FC Bayern München: "Da weitermachen, wo wir im Dezember aufgehört haben"

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Der FC Bayern will bei Bayer Leverkusen eine Negativserie beenden. Trotz prominenter Ausfälle könnte Heynckes mit seiner Aufstellung überraschen.


HINTERGRUND

Es herrschte eine mitunter gespenstische Atmosphäre am Dienstagabend. Nur etwa 4000 Zuschauer hatten ihren Weg in die Fröttmaninger Arena gefunden, als der FC Bayern München am späten Nachmittag zum kurzfristig einberaumten Testspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach antrat. Selten war es dermaßen still im roten Schlauchboot, nie zuvor hörte man die Kommandos und Korrekturrufe der Spieler so deutlich auf der Pressetribüne. Und es gab viele Kommandos und noch mehr Korrekturrufe am Dienstagabend. Die Münchner besiegten den Drittligisten zwar mit 5:3, mit ihrem Auftritt konnten sie aber nicht zufrieden sein.

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"Da muss man ehrlich sagen: Das war nichts", resümierte Jerome Boateng hinterher. "In der ersten Halbzeit haben wir sehr schlecht gespielt. Wir haben in der Vorwärtsbewegung fast jeden Ball verloren. Wir waren zu unbekümmert und nicht konzentriert genug. Und in der zweiten Halbzeit haben wir auch wieder Tore bekommen."

Man müsse ja ehrlich sagen, wie es ist, meinte Boateng. "Wir sind der FC Bayern, und da muss man einen anderen Anspruch haben - gerade wenn man weiß, was für ein Potenzial in der Mannschaft steckt." In den Tagen zuvor hatte diese talentierte Mannschaft im Trainingslager in Katar an der eigenen Form und Fitness gearbeitet, durchweg positiv fiel das Fazit der Verantwortlichen und Spieler danach aus. Vielleicht zu positiv, befürchtete manch einer an der Säbener Straße. Auch deshalb hatte man sich recht spontan für einen letzten Test entschieden. Die drei Gegentore sollen nun als Weckruf dienen, als Warnung, den Rückrundenauftakt in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen am Freitagabend (20.30 Uhr im LIVETICKER) bloß nicht zu lasch anzugehen.

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Trainer Jupp Heynckes wollte der Partie gegen Großaspach zwar keine große Bedeutung beimessen. "Der Test vom Dienstag hat für mich überhaupt keine Wertigkeit. Wenn man so intensiv trainiert hat, Sonntagabend erst in München angekommen ist, Montag frei hatte und Dienstagmorgen schon wieder trainiert hat, ist klar, dass die Mannschaft nicht mit der hundertprozentigen Einstellung ins Spiel geht. Da war einfach noch Müdigkeit vorhanden", sagte der 72-Jährige auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Er weiß gleichzeitig aber auch ganz genau um die Schwere der kommenden Aufgabe.

"Morgen beginnt der Wettbewerb in Leverkusen gegen eine Mannschaft, die seit zwölf Spielen unbesiegt ist. Das ist ein junges, hochtalentiertes, hungriges Team mit schnellen Spielern und viel Phantasie. Es wird ein prickelndes, ein schwieriges Auftaktspiel, aber dem müssen wir uns stellen", sagte Heynckes. Dann präsentierte er sein statistisches Fachwissen.

"Der FC Bayern hat seit fünf Jahren in Leverkusen nicht mehr gewonnen", erklärte Heynckes und ergänzte lachend: "Wer war denn Trainer beim letzten Sieg?" Klar, es war Heynckes, der die Werkself zuletzt, im März 2013 war das, in der BayArena bezwingen konnte. Nach vier sieglosen Spielen der Münchner im Rheinland will der Trainer-Routinier dieses Kunststück am Freitag wiederholen. "Ich hoffe, dass wir da weitermachen können, wo wir im Dezember aufgehört haben", sagte Heynckes und versicherte, dass seine Mannschaft mit einer ganz anderen Einstellung ins Spiel gehen werde, als es im jüngsten Testkick der Fall war.

Personelle Fragezeichen trotz Ausfällen

In Leverkusen muss Heynckes auf mehrere Leistungsträger verzichten. Neben den Langzeitverletzten Manuel Neuer und Thiago Alcantara werden auch Mats Hummels und Robert Lewandowski in München bleiben. "Alles andere wäre fahrlässig. Ich bin froh, dass beide schon wieder Teile des Mannschaftstrainings mitgemacht haben, sie werden ihr Pensum höchstwahrscheinlich ab Montag erhöhen", sagte Heynckes. Zudem ist noch unklar, ob Joshua Kimmich schon wieder bereit für die Startelf ist.

Genauso unklar ist, ob Sandro Wagner seine vorgesehene Rolle schon bei der ersten Gelegenheit einnehmen wird. Der Neuzugang sei zwei die erste Option, eine Startelfgarantie wollte Heynckes dem Nationalstürmer aber nicht geben. "Ich denke, dass jeder neue Spieler Zeit braucht und die ganzen Abläufe kennenlernen muss. Sandro Wagner hat sich sehr gut eingegliedert, er hat sehr diszipliniert und sehr gut trainiert. Ich muss mir nochmal durch den Kopf gehen lassen, wie wir spielen wollen, und dann entscheide ich. Ein Integrationsprozess ist nicht in zwei Wochen abgeschlossen. Da gehört mehr dazu. Aber ich bin sehr zufrieden", sagte der Coach und in seiner Antwort steckte auch seine Unentschlossenheit in Form von Argumenten, in Form von Für und Wider.

Optionen hat Heynckes schließlich immer noch genügend, da wären James Rodriguez und Thomas Müller, die gerne einen Platz in der zentralen Offensive einnehmen würden, und da wären Arjen Robben, Franck Ribery und Kingsley Coman, die sich auf den Flügeln sehen. Inklusive Wagner sind das trotz des Lewandowski-Ausfalls sechs Spieler für vier Positionen. Zumindest ein kleiner Fingerzeig in Richtung Zukunft wird also in Heynckes' Aufstellung stecken; dabei geht es primär um Müller und James sowie um Ribery und Coman.

Priorität hat für Heynckes zunächst jedoch die richtige Einstellung, er will seine Akteure pünktlich zum Rückrundenauftakt in Wettkampfstimmung bringen. Zwar habe seine Mannschaft in der Bundesliga einen "komfortablen Vorsprung" von elf Punkten vor dem ersten Verfolger Schalke, trotzdem dürfe man sich "nie zurücklehnen. Man muss immer neue Impulse und Reize setzen, um die Mannschaft nicht nur zu führen, sondern auch wachzuhalten." Dafür wiederum werden am Freitagabend auch die 29.412 Zuschauer in der ausverkauften BayArena sorgen. Die Kommandos und Korrekturrufe dürften die Spieler dann wieder exklusiv haben.

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