Pascal Ferre, ehemaliger Chefredakteur von France Football und Hauptverantwortlicher für den Ballon d'Or, hat einen Bestechungsversuch im Zuge der Verleihung der begehrten Auszeichnung enthüllt.
Im Interview mit der spanischen Zeitung Marca gab Ferre zu, dass er einst bestochen wurde. "Ja, das stimmt. Ein Agent wollte sich mit mir treffen. Sein Spieler war natürlich nominiert. Nachdem er mir dessen Verdienste erklärt und angepriesen hatte, fragte er mich, ob ich – in Anführungszeichen – seine Kandidatur bei der Jury 'verkaufen' könne", sagte er.
Ferre, der 30 Jahre als Chefredakteur von France Football im Amt war, habe das Angebot allerdings abgelehnt. "Dann musste ich den Tisch kurz verlassen, um einen Anruf entgegenzunehmen. Als ich zurückkam, war der Agent bereits verschwunden. Auf dem Tisch lag jedoch ein Umschlag. Ich nahm ihn und gab ihn an der Rezeption ab. Ich weiß nicht, was darin war", betonte er.
Auf welches Jahr der Bestechungsversuch zurückgeht, ließ Ferre indes offen.
Anrufe an Luka Modric und Karim Benzema blieben in Erinnerung
Der Franzose berichtete zudem von zwei Anrufen an Gewinner, die ihm in Erinnerung geblieben seien. Zum einen gab er Einblicke in das Gespräch mit Luka Modric, der den Ballon d'Or 2018 gewonnen hatte. "Ich teilte ihm mit, dass er gewonnen hatte. Plötzlich herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. Dann weinte er und sagte mir, es sei unglaublich."
Zum anderen zeigte sich Ferre von der Reaktion Karim Benzemas aus dem Jahr 2022 verwundert. "Was mich überraschte, war, wie kühl er reagierte, als wäre es ihm nicht besonders wichtig. Einige Tage später entschuldigte er sich und erklärte mir, was passiert war. Er sagte, er habe auf einer Behandlungsliege gelegen und eine Massage bekommen. Er habe schreien wollen, konnte es aber nicht, weil er von seinen Mannschaftskollegen umgeben gewesen sei und wusste, dass er das Geheimnis für sich behalten musste."
IMAGOWann wird der Ballon d'Or in diesem Jahr vergeben?
In diesem Jahr gehören Harry Kane (FC Bayern München), Lamine Yamal (FC Barcelona) und Kylian Mbappe (Real Madrid) zu den Favoriten auf den Ballon d'Or, der am 26. Oktober vergeben wird. Letztere beiden hatten sich in den vergangenen Wochen mit fragwürdiger Selbstbeweihräucherung selbst für den Preis in Stellung gebracht.
Ein Vorhaben, welches Ferre unlängst kritisierte. "Die Wähler sind nicht naiv. Sie verfügen sowohl über die Erfahrung als auch über das Urteilsvermögen, die nötig sind, um einen Spieler einzuschätzen und zu bewerten, ohne zehn- oder fünfzehnmal hören zu müssen, dass er der Beste ist", sagte er gegenüber Le Parisien und betonte: "Wenn ich sage, dass man den Ballon d’Or auf der Kommunikationsebene verlieren kann, meine ich damit, dass ein Spieler auf unangenehme Weise im Rampenlicht steht und den Wählern den Eindruck vermittelt, sie würden zu einer Entscheidung gedrängt. Diese Art von Aufregung, die manche Leute inszenieren, kann die Wähler irgendwann irritieren. Denn an diesem Punkt wird die Manipulation ziemlich offensichtlich."

