DFB-Team: Die Erkenntnisse aus dem Dänemark-Spiel

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Eine neue Taktik, drei starke Akteure, sechs Debütanten: Goal fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus dem 1:1 des DFB-Teams gegen Dänemark zusammen.

HINTERGRUND

Joachim Löw ließ gar keine Zweifel aufkommen. "Absolut zufrieden" sei er mit der Leistung der deutschen Nationalmannschaft beim 1:1 im Testspiel gegen Dänemark gewesen, versicherte der Bundestrainer bei seinem Besuch im ZDF. "Mehr Plus als Minus" habe er gesehen. Löw sprach von einer "guten Standortbestimmung gegen eine erfahrene Mannschaft", hob das läuferische Engagement und den guten Spielfluss seines Teams hervor.

Analyse: Kimmich rettet deutscher B-Elf akrobatisch Remis

Gleichwohl wusste der 57-Jährige, dass "wir im taktischen Bereich noch einiges einstudieren können". Dazu hatte ihm im Vorfeld die Zeit gefehlt, bloß einmal konnte er die für den Confederations Cup neu zusammengestellte Mannschaft vor dem Spiel im Bröndby-Stadion trainieren.

Löw hatte dementsprechend schon vor der Partie eine "Überraschung" erwartet. Womöglich auch, weil er da schon wusste, dass er in einer neuen Formation spielen lassen und zahlreichen Spielern zum Debüt verhelfen würde. Goal beleuchtet die drei spannendsten Geschichten rund um das Spiel. 


3-4-1-2: Die neue Taktik

Erstmals überhaupt unter Löw spielte die deutsche Nationalmannschaft in einem 3-4-1-2-System. In der Dreierkette agierten Niklas Süle, Antonio Rüdiger und Matthias Ginter. Joshua Kimmich (rechts) und Jonas Hector (links) besetzten die Außenpositionen, während Leon Goretzka mit Sebastian Rudy das Duo im zentralen Mittelfeld bildete. Kapitän Julian Draxler - mit vielen Freiheiten ausgestatten - spielte davor als Zehner, Lars Stindl und Sandro Wagner liefen als Doppelspitze auf.

Germany Denmark GFX Die Startaufstellung der deutschen Nationalmannschaft im Überblick

Kimmich und Hector rückten bei eigenem Ballbesitz weit nach vorne, waren gut ins Spiel eingebunden und setzten immer wieder Impulse im Offensivspiel. So waren die beiden Außenverteidiger neben Draxler auch die Spieler mit den meisten Ballaktionen.

Auffällig war, dass die Löw-Elf trotz der vielen personellen Umstellungen stets darauf aus war, spielerische Lösungen zu finden. Teilweise funktionierte das gut, manchmal hatten allerdings insbesondere die Defensivspieler Probleme mit dem zwischenzeitlich forschen Pressing der Dänen. Vor dem 0:1 durch Christian Eriksen etwa spielte Ginter zunächst einen suboptimalen Ball auf Rüdiger. Der wiederum köpfte das Leder noch viel suboptimaler in die Füße von Eriksen (18.). Ein Fehler, der in einem Pflichtspiel nicht passieren darf. "Unser Ziel ist es schon, mit klaren Vorgaben hinten rauszuspielen. In so einer Situation muss man den Ball aber auch einfach mal rausschlagen", analysierte Löw.

Überhaupt brauchten seine Akteure ein paar Minuten, um sich an das neue System und an die neuen Mitspieler zu gewöhnen. Dann allerdings gab es durchaus sehenswerte Kombinationen zu sehen. Im Spiel gegen den Ball standen mal Wagner und Stindl auf einer Linie, um die gegnerische Abwehrreihe unter Druck zu setzen, mal waren es Stindl, Wagner und Draxler im Dreierverbund. 

Nach 66 Minuten brachte Löw Younes für Ginter und stellte auf Viererkette um. Dänemark zog sich derweil mit fortschreitender Spieldauer sukzessive weiter zurück, die DFB-Elf tat sich in den engen Räumen im letzten Spieldrittel schwerer. 

Draxler, Kimmich und Goretzka stechen heraus

Positive Lichtblicke waren neben Draxler (siehe unten) Kimmich und Goretzka. Kimmich war in der ersten halben Stunde auffälligster Akteur, hatte in dieser Phase die meisten Ballaktionen aller Spieler und fiel zudem mehrfach mit gefährlichen Hereingaben auf - meist mit dem Fuß, einmal sogar per Kopf (5./20./21.). Der Youngster vom FC Bayern baute zwischenzeitlich zwar etwas ab, rettete Deutschland dann aber akrobatisch das Remis (88.).

Goretzka indes war gefühlt an jeder gefährlichen Offensivaktion beteiligt. Der Schalker spielte gefährliche Pässe in die Schnittstellen und gab zudem die meisten Torschüsse aller Akteure auf dem Rasen ab (sechs), einmal scheiterte er dabei nur knapp (32.). 

Gefährlich wurde es zudem nach Ecken, insbesondere nach der von Hector auf Süle und der von Draxler auf Ginter (beide in der 59. Minute). 


Die Debütanten: Trapp, Stindl, Wagner und Co.

"Wir brauchen junge Spieler, die Druck machen, damit die Etablierten wissen, dass da einige hintendran sind. Auf solche Spieler kann es bei der WM ankommen, wenn sie dann in den K.o.-Spielen zum Beispiel eingewechselt werden", hatte Löw vor dem Anpfiff gesagt. Mit Trapp, Stindl und Wagner standen gleich drei Neulinge in der Startelf, zudem kamen Amin Younes, Kerem Demirbay und Marvin Plattenhardt per Einwechslung zu ihren Debüts. Einzig Diego Demme von RB Leipzig muss sich noch gedulden.

Trapp: Präsentierte sich als sicherer Rückhalt. Reagierte gut gegen Vestergaard (15.) und verhinderte mit einem starken Reflex das mögliche 0:2 (53.). Bei Eriksens Gegentor aufgrund der Wucht des Schusses machtlos. Löw: "Er hat zwei, drei mal sehr gut gehalten und, was auch wichtig ist bei uns, ein paar sehr gute Bälle in der Spielauslösung gespielt. Er hat sich getraut, diese Bälle zu spielen. Da war ich schon sehr zufrieden."

Stindl: Viel unterwegs, teilweise allerdings etwas unglücklich. Lieferte im Gestocher die Vorarbeit zum Treffer von Kimmich. "Lars Stindl hat die Gabe, gut zwischen den Linien zu spielen. Er hat ein Gefühl für den freien Raum, ist technisch sehr gut, spielt immer klare Bälle, behandelt den Ball sicher und findet gute Lösungen. Er hat seine Sache gut gemacht", urteilte Löw.

Wagner: War mit 29 Jahren der Oldie im Team. Präsentierte sich umtriebig, aber letztendlich ohne Durchschlagskraft. Zwei seiner Torschüsse wurden geblockt. Löw bescheinigte ihm dennoch, seine Sache gut gemacht zu haben. "Er hat vorne viel gearbeitet, die Gegenspieler gebunden und beschäftigt. Da mussten die Innenverteidiger schon immer Acht geben, weil er eine klare Präsenz hat." Wagner selbst fand es "ordentlich", nachdem sein "großer Traum" in Erfüllung gegangen war. 

Younes: Kam nach 66 Minuten für Ginter, sortierte sich im linken, offensiven Mittelfeld ein und brachte alle seine 22 Zuspiele erfolgreich zum Mitspieler. War an der Entstehung des Ausgleichstreffers beteiligt und deutete nicht nur in dieser Szene seine Qualitäten im Eins-gegen-eins an. "Ich fand es sehr, sehr gut. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht", resümierte er. 

Demirbay: Wurde nach 78 Minuten für Goretzka eingewechselt und schlug die Flanke, die über Umwege in Kimmichs Tor mündete. 

Plattenhardt: Kam in der Schlussminute für Hector. 


Draxler in neuer Rolle als Fixpunkt und Kapitän

PSG-Legionär Julian Draxler führte die junge Mannschaft als Kapitän auf den Platz. "Er ist der Spieler, der in der nächsten Generation nach Manuel Neuer, Mats Hummels und Sami Khedira die Mannschaft anführen kann. Er hat bei Paris Saint-Germain den nächsten Schritt gemacht, ist noch mal besser geworden", hatte Löw vor der Partie gesagt.

Draxler soll in diesen Wochen nicht mitschwimmen, sondern vorweggehen. Oder wie es Oliver Bierhoff ausdrückte: "Julian soll Haltung und Verantwortung für die Mannschaft übernehmen." Dazu passte es auch, dass der frühere Schalker und Wolfsburger Profi bei seinem 29. Einsatz trotz seiner erst 23 Jahre zugleich der erfahrenste Mann auf dem Platz war.

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In den Anfangsminuten war ihm anzumerken, dass er sich mit der zentralen Rolle - bei Paris spielt er im 4-3-3 auf den Flügeln - erst einmal anfreunden musste. Draxler forderte zunächst zu wenige Bälle, war nicht präsent, taute dann aber sukzessive auf, ließ sich immer mehr fallen, um sich die Bälle abzuholen und fand zunehmend Gefallen an seiner Position. War mal im Zentrum und mal auf dem linken Flügel zu finden.

Nach Vorarbeit von Wagner scheiterte er knapp mit einem gefährlichen Rechtsschuss (35.), an den immer besser werdenden Kombinationen war er zumeist beteiligt. Mauserte sich doch noch zur zentralen Figur und hatte letztendlich die meisten Ballaktionen (87) und die meisten gespielten Pässe (75, 88 Prozent abgekommen) aller Akteure vorzuweisen. Bei der Nationalelf sei es "nicht einfach, direkt eine tragende Rolle zu bekommen", sagte Draxler später, der das Turnier als Chance sieht, dort hineinzuwachsen.

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