Knallende Sonne, Temperaturen von deutlich über 30 Grad, kaum erträgliche Hitze: Das Kurz-Trainingslager am Tegernsee mit dem abschließenden Testspiel gegen den FC Rottach-Egern stählt die Stars des FC Bayern für eine lange Saison - und für das, was sie in Asien erwartet. In Südkorea und Hongkong, wo die Münchner von Samstag bis 8. August gastieren, wird es ähnlich heiß, dazu kommt der Jetlag und eine unmenschlich hohe Luftfeuchtigkeit. An dem strapaziösen Trip führt aus Sicht der Bosse dennoch kein Weg vorbei.
Jan-Christian Dreesen würde sich sogar wünschen, dass dem Vorbild des Branchenprimus' mehr Bundesligisten folgen würden. "Absolut. Das ist völlig klar", sagte er auf eine entsprechende Frage und schimpfte: Es könne ja "nicht sein", dass in diesem Jahr nur RB Leipzig mit seiner Südafrikareise im Mai und jetzt Borussia Dortmund (Japan) sowie die Bayern "international unterwegs sind - und gleichzeitig haben wir alle drei, vier Jahre das Getöse und Getöne um die Verteilung der internationalen Fernsehgelder. Das ist ja abstrus!"
Auch BVB-Boss Cramer maßregelt andere Bundesligisten
Zumal die Einnahmen der Bundesliga aus den internationalen Verträgen stagnieren. Aus dem Verkauf der TV-Rechte kamen zuletzt 218 Millionen Euro zusammen, inklusive Sponsoring waren es 302. Zum Vergleich: Die englische Premier League kassierte fast das Zehnfache, Spaniens La Liga immerhin das Dreifache.
BVB-Klubchef Carsten Cramer sieht hier "Luft nach oben". Die Liga sollte sich "bewusst machen", sprang er Dreesen bei, "welche Chancen in der Auslandsvermarktung liegen - und nicht immer gleich über ein mögliches Risiko sprechen". Wer auf den Märkten nicht vertreten sei, dürfe sich schließlich "nicht wundern, wenn keine Gelder reinkommen".
Die Borussia befindet sich auf ihrer vierten Japan-Tour seit 2015, der deutsche Rekordmeister ist zum fünften Mal in Asien, hat neben Südkorea und Hongkong bereits China, Japan und Singapur besucht. Fünfmal ging es im Rahmen der "Summer Tour" in die USA, neben dem Büro in New York unterhält der Klub in Shanghai, Bangkok und Seoul Vertretungen, zählt allein in Asien mehr als 80 Fanklubs mit über 9500 Mitgliedern. Auch seine Fußballerinnen zeigte der FC Bayern weltweit: 2021 in den USA, 2023 in Mexiko und gerade erst in Japan. Direktorin Bianca Rech sah nach dem einwöchigen Trip "all unsere Erwartungen übertroffen".




Getty ImagesMax Eberl schwärmt von Asien-Tour: "Es ist eine tolle reise"
Dass sich die Münchner hier in einem "Spannungsfeld" zwischen Tradition, fußballerischen Anforderungen und finanziellen Zwängen bewegen, ist Dreesen bewusst. Es brauche eine gute "Balance", sagte er, gerade mit Blick auf die sportlichen Ziele. "Die Mannschaft und der Trainer wollen genug Zeit haben, um sich auf die Saison vorzubereiten."
Max Eberl sieht den Trip, bei dem die Topstars Harry Kane, Michael Olise und Dayot Upamecano, Neuzugang Ismael Saibari sowie die zuletzt angeschlagenen Jamal Musiala, Serge Gnabry und Lennart Karl fehlen, als "schönen Moment, um als Gruppe zusammenzuwachsen". Ähnlich wie bei der Klub-WM 2025. Die Testspiele gegen den Jeju SK FC (4.8.) und Aston Villa (7.8.) seien gute "Standortbestimmungen", und überhaupt: "Wir wollen ja raus aus unserem kleineren Nest, die Bundesliga soll internationaler werden. Es ist eine tolle Reise."
Und sicher nicht die letzte. Die Aufgabe, die Gunst des internationalen Publikums zu gewinnen, gleiche einem "anstrengenden Marathon, oder zwei", sagte Dreesen. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen.
