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Basaksehir-Star Emmanuel Adebayor: Alles begann mit einem Wunder


HINTERGRUND

Emmanuel Adebayors Mutter war vor knapp 30 Jahren der Verzweiflung nahe. Vier Jahre alt war ihr Sohn inzwischen - gelaufen war er bis dato aber noch nie. Sie suchte Hilfe für ihr geliebtes Kind, konnte sich nicht erklären, warum er nicht läuft. "Meine Mum brachte mich nach Nigeria, nach Ghana, in alle Großstädte Afrikas. Aber nichts passierte", erinnerte sich Adebayor vor einigen Jahren.

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Erst ein Wunder half ihm auf die Beine, so erzählt er es zumindest. Ob seine Story der Wahrheit entspricht, ist zwar nicht überliefert, Adebayor ist aber überzeugt davon. Seine Mutter habe mit ihm letztlich eine Kirche aufgesucht, als er vier war. "Sie sagten, sie beten eine Woche lang für mich. Wenn ich am Ende dieser Woche nicht laufen würde, bedeute dies, dass ich niemals laufen werde."

Adebayor lief für zahlreiche Top-Klubs auf

Als die Woche fast vorüber war, Adebayors Mutter in Tränen ausbrach und erneut mit Emmanuel in die Kirche ging, geschah das, was sie nicht mehr für möglich gehalten hatte. "Ich lag in der Kirche und hörte draußen Kinder spielen. Plötzlich schoss jemand einen Ball in die Kirche. Und der erste, der aufstand und lief, war ich, weil ich den Ball bekommen wollte", sagte Adebayor.

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Dieser Junge muss Fußball im Blut haben, sollen die Leute in der Kirche seine Mutter beschworen haben. Und sie hatten Recht, zumindest das ist hundertprozentig sicher. Monaco, Arsenal, Manchester City, Real Madrid, Tottenham - die Liste der Topklubs, für die der togolesische Stürmer spielte, ist lang. Und derzeit erlebt er in der Türkei, in Istanbul bei Basaksehir, seinen zweiten Frühling. Adebayor könnte es sein, der den aktuellen Tabellenführer der Süper Lig sensationell zu dessen erstem Titel schießt, steht in dieser Saison bei bisher acht Ligatoren.

33 Jahre ist Adebayor heute alt. Er kann auf bewegte Jahre zurückschauen. Jahre, in denen er oft missverstanden, als geldgeil abgestempelt wurde oder im Bus der togolesischen Nationalmannschaft saß, der beschossen wurde. Er gesteht ein, in seiner Karriere nicht alles richtig gemacht zu haben. Und dennoch hat er schon Bemerkenswertes geleistet. Speziell wenn man bedenkt, wo er herkommt.

Aufgewachsen ist er größtenteils in Kodjoviakope, einem gefährlichen Bezirk im Westen von Togos Hauptstadt Lome. Seine Familie, mit der er als 12- bis 14-Jähriger zwischenzeitlich in Ghanas Hauptstadt Accra wohnte, hatte wenig Geld, teilweise musste sich Adebayor ein Zimmer mit zehn Verwandten teilen. Dass er gut Fußball spielen konnte, sollte seine Eintrittskarte in eine bessere Welt werden - genau wie für die ganze Familie.

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"Mit 15 spielte ich nicht nur für meinen Erfolg, sondern für das Wohl meiner ganzen Familie", sagte er mal bei FourFourTwo. Der französische Erstligist FC Metz entdeckte den 15-jährigen Adebayor 1999 bei einem Jugendturnier in Schweden, holte ihn nach Europa. Unbekanntes, völlig neues Terrain für den Teenager, der es anfangs schwer hatte. Seine Teamkollegen in Metz schauten den schlaksigen Jungen schief an, als er zum ersten Training in traditioneller afrikanischer Kluft kam.

Adebayor und Basaksehir liegen klar auf Titelkurs

Dennoch biss er sich durch, debütierte schon mit 17 für Metz' Profis in der Ligue 1 - und schoss den Klub mit 13 Toren in seiner zweiten Saison nach dem Abstieg direkt wieder ins französische Oberhaus. Sein Aufstieg zu einem der besten afrikanischen Stürmer aller Zeiten begann, sein großes Vorbild: Der Nigerianer Nwankwo Kanu, zu dessen Ehren er in Togos Nationalelf die Rückennummer 4 trägt.

Mit 19 wechselte Adebayor von Metz nach Monaco, mit 21 zu Arsenal. "Ich habe immer davon geträumt, für Arsenal und Real Madrid zu spielen. Diese Träume wurden wahr", sagte Adebayor gegenüber Hürriyet. Bei den Gunners hatte er die vielleicht beste Zeit seiner Karriere, wurde 2008 zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt. Später spielte er noch für die Königlichen, für ManCity, für Tottenham - ehe Adebayors Laufbahn nach der Vertragsauflösung bei den Spurs im September 2015 schon auf dem absteigenden Ast schien.

Doch Adebayor wäre nicht Adebayor, wenn er nicht noch einen im Köcher hätte. "Vielleicht kann ich vom Ballon d'Or träumen und auch das kann wahr werden", sagt er heute. Okay, wahrscheinlich spricht da der Hang zum Größenwahn aus ihm. Besonderes erreichen kann der 33-Jährige diese Saison aber allemal.

Mit Basaksehir, dem türkischen Überraschungstabellenführer, dem er sich Anfang 2017 nach einem halben Jahr Vereinslosigkeit angeschlossen hatte, ist er auf dem Weg, Geschichte zu schreiben. Der erste Meistertitel für Basaksehir ist wahrscheinlicher denn je, Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas haben nach der Hinrunde allesamt das Nachsehen.

Spätestens sein Hattrick beim 5:1 gegen Gala im November hat Adebayor schon jetzt Legendenstatus verliehen. Und wenn es mit dem ganz großen Wurf tatsächlich klappen sollte, wird er wohl kaum von einem Wunder sprechen. Denn ein viel größeres hat er schon als Vierjähriger erlebt. Damals, als er plötzlich doch laufen konnte.

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