Thomas Müller und Jürgen Klopp haben während der ersten Tage der WM mit ihrem witzigen und lockeren Stil für viel gute Laune gesorgt - aber auch manch einem arrivierten TV-Experten und ein bisschen auch Bundestrainer Julian Nagelsmann genervt. Nun reagiert das neue deutsche Traum-Expertenduo - auf seine Art.
Getty Images Sport"Da kann immer etwas rausrutschen": Thomas Müller reagiert auf heftige Kritik nach flapsigen Sprüchen mit Jürgen Klopp
Thomas Müller wehrt sich gegen Kritiker: "Wir sind Riesenfans der Mannschaft"
„Wir diskutieren natürlich leidenschaftlich, aber uns geht es hauptsächlich darum, Leidenschaft rüberzubringen. Wir sind Riesenfans der Mannschaft. Wir diskutieren taktisch, inhaltlich und sachlich, wenn es um den Sport geht, sagte Thomas Müller zu Beginn der Vorberichterstattung von MagentaTV zum WM-Auftaktspiel von Deutschland gegen Curacao (hier geht's zum SPOX-Liveticker). "Aber bei uns beiden ist immer ein bisschen Schmäh dabei und da kann immer etwas rausrutschen, was dann dann populistisch hohe Wellen schlagen kann, wenn man es populistisch verwenden möchte. Das tun aber nicht wir, sondern andere. Wir werden uns deshalb nicht verbiegen lassen. Wir sind absolut hinter der Mannschaft und wollen, dass es gut läuft. Aber wir wollen auch ein bisschen gute Laune machen", sagte der Weltmeister von 2014.
Wer nun eine Entschuldigung oder Richtigstellung oder gar ein (zugegebenermaßen total unnötiges) Eingeständnis erwartet hätte, dass man über das Ziel hinausgeschossen sei, wurde enttäuscht. "Wir werden uns nicht verbiegen lassen. Aber: wir stehen 100 Prozent hinter der Mannschaft", sagte Müller und präzisierte noch mal: "Wir haben vor drei Tagen diskutiert und Optionen aufgezeigt. Jetzt freuen wir uns aufs Spiel", sagte er und beendete sein Plädoyer dafür, nicht alles immer komplett ernst zu nehmen mit einem breiten Grinsen.
Auch Klopp lachte mit - stellte aber - sicherheitshalber - klar: "Ich bin mehr als happy mit der Anfangsformation." Und überhaupt: "Das ist keine Diskussion, die wir angefangen hätten. Wir sprechen über Optionen im Kader."
Müller und Klopp witzelten über mögliche Nagelsmann-Ablösung
Vor allem eine launige Aussage Klopps am Rande des WM-Eröffnungsspiels hatte in den vergangenen Tagen ein wenig Wellen geschlagen. "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf - noch. Noch", hatte Klopp ins Mikrofon bei MagentaTV gerufen, Müller hatte lachend zurückgegeben: "Kloppo, wir haben Juni. Du bist schon im September!"
Das war eindeutig als Witz gemeint, wer wollte, konnte die Sprüche vielleicht sogar als Kritik von zwei Medienprofis an den üblichen Mechanismen des Sportjournalismus interpretieren. Wie Kritik am Bundestrainer wirkte das nicht.
Und doch hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann am Samstag bei der Pressekonferenz gleich zwei Fragen zum Witz der beiden TV-Experten beantworten müssen. Die erste Frage in Houston hatte er noch mit einer Gegenfrage ausgependelt - aber als ein englischer Reporter nachsetzte, musste er sich doch ausführlicher erklären.
Deutschland habe "viele Experten, auch Thomas und Jürgen sind coole Jungs", sagte Nagelsmann, er war wenig angetan, aber dabei souverän. "Sie hatten viel Erfolg in der Fußballwelt. Sie können über alles reden, was sie wollen. So ist das eben." Rekordnationalspieler Lothar Matthäus merkte aus der Ferne an: Klopps Rolle, seine Aussagen auch zu Aufstellungsdetails, machten es Nagelsmann "nicht gerade leichter". Das mag sein, immerhin gilt Klopp als potentieller Nachfolger Nagelsmanns, sollte die WM-Kampagne wieder frühzeitig zu Ende gehen.
Eine gewisse Brisanz birgt die Konstellation da natürlich, allerdings stellte Klopp schon am Samstag klar, dass er niemanden kritisiert habe und er der deutschen Mannschaft jeden Erfolg der Welt wünsche, zumal ja nicht mal eine Minute gespielt worden sei.
"Ein absolutes No-Go": Möller und Effenberg fassungslos
Doch den etablierten deutschen TV-Experten Stefan Effenberg und Andreas Möller reichte das nicht, sie griffen Klopp am Sonntag im Sport1-Doppelpass ebenso humorlos wie scharf an. "Ich finde, das geht nicht. So einen Satz finde ich respektlos. Wir wissen ja, was daraus gemacht wird. Das ist ein No-Go. Wenn Klopp Bundestrainer wäre und im Hintergrund solche Sachen laufen würden - da wäre er auch nicht amüsiert", sagte Möller. Generell scheint er nichts vom launigen Kommentierungsstil von Klopp und Müller zu halten. "Das kommt mir ein bisschen wie Gaudimax vor. Jeder zweite Satz ist ein Joke, es wird nur gelacht. Es fehlt mir echt die Sachlichkeit", sagte der Weltmeister von 1990.
Effenberg sekundierte: "Das geht nicht, er spricht vor einem Millionen-Publikum. Auch mit dem Lachen hintenraus. So einen Spruch kannst du mit einem Bierchen an der Bar machen, wenn du allein bist. Aber nicht vor einem Millionen-Publikum, das ist ein absolutes No-Go."
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