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Keine Verfolger und ein drohender Teufelskreis: Die Bundesliga steckt in der Krise

20:30 MEZ 03.02.18
GFX Bundesliga Kommentar
Die Verfolger des FC Bayern sind historisch schlecht und wollen eigentlich auch gar keine sein. Die Bundesliga hat ein Problem. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Noch ist der 21. Spieltag nicht vorbei, aber schon jetzt ist klar: Der FC Bayern München hat seinen ohnehin irrwitzig großen Vorsprung mit dem 2:0-Sieg beim FSV Mainz 05 weiter ausgebaut. Noch nie waren die potenziellen Verfolger derart schlecht wie in der laufenden Saison. Die Bundesliga hat längst ein ernstzunehmendes Problem.

Man muss sich nur vor Augen führen, dass Borussia Dortmund nach dem 3:2-Sieg beim 1. FC Köln am Freitagabend - wohlgemerkt in einem Spiel, das stark nach Abstiegskampf aussah - zwischenzeitlich plötzlich wieder Zweiter war. Zur Erinnerung: Der BVB ist jene Mannschaft, die zwischen dem 8. und 15. Spieltag kein einziges ihrer acht Spiele gewinnen konnte.

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Ein paar weitere Fakten, die die beschämenden Leistungen der vermeintlichen Top-Bundesligisten belegen: 

  • Leverkusen, Dortmund und Schalke, aktuell Zweiter, Vierter und Fünfter haben jeweils nur neun ihrer 21 Spiele gewonnen. 
  • Bis zum 20. Spieltag und dem Sieg von Bayer Leverkusen gegen Mainz war Bayern der letzte Tabellenzweite, der in dieser Saison sein Spiel gewinnen konnte. 
  • Die 17 Punkte Vorsprung, die der Rekordmeister selbst im Falle eines Sieges von Eintracht Frankfurt beim FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr im LIVE-TICKER ) hätte, sind der zu diesem Zeitpunkt größte Vorsprung der Bundesliga-Geschichte. 

Allein die Tatsache, dass Frankfurt überhaupt auf Platz zwei vorstoßen kann, dokumentiert die Lage der Liga. Einerseits spricht es natürlich für die Eintracht und vor allem für die sehr gute Arbeit von Trainer Niko Kovac, Sport-Vorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, andererseits spricht es auch ganz massiv gegen jene Mannschaften, die die Plätze hinter den Bayern eigentlich für sich beanspruchen müssten. Gegen den BVB, gegen Leipzig, Leverkusen, Schalke und Borussia Mönchengladbach.

Fehlende Spannung und die Qualitätsdichte an der Tabellenspitze

Womöglich hat die Bundesliga auch ein Mentalitätsproblem, wollen die Verfolger, die de facto ja gar keine sind, von der Verfolger-Rolle ohnehin nichts wissen. In Dortmund üben sie sich seit Jahren in Understatement und auch die anderen natürlichen Konkurrenten sind kaum gewillt, jene Rolle einzunehmen, die die Schwarz-Gelben zuletzt nicht mehr ausfüllen konnten. Nach den zahlreichen namhaften Abgängen beim BVB wäre für die Schalkes, Leipzigs und Leverkusens eigentlich die Zeit gekommen, um die Borussia anzugreifen und zumindest intern mag das vielleicht auch so kommuniziert werden, nur spricht es nicht gerade für das Selbstbewusstsein der Klubs, wenn sich kaum jemand traut, das auch öffentlich zu benennen.

Die Bundesliga muss aufpassen, den schon derzeit großen Rückstand auf die internationale Konkurrenz nicht noch weiter anwachsen zu lassen. In Zeiten, in denen Fernsehgelder eine direkte Auswirkung auf die Qualität der einzelnen Mannschaften haben, ist die Gefahr groß, in einen Teufelskreis zu geraten. Ein wichtiger Faktor für die Attraktivität einer Liga ist die Spannung und die Qualitätsdichte an der Tabellenspitze. Ist diese in Deutschland kaum bis gar nicht existent, wird die Schere immer weiter auseinander gehen.

Mats Hummels, ein schlauer Kopf der Liga, warnte neulich bei Nitro: "Ich sehe schon andere Ligen klar vorne. Die spanische und die englische Liga sind die beiden stärksten. Wir müssen natürlich aufpassen, dass wir nicht noch hinter andere Ligen rutschen."

Es fehle der Liga "definitiv, dass eine zweite oder dritte Mannschaft richtig konstant punkten kann", bemängelte der Weltmeister, der große Vorsprung der Münchner an der Tabellenspitze habe "aus Wettkämpfersicht auch ein Geschmäckle".

Hummels hat natürlich Recht, bloß hat er selbst mit seinem Wechsel vom BVB zum FCB nicht unbedingt zu einem größeren Gleichgewicht beigetragen.