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Marcelo: Real Madrids unterschätztes Faustpfand


HINTERGRUND

"Auf der linken Außenverteidiger-Position sehe ich große Probleme auf Real zukommen: Marcelo ist für mich kein Weltklasse-Spieler, Arjen Robben wird eine riesige Herausforderung für ihn", schrieb Lothar Matthäus vor dem Viertelfinale in der Champions League zwischen Bayern München und Real Madrid in seiner SportBild-Kolumne. Dass der 28-Jährige in beiden Spielen zu den überragenden Akteuren der Blancos zählen würde, traute ihm der Weltfußballer von 1991, wie viele andere Beobachter, nicht zu.

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Dabei befindet sich Marcelo seit Monaten in der Form seines Lebens. Gewiss, die Schlagzeilen gehörten in den Tagen des Duells mit den Münchnern einmal mehr Cristiano Ronaldo, den Schlüssel zum Erfolg stellte jedoch auch der Linksverteidiger dar.

Alleine im Rückspiel rettete er zweimal für den bereits geschlagenen Keylor Navas und verhalf den Königlichen so in die Verlängerung. Mit seiner brillanten Vorarbeit, als er die Spieler des deutschen Rekordmeisters wie Slalomstangen stehen ließ und anschließend auf Ronaldo ablegte, krönte er schließlich seine großartige Leistung.

In den Fußstapfen von Roberto Carlos

Nur wenige Tage später hielt er die Königlichen mit seinem späten Siegtreffer zum 2:1 gegen den FC Valencia auf Meisterkurs. Marcelo führt die mittlerweile 20-jährige Tradition brasilianischer Linksverteidiger im Bernabeu fort. Vor ihm war es Roberto Carlos, welcher während seiner elf Jahre in der spanischen Hauptstadt die Rolle des Außenverteidigers neu definierte. Mit seinem unzähmbaren Offensivdrang und spektakulären Flügelläufen setzte er neue Maßstäbe des modernen Fußballs.

Es waren große Fußstapfen, in die Marcelo bei seinem Wechsel im Jahre 2007 trat. Als 18-Jähriger verpflichtete ihn Real für geschätzte 6,5 Millionen Euro von Fluminense, erst eine Saison im Profiteam hatte er bis dato absolviert. Präsident Calderon adelte ihn seinerzeit als "eines der größten Juwele des Weltfußballs". An der Seite von Gonzalo Higuain und Fernando Gago sollte er eine neue Generation im Bernabeu einläuten. Während Erstere dem madrilenischen Kaufrausch der folgenden Jahre zum Opfer fielen, spielte sich der junge Marcelo bald fest.

Verratti-Berater stiftet Verwirrung: Mögliche Offerte der Bayern

Dabei waren die Zweifler an den Qualitäten des Linksverteidigers während seiner Anfangszeit keinesfalls in der Minderheit. Viele bemängelten die fehlende Defensivmentalität des Brasilianers. Zu häufig schaltete er sich mit beinahe bemitleidenswerter Naivität in die Offensive ein und hinterließ die linke Abwehrseite vollkommen entblößt.

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Marcelo musste viel Lehrgeld zahlen während seiner Anfangszeit in der spanischen Hauptstadt. Wohl auch aufgrund dieser Erfahrungen zeigte seine spielerische Entwicklung bei den Madrilenen stetig nach oben. Seine Kritiker ließ dies jedoch nicht verstummen. Carlos Dunga, ehemaliger Nationaltrainer Brasiliens, berücksichtigte ihn 2010 nicht einmal für den WM-Kader. Auch Jose Mourinho, der das Traineramt bei den Madrilenen im Sommer desselben Jahres übernommen hatte, drängte damals auf einen Verkauf Marcelos.

Unterstützung bekam er seinerzeit von seinem Mentor Roberto Carlos: "Mourinho muss keinen Linksverteidiger kaufen. Er hat mit Marcelo einen der Besten in seinem Team. Mourinho sollte ihm vertrauen, Marcelo wird es zurückzahlen!" Das Wort des Weltmeisters von 2002 hat noch immer großes Gewicht bei den Königlichen. Trainer Mourinho gab dem Verteidiger eine Chance – und sollte nicht enttäuscht werden:  "Als ich hier ankam, mochte ich ihn nicht, weil er alles andere war als ein Verteidiger. Jetzt habe ich mich in ihn verliebt. Er ist ein Offensivtalent, verbessert sich aber stetig in seiner Defensivarbeit. Ich möchte keinen anderen Linksverteidiger mehr haben", gab Mourinho später zu.

Wichtige Rolle in Zidanes System

In der Folge etablierte sich Marcelo in der Riege der Weltbesten auf seiner Position, seine defensiven Schwächen konnte er weitgehend abstellen. Seine offensive Spielweise passt perfekt in das System der Königlichen unter Trainer Zinedine Zidane. Unter diesem zieht Cristiano Ronaldo immer häufiger von Linksaußen in das Sturmzentrum, was Marcelo teils große Räume auf der Außenbahn öffnet.

Diese weiß der quirlige Linksverteidiger durch seine explosiven Antritte, gepaart mit großartiger Technik und kindlicher Spielfreude, immer wieder zum Vorteil des Teams zu nutzen. Auch statistisch lässt sich die Top-Form des Brasilianers unterstreichen: Mit wettbewerbsübergreifend zwölf direkten Torvorlagen konnte er bereits jetzt seine bisherige Bestmarke aus der Saison 2014/15 einstellen, brauchte dafür jedoch deutlich weniger Einsätze.

Insgesamt 13 Titel konnte der 28-Jährige in seinen zehn Jahren bei den Königlichen feiern, zwei weitere sollen bis Saisonende dazukommen. Beim Duell gegen die Bayern lief er zum 400. Mal für die Königlichen auf. Damit ist er hinter Legende Roberto Carlos der Ausländer mit den zweitmeisten Einsätzen für Real.

"Er ist noch talentierter als ich", sagte Carlos kürzlich. Nach seiner großartigen Vorarbeit gegen Bayern verriet Mitspieler Daniel Carvajal: "Wir liefen zu ihm und fragten: 'Wie gut bist du eigentlich?'" Nicht erst seit diesem Solo ist Marcelo in der Weltklasse angekommen. Ob es Lothar Mattäus glauben will oder nicht.

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