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FC Bayern gegen Real Madrid: Ein Hauch von Deja-vu


HINTERGRUND

In der Schlussphase hielt es diejenigen, die eigentlich auf dem Rasen hätten stehen sollen, nicht mehr auf den Sitzen. David Alaba, Kingsley Coman und Arturo Vidal schlugen in Block 106 der Fröttmaninger Arena wieder und wieder die Hände über dem Kopf zusammen. Sie diskutierten, sie litten und wirkten mitunter fassungslos.

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Gezwungenermaßen tatenlos musste das Trio mit ansehen, wie der FC Bayern München am Mittwochabend gegen Real Madrid viele kleinere und noch mehr größere Chancen ungenutzt ließ und das Halbfinalhinspiel der Champions League schließlich mit 1:2 (1:1) verlor. Es war exakt dasselbe Ergebnis wie in der vergangenen Saison eine Runde zuvor gegen die Königlichen.

Damals, am 12. April des vergangenen Jahres, standen Alaba und Vidal in der Startelf, Coman wurde in der Schlussphase eingewechselt. Damals machten den Bayern allerdings die Ausfälle von Mats Hummels sowie Robert Lewandowski zu schaffen. Die Personalsituation war ein zentrales Thema vor, während und nach der Partie.

Real Madrid: Wer Spitze sein will, muss einen Stachel haben

Diesmal dagegen schien alles besser zu sein. Nach dem Viertelfinalrückspiel gegen den FC Sevilla wurde Thomas Müller noch darauf angesprochen, dass nun ja endlich mal fast alle wichtigen Spieler in der entscheidenden Saisonphase fit seien. "Fußball", entgegnete der Weltmeister seinerzeit, "ist immer relativ kurzfristig. Wir haben jetzt noch drei Spiele, bevor es zum nächsten Champions-League-Spiel kommt. Da kann viel passieren. Deswegen muss man auch das nötige Glück haben." Es scheint rückblickend beinahe, als hätte Müller eine böse Vorahnung gehabt. Denn genau jenes Glück hat den Bayern am Mittwochabend in vielerlei Hinsicht gefehlt. 

Bayern 60 Minuten ohne sechs Leistungsträger

Weil neben den langzeitverletzten Manuel Neuer und Coman auch noch Vidal und Alaba ausfielen, waren es dann doch vier potenzielle Stammspieler, die Trainer Jupp Heynckes nicht zur Verfügung standen. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. 

Die Partie war erst eine halbe Stunde alt, da eilte Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bereits zum dritten Mal in beachtlichem Tempo auf den Rasen. Nach fünf Minuten hatte er Arjen Robben nicht helfen können, der Niederländer musste früh runter, nach neun Minuten wurde Lewandowski erfolgreich behandelt, nach 30 Minuten war klar, dass das Spiel auch für Jerome Boateng beendet ist. Und so fehlten den Bayern plötzlich sogar sechs potenzielle Stammspieler im Duell mit jener Mannschaft, die vergangene Saison das Kunststück vollbracht hatte, als erstes Team überhaupt den Titel in der Champions League zu verteidigen.

Arjen Robben Bayern MunichGetty Images

Umso beeindruckender war es, dass sich die Münchner die beiden unerwarteten Rückschläge und die insgesamt einigermaßen prekäre Lage über weite Strecken des Spiels nicht anmerken ließen. Die Bayern waren die bessere Mannschaft, sie erspielten sich gute Möglichkeiten, sie gingen durch Joshua Kimmich in Führung (28.), aber sie verpassten es, nachzulegen.

"Du musst Real in der ersten Halbzeit killen"

"Wir haben es eigentlich gut gemacht, wir haben uns gute Chancen herausgespielt, diese aber leider nicht genutzt", bilanzierte Sven Ulreich hinterher in der Interviewzone. "Dass wir zu so vielen Torchancen kommen, hatte ich nicht erwartet. Aber die musst du einfach machen und Real schon in der ersten Halbzeit killen", bemängelte Kimmich. Thomas Müller meinte: "Wir hatten so viele Möglichkeiten, da musste ich schon süffisant lächeln, als es mit 1:1 in die Kabine ging. Es war viel, viel mehr drin."

Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren die Bayern deutlich besser. 2017 hatten sie nach der Gelb-Roten Karte gegen Javi Martinez jegliche Struktur vermissen lassen und die Blancos in 90 Minuten zu 23 Abschlüssen kommen lassen. Damals waren sie mit dem 1:2 gut bedient.

Diesmal aber lautete die Torschussbilanz 17:7 pro Bayern. "Wenn wir 5:2 gewonnen hätten, hätte sich keiner beschweren können. Ich glaube, ich habe selten so ein schwaches Real Madrid in München gesehen", sagte Niklas Süle. "5:2? Ich würde 7:2 sagen. Ich glaube, Ihr habt das Spiel auch gesehen", meinte Kimmich und zählte einige hochkarätige Möglichkeiten auf.

Kimmich: "Absolut naiv und leichtsinnig"

Ein 5:2 oder gar ein 7:2 wäre dem Spiel zwar noch weniger gerecht geworden als das tatsächliche Ergebnis, auf jeden Fall hätten die Bayern aber mehr verdient gehabt als das 1:2, nur standen sie sich selbst im Weg. Franck Ribery etwa beraubte sich selbst durch einen technischen Fehler, den selbst Bezirksligatrainer angeprangert hätten, einer hundertprozentigen Möglichkeit (34.) und vergab später zwei weitere Chancen (60./63.), Lewandowski indes scheiterte aus einer Position, die wie geschaffen schien für den polnischen Nationalstürmer (88.).

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"Wir sind absolut naiv und leichtsinnig mit unseren Chancen umgegangen", kritisierte Kimmich. "Wenn man sieht, wie viele Chancen wir liegen gelassen haben, dann kann man sicherlich auch von Unzulänglichkeit sprechen", befand Müller. 

Aus einer Unzulänglichkeit Rafinhas resultierte auch der zweite Gegentreffer durch den eingewechselten Marco Asensio. Ohne Not hatte der ansonsten starke Brasilianer Lucas Vazquez den Ball in die Füße gespielt. "Der Knackpunkt", sagte Jupp Heynckes jedoch auf der Pressekonferenz, "war der völlig unnötige Gegentreffer vor der Halbzeitpause. Das war für mich ebenso ein Geschenk wie das 1:2."

Müller-Appell: "Schauen, ob wir den Arsch in der Hose haben"

Die Bayern hätten ein "wirklich dummes Tor zum 1:1" durch Marcelo (44.) und "ein noch dümmeres zum 2:1" kassiert, fasste derweil der für Boateng eingewechselte Süle zusammen. Während die Münchner ihre Chancen müßig erspielten und leichtfertig vergaben, kam Real vergleichsweise einfach vors Tor von Ulreich - und machte aus zweieinhalb Chancen zwei Tore. "Wenn eine Mannschaft zweimal aufs Tor schießt und es zweimal klingelt, ist das Qualität. Aber heute haben sie auch ganz klar gezeigt, dass sie sehr große Schwächen haben", sagte Kimmich.

Die eigene Leistung und jene von Real sind es, die den Bayern Hoffnung machen fürs Rückspiel. Und natürlich die Erinnerung ans vergangene Jahr, als es trotz der 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel noch einmal spannend wurde. "Da haben wir es auch mehr oder weniger gedreht, sodass wir in die Verlängerung gekommen sind. Wir wissen, dass wir zwei Tore machen müssen. Es ist möglich. Juve hat das gezeigt, wir haben es letztes Jahr gezeigt. Und so fahren wir auch dahin", meinte Kimmich kämpferisch. 

"Wir", ergänzte Müller, "müssen uns jetzt aufrichten und schauen, ob wir den Arsch in der Hose haben oder ob es dann doch fehlende mentale Qualität ist." 

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