlicht akzeptieren und in positive Energie ummünzen, forderte Müller: "Jeder Spieler denkt von sich selbst, dass er die beste Wahl wäre. Sonst wäre er nicht hier. Sonst bräuchte er in der Früh nicht aufstehen und zum Training kommen."

Müller weiß aber auch: "Die Situation wird immer heikel bleiben, wenn alle fit sind. Deswegen brauchen wir einen absolut guten Zusammenhalt." Einen Zusammenhalt, den Robben trotz aller Enttäuschung vorgelebt hat. Er scherzte und lachte auf der Bank, er klatschte und motivierte auf dem Spielfeld, sogar in der Interviewzone grinste er kurz, nachdem er über seine Jokerrolle sprechen musste. Die Frage ist nur, wie lange er das durchhält.