Die neue Bundesliga-Saison ist zwar bereits zwei Spieltage alt, die Kader der Klubs stehen allerdings erst seit Ende der Transferphase fest. Das Wechselkarussell wirbelte das deutsche Oberhaus noch einmal ordentlich durcheinander.
Goal wirft einen Blick auf die fünf Tops und die fünf Flops der vergangenen Transferperiode.
Die Tops der Bundesliga-Transferphase |
Borussia Dortmund
Nachdem im Sommer 2016 der ganz große Umbruch anstand, sorgten die Schwarz-Gelben auch diesmal wieder für Furore - im positiven Sinne. Ousmane Dembele, der letztes Jahr erst für zwölf Millionen Euro Ablöse von Stade Rennes in die Ruhr-Metropole gewechselt war, wurde - begleitet von etlichen Nebengeräuschen - für satte 105 Millionen Euro plus Bonuszahlungen an den FC Barcelona verkauft. Den bei den Fans beliebten, aber häufig verletzten Sven Bender zog es zu seinem Zwillingsbruder Lars nach Leverkusen, Matthias Ginter schloss sich Borussia Mönchengladbach an.
Getty ImagesAuf der anderen Seite kaufte der BVB punktuell clever ein, holte die U21-Europameister Maximilian Philipp, Mahmoud Dahoud und Jeremy Toljan. Mit Ömer Toprak kam ein international erfahrener Innenverteidiger, Andrey Yarmolenko soll Dembele auf der offensiven Außenbahn beerben. Komplettiert wird der neue Borussen-Kader von den beiden verheißungsvollen Top-Talenten Dan-Axel Zagadou und Jadon Sancho. Allesamt Akteure, die imstande sind, dem Pokalsieger sofort weiterzuhelfen, aber dennoch über Entwicklungspotenzial verfügen. Dank des Dembele-Deals und den Einnahmen aus den restlichen Verkäufen stehen am Ende über 80 Millionen Euro auf der Habenseite, ohne insgesamt an sportlicher Qualität eingebüßt zu haben. Besser geht es kaum.
Bundesliga gegen den Wahnsinn
Wahnsinn, Rekord, Kracher, Hammer - alles Synonyme, die in diesem Sommer ständig bezüglich Transfers verwendet wurden. Alleine Paris Saint-Germain stieß mit seinem 400-Millionen-Paket namens Neymar und Kylian Mbappe in neue Ausgabe-Sphären vor. Wurde im vergangenen Jahr mit Paul Pogbas Wechsel zu Manchester United erstmals die 100-Millionen-Grenze überschritten, lagen dieses Jahr schon drei Spieler - sogar sehr deutlich - im dreistelligen Millionenbereich. Die Vereine der englischen Premier League gaben beispielsweise insgesamt 1,52 Milliarden Euro für neue Akteure aus, eine von etlichen Höchstmarken, die 2017 aufgestellt wurde.
Getty ImagesDie deutsche Beletage hielt sich - mal wieder - weitestgehend zurück, schaute sich in aller Ruhe an, wie die Spitzenklubs oder gar mittelklassigen Vereine aus den anderen Top-Ligen mit dem Geld um sich warfen. Gut, auch der FC Bayern stellte seinen bislang teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte vor. Corentin Tolisso kostete den Rekordmeister rund 41 Millionen Euro, eine Millionen mehr als Javi Martinez, der 2012 aus Bilbao an die Isar gewechselt war. Im Vergleich dennoch eine beinahe handelsübliche Summe. Während die 18 Bundesligisten zusammen ein Transferminus von 64,52 Millionen Euro erzielten, lag selbiges auf der Insel bei unglaublichen 727,06 Millionen Euro.
RB Leipzig
Die Roten Bullen haben in dieser Transferperiode vieles richtig gemacht. Immer wieder wurden die beiden Leistungsträger Naby Keita und Emil Forsberg mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, immer wieder erklärten die RB-Verantwortlichen die beiden Top-Spieler für unverkäuflich, hielten den Kader, der in der letzten Spielzeit einen sensationellen zweiten Platz erreicht hatte somit zusammen.
Forza AnfieldAm Ende des Wechselfensters dann doch noch das Erdbeben: Keita zum Medizincheck beim FC Liverpool. Die Reds verpflichten den Mittelfeldmotor der Leipziger allerdings erst 2018. Heißt: Die ohnehin hervorragenden Scouts der Sachsen haben ein Jahr Zeit, sich um adäquaten Ersatz zu kümmern. En top spült der Keita-Wechsel insgesamt circa 70 Millionen Euro in die Kassen.
Das Vertrauen in die eigene Jugend
Die Bundesliga hält auch im irrsten Jahr der Fußball-Transfer-Historie an ihrem Credo fest: Die eigene Jugend zählt. Wie in jedem Jahr wurden wieder einige vielversprechenden Talente in den Kader der Profis gezogen. 18 an der Zahl sind es, davon alleine drei bei der Hertha und drei bei Eintracht Frankfurt.
GettyZum Vergleich: In der Premier League sind es nur elf, in LaLiga gar nur neun. Auch weitere Zahlen belegen, dass hierzulande weiter fest auf den eigenen Nachwuchs gesetzt wird. Mit einem Altersschnitt von 25 Jahren ist die deutsche Beletage deutlich jünger als die spanische (26,8) und die englische (27). Ein weiterer Blick in die Statistik spricht gar eine noch deutlichere Sprache: 106 Eigengewächse stehen 2017/18 in den Bundesliga-Kadern. In der Premier League sind es nur 44, in Spanien 82.
SC Freiburg
Was sich auf den ersten Blick skurril anhört, ist es keineswegs. Denn Freiburg hält weiter eisern an seiner Philosophie fest, tütete wieder eine Hand voll spannende Transfers ein und machte erneut ein Millionen-Plus. Natürlich wird es der SC auch in diesem Jahr schwer haben, die Klasse zu halten. Genau so klar ist aber, dass Christian Streichs Mannschaft erneut alles zuzutrauen ist.
Denn im Breisgau bleibt man auch in höchst hektischen Zeiten ganz ruhig, nahm die Abgänge der Leistungsträger Maximilian Philipp und Vincenzo Grifo stoisch hin und strich nebenbei stolze 26 Millionen Euro für das Duo ein. Verhandlungsgeschick made in Schwarzwald. Auf der Haben-Seite stehen indes erneut einige hochspannende Neuzugänge.

Mit Robin Koch und Philipp Lienhart kamen zwei talentierte Innenverteidiger, mit Stenzel, Meffert, Kapustka, Terrazzino und vor allem dem Liverpool-Leihspieler Kent weitere vielversprechende Youngster. Zudem ließ man sich Yoric Ravet 4,5 Millionen Euro kosten - viel Geld für Freiburger Verhältnisse. Der Franzose soll die nötige Erfahrung und Klasse mitbringen und im jungen Team gleich anführen.
Die Flops der Bundesliga-Transferphase |
Ousmane Dembele
Zu Ousmane Dembeles Verhalten ist viel geschrieben und alles gesagt worden. Wer mit 20 dem Verein, bei dem er endgültig zum kommenden Star reifte, solch ein bockiges Verhalten entgegenbringt, einfach verschwindet, einen Wechsel erzwingen will, lässt tief blicken. Dortmund hat alles richtig gemacht und bei einer horrenden Entschädigung von 105 Millionen Euro einen charakterlich fragwürdigen Spieler abgegeben.

Die Causa Höwedes
Benedikt Höwedes verlor seinen Stammplatz unter Domenico Tedesco und sucht nun eine neue Herausforderung bei Juventus Turin. So weit so gut. Wie aber der Abgang über die Bühne ging, war der Vereinsikone unwürdig. Tedesco entmachtete den Kapitän zunächst unsanft und sprach später davon, dass man Reisende nicht aufhalten solle. Unnötig!
Getty Images1. FC Köln
Auf der einen Seite hat Köln Transfer-Geschichte geschrieben und für Anthony Modeste weit über 30 Millionen Euro bekommen. Auf der anderen Seite hat man das Geld aber alles andere als clever eingesetzt. 34 Millionen Euro, also sogar 0,3 Millionen mehr, als man für den Franzosen aus China überwiesen bekam, für Cordoba, Mere, Horn und Queiros auszugeben, ist schon ein starkes Stück.
Getty ImagesDenn keiner der Genannten ist (aktuell) in der Lage, sofort Top-Leistungen zu bringen. Cordoba, weil er schlicht nicht die Qualität eines Modeste besitzt, die anderen drei, weil sie noch wahnsinnig jung sind. Und dennoch: 14 Millionen für zwei 20-Jährige, bei denen absolut offen ist, ob sie auf lange Sicht ihr volles Potential abrufen werden können, ist deutlich zu viel Geld. Und 17 Millionen Euro für einen Stürmer, der 13 Tore in 59 Mainz-Spielen geschossen hat, ist, jedenfalls in der Bundesliga aberwitzig viel Geld.
FC Augsburg
Sicher: Der FC Augsburg hat es nie leicht. Anders als aber etwa der SC Freiburg hat man es bei den Bayern nicht geschafft, die schmerzhaften Abgänge von Kohr, Bobadilla und Verhaegh ansatzweise zu ersetzen. Fünf Millionen Euro sind für Gregoritsch zu viel Geld, hinter Cordova steht ein dickes Fragezeichen und Giefer ist zwar gut, auf der Torhüter-Position besteht aber eigentlich gar kein Bedarf.
Getty ImagesHeller kann zwar als cleverer Transfer angesehen werden, die menschliche Lücke, die Kapitän Verhaegh hinterlässt, wird aber auch er nicht schließen können. Es kommt harte Zeiten auf das Team von Manuel Baum zu.
TSG 1899 Hoffenheim
Klar, die TSG hat eigentlich mal wieder gut eingekauft. Wie man es aber dreht oder wendet: Die Abgänge der Schlüsselspieler Sebastian Rudy und Niklas Süle zum FC Bayern sind in keiner Form zu kompensieren. Zudem fällt Serge Gnabry verletzt länger aus. Die tolle Leistung aus der Vorsaison zu wiederholen, wird für 1899 nicht möglich sein.

