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Evertons Akademie: Mehr als ein Gebäude

14:00 MESZ 04.04.17
Everton Academy Finch Farm
Everton ist bekannt für seine gute Jugendarbeit. Goal wirft einen Blick auf die Akademie, durch deren Gänge einst Wayne Rooney schlenderte.

HINTERGRUND

"Unsere Akademie ist nicht nur ein Gebäude. Sie ist nicht nur eine Gruppe von Leuten. Nicht nur ein Programm. Sie ist all das, doch noch mehr. Vor allem steht sie für eine Vision, für eine Philosophie, für eine Kultur, für eine Herangehensweise."

Mit diesen Worten wird man auf der Website der Jugendakademie des FC Everton begrüßt. Der Klub ist zurecht stolz auf seine Nachwuchsarbeit, prägte diese doch seine Geschichte so sehr wie die kaum eines anderen Vereins im Mutterland des Fußballs.

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Tony Hibbert, Leon Osman, Jack Rodwell,  Wayne Rooney und John Stones, sie alle wandelten als kleine Jungen durch die Gänge der Akademie, deren Wände Bilder der Vereinslegenden zieren, nur um später selbst auf der großen Bühne zu stehen. Auch der heutigen Generation um Stammspieler Ross Barkley und dem erst 18-Jährigen Tom Davies wird eine große Zukunft prophezeit.

Klare Ziele vor Augen

"Nil Satis Nisi Optimum", "Nur das Beste ist genug", das Leitbild des Vereins, ist bereits im Wappen verewigt. Es wird von jedem, der sich den Toffees verschrieben hat, gelebt. Die Jugendarbeit stellt dabei keine Ausnahme dar. Nichts wird dem Zufall überlassen, vom ersten bis zum letzten Tag.

Über allem stehen grundsätzliche Ziele und Werte, welche von Vereinsseite aus klar definiert und formuliert sind. Diese zu erfüllen ist die tägliche Antriebsfeder für jeden Spieler, Trainer und Angestellten. Durch die Arbeit mit hochqualifizierten Trainern und einem detaillierten Plan sollen den Talenten die Fähigkeiten vermittelt werden, um eines Tages den Sprung zu den Profis zu schaffen.

Einen wichtigen Teil der Arbeit nimmt dabei die Charakterbildung ein. "Wir werden die Entwicklung des einzelnen Menschen immer über die Resultate des Teams stellen", steht auf der Website geschrieben. Tugenden wie Respekt, Disziplin und Arbeitseifer stellen essenzielle Soft-Skills eines Musterprofis dar.

Auch bezüglich der Spielphilosophie ist ein klares Leitbild vorgegeben. Der Verein will für dominanten Ballbesitzfußball stehen. Das Spiel soll so breit wie möglich gemacht werden, um Platz für Ballstafetten von der Abwehrreihe bis zur Strafraumnähe zu ermöglichen. In Nähe des Tores soll "keine Schussgelegenheit ausgelassen werden", so gibt es der Verein vor. In der Rückwärtsbewegung sollen die Spieler lernen, geschlossen zu verteidigen und ihre Defensivaufgaben gewissenhaft wahrzunehmen.

Die vier Säulen der Spielerentwicklung

Um eine ganzheitliche Ausbildung der Talente zu gewährleisten, fußt die Entwicklungsarbeit mit den jungen Talenten auf vier Säulen. Dabei wird unterschieden zwischen verschiedenen Kriterien, welche sowohl Technik und Taktik, Physis, Psychologie und den Lebensstil der jungen Männer abdeckt.

Hinsichtlich der technischen und taktischen Ausbildung wird vor allem das Alter berücksichtigt. Im ersten Schritt, zwischen fünf und elf Jahren, sollen die Talente ihre Leidenschaft für das Spiel entdecken. Hier werden ihnen spielerisch die Grundfertigkeiten beigebracht und sie dürfen ihre ersten Spiele im Acht-gegen-Acht bestreiten.

Im zweiten Abschnitt, welcher sich vom 12. bis zum 16. Lebensjahr erstreckt, verschiebt sich der Fokus. Während die Arbeit an den technischen Feinheiten weitergeführt wird, rückt die Findung einer oder mehrerer Positionen in den Fokus. Auch das Verständnis für Spiel und Taktik wird in diesem Alter sukzessive weiterentwickelt.

Der dritte und letzte Abschnitt in diesem Bereich wird im Alter von 17 bzw. 18 Jahren durchlaufen. Hier werden in der täglichen Arbeit die letzten technischen Feinabstimmungen vorgenommen. Neben der immer wichtiger werdenden Siegermentalität rücken hier vor allem die Gepflogenheiten des professionellen Fußballs in den Vordergrund. Dabei wird die tägliche Routine in jeglicher Hinsicht auf das Leben als Profi maßgeschneidert. In diesem Abschnitt können die jungen Männer bereits für die erste Mannschaft nominiert werden.

Die zweite Säule bezieht sich auf die physische Entwicklung. Dieser Bereich rückte auch aufgrund des wissenschaftlichen Fortschrittes in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund. Auf dem Niveau, auf welchem die Spieler sich später befinden sollen, kann jedes Prozent entscheidend sein. Dafür wird den Talenten ein Gespür für die Wichtigkeit von Physis, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Kondition vermittelt. Um diese Bereiche optimal auszuschöpfen, wird für jeden ein eigens auf ihn zugeschnittener Trainingsplan entwickelt.

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Die dritte Säule stellt die psychische Entwicklung der angehenden Profis dar. Erfahrungsgemäß reichen taktische Schulung, technische Fähigkeiten und physisches Training alleine nicht aus, um auf allerhöchstem Niveau mithalten zu können. Um mit der psychischen Belastung eines Profi-Fußballers umgehen zu können, wird in diesem Bereich mentale und emotionale Stärke vermittelt. Im zentralen Fokus stehen hier eigenständige Zielsetzung, Selbstmotivation, Selbstbewusstsein, Konzentration und Kommunikation. Auch eine individuelle psychische Betreuung wird den Jugendlichen, sofern nötig, gewährt.

Ergänzt wird der mentale und psychische Bereich durch die vierte Säule, welche eine Erziehung zu einem reifen und dem Profisport angemessenen Lebensstil vorsieht. Viele hochtalentierte Spieler konnten aufgrund eines fehlenden Verständnisses für die Anforderungen und Gefahren ihrer Umwelt nie ihr volles Potenzial ausschöpfen. Um weitere derartige Fälle zu vermeiden werden die Jugendlichen daher unter anderem ausführlich über angemessene Ernährung, Alkohol, Zeitmanagement, Glücksspiel und den richtigen Umgang mit Medien aufgeklärt. Dies geschieht stets in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, denen Ratschläge zur Unterstützung ihrer Söhne zur Hand gegeben werden.

Durchlässigkeit vor teuren Stars

Es ist ein lange bewährtes System, welches der FC Everton in seiner Jugendarbeit praktiziert. "Der Wert einer erfolgreichen Jugendarbeit darf nicht unterschätzt werden. Es ist in der besten Liga der Welt unheimlich wichtig, einen Trainer mit Spielern zu versorgen, welche auf höchstem Niveau bestehen können", ist sich Robert Elstone, Geschäftsführer von Everton, sicher.

Das ist in der von Geld überfluteten Premier League keine Selbstverständlichkeit, der Begriff Durchlässigkeit scheint den meisten Vereinen im englischen Oberhaus ein Fremdwort zu sein. Dort  werden jungen Talenten in der Regel teure Stars vor die Nase gesetzt, eine wirkliche Chance erhält kaum einer von ihnen.

Bei den Toffees hingegen pflegt man eine andere Philosophie. Der Klub weiß um das Potenzial der Jungs, die jeden Tag die Gänge der Akademie durchschlendern. Vorbei an den Bildern von Wayne Rooney, Ross Barkley oder Tony Hibbert. Hoffend, irgendwann zurückzukehren, und dort eines von sich selbst zu sehen. Diese Akademie, sie ist tatsächlich mehr als ein Gebäude. Sie steht für eine Vision.