Wie die Neue Presse und die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichten, sei das Aus von Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt nun beschlossene Sache.
Demnach hätten die Gesellschafter und Vertreter des e.V. sich nach dem Sturz auf den 16. Tabellenplatz in der 2. Liga und dem Pokal-Aus gegen den 1. FC Kaiserslautern am Mittwoch zu einer Trennung vom erst im Juli eingestellten Boldt entschieden.
Bereits im Vorfeld des Zweitrundenspiels gegen die Roten Teufel hatte es intern nach Angaben der Bild bei den Niedersachsen rumort. Von "intern großen Zweifeln" Boldt gegenüber war die Rede - und auch davon, dass Trainer Sandro Wagner bereits jetzt wackele.
Hannover 96 weckt Erinnerungen an Fortuna Düsseldorf
Wagner hatte bei Hannover für den zumindest bei den Fans trotz der sportlichen Krise beliebten Christian Titz Mitte September übernommen, ist seitdem aber in vier Spielen sieglos. Zählbares holte Hannover unter dem 38 Jahre alten ehemaligen Co-Trainer bei der deutschen Nationalmannschaft nur gegen den FC St. Pauli (1:1), ansonsten setzte es teils deutliche Niederlagen ohne eigenen Torerfolg. Die schmerzhafteste folgte am vergangenen Sonntag im Derby gegen Eintracht Braunschweig (0:2).
Auch wegen des ausbleibenden Trainer-Effekts und überhaupt wegen der Titz-Entlassung hatte Boldt bei den 96-Fans schon früh jeglichen Kredit verspielt. Nun wendet sich offenbar auch die sportliche Führung des Zweitligisten von ihm ab. Boldts getätigte Transfers von Marcel Hartel, Emir Sahiti oder Keeper Pascal Loretz überzeugten bis dato noch gar nicht, zudem soll ein Kurzurlaub von Boldt unmittelbar vor dem Derby beim Aufsichtsrat überhaupt nicht gut angekommen sein.
Währenddessen geht in Hannover mittlerweile die Angst um, das demütigende Schicksal von Fortuna Düsseldorf aus der Vorsaison zu teilen und die Restsaison nicht etwa um die Bundesliga-Rückkehr, sondern den Klassenerhalt zu spielen. Sinnbildlich dafür steht eine Aussage von Klubpatron Martin Kind gegenüber der Bild unter der Woche: "Wir dürfen nicht absteigen. Dann hätte ich 30 Jahre umsonst gearbeitet. Das kann ich nicht akzeptieren."
Droht Sandro Wagner bei Hannover 96 schon der Rauswurf?
Eine Entlassung von Boldt könnte auch für Trainer Wagner prekäre Folgen haben. Zumindest scheint das Schicksal der beiden eng verknüpft zu sein. Denn trotz der bisher ausbleibenden Ergebnisse stellte sich Boldt im NDR demonstrativ hinter Wagner. "Solange ich da bin, auf jeden Fall", sagte der Manager auf die Frage, ob er weiter an Wagner festhalten wolle.
Angesichts von Boldts offenbar bevorstehender Demission dürfte in der Folge jedoch nun auch Sandro Wagner zur Disposition stehen. Beide hatten in der Krise Einigkeit demonstriert und den schwarzen Peter der Krise brisanterweise ausgerechnet Wagner-Vorgänger Titz und den chaotischen Zuständen in der Vorsaison zugeschoben.
"Man merkt einfach, dass diese Leichtigkeit fehlt. Dass da letztes Jahr ein Stück weit was kaputtgegangen ist", sagte Wagner jüngst nach der Derbypleite in Braunschweig. Boldt stieß in ein ähnliches Horn: "Das Thema existiert im Prinzip seit März, dass der Klub sehr wenig Spiele gewonnen hat, teilweise ohne Führung dagestanden ist. Ich bin hierhergekommen und habe eine Mannschaft bemerkt, die gar kein Selbstvertrauen hat. Da arbeiten wir dran. Da muss man anpacken, es ist ein langer Weg."
Was ist bei Hannover 96 los?
Hannover hatte in der vergangenen Saison unter Titz lange um den Aufstieg mitgespielt, gewann ab März aber nur noch drei von zehn Ligaspielen (eine Niederlage, sechs Remis) und musste Elversberg, Schalke und Paderborn den Vortritt lassen. Die sportliche Krise ging einher mit einem abermaligen Chaos auf der Führungsebene des Klubs. Nach dem Abgang von Sportdirektor Marcus Mann zum Jahreswechsel zu RB Salzburg hatte zunächst Jörg Schmadtke abermals nach seiner ersten Amtszeit von 2009 bis 2013 in Hannover die Zügel übernommen, nur um im März nach nur drei Monaten völlig überraschend wieder hinzuschmeißen.
Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete damals, dass Schmadtke und auch einige andere 96-Profis dem damaligen Trainer Titz schon äußerst kritisch gegenübergestanden hätten und Schmadtke schon dessen Freistellung geplant habe. Zudem soll sich Schmadtke einen heftigen Streit mit 96-Gesellschafter Gregor Baum über die von Schmadtke geforderte Erhöhung des Personaletats geliefert haben.
Das Thema Titz hatte sich mit Boldts Ankunft in Hannover dann schnell erledigt. Allerdings läuft dessen "Trumpfkarte" Sandro Wagner mittlerweile erneut Gefahr, bei einem ambitionierten Cheftrainerjob außerhalb der Regionalliga Bayern und Unterhaching zu scheitern. Wagner hatte seine gute Rolle als Co-Trainer von Bundestrainer Julian Nagelsmann im Sommer 2025 verlassen, um seine erste Cheftrainer-Station in der Bundesliga anzutreten.
Beim FC Augsburg war für den 38-Jährigen aber nach nur 14 Pflichtspielen (0,93 Punkte pro Spiel) schon wieder Schluss. Und mittlerweile ist es offenbar auch angesichts des bevorstehenden Boldt-Ausscheidens fraglicher denn je, ob Wagner auf eine solche Anzahl von Spielen an der Seitenlinie von Hannover 96 kommt.
Am kommenden Sonntag steht für die Niedersachsen ein abermals wegweisendes Spiel vor heimischer Kulisse an, denn dann kommt es zum Krisenduell mit Dynamo Dresden. Dynamo liegt punkt- und torgleich mit Hannover (8) auf Platz 15, schöpfte anders als die 96er aber unter der Woche mit dem Sieg über Bundesligist Schalke 04 im DFB-Pokal neues Selbstvertrauen.



