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Coke SchalkeGoal / Getty

Schalkes "Königstransfer" Coke: Ein Anführer auf dem Abstellgleis


HINTERGRUND

"Königstransfer", nicht mehr und nicht weniger freute man sich vergangenen Sommer beim FC Schalke 04  über die Verpflichtung vom damaligen Sevilla -Kapitän Coke . Dass Sportvorstad Christian Heidel einen dreimaligen Europa-League -Sieger ins Ruhrgebiet holen konnte, ließ nicht wenige Anhänger von besseren - und vor allem erfolgreicheren - Zeiten träumen.

Als echten Anführer, Kämpfernatur und Dauerläufer stellte man den Rechtsverteidiger vor und traute ihm von Beginn an zu, in der jungen Schalker Mannschaft eine Führungsrolle zu übernehmen – anfänglicher Sprachbarriere zum Trotz.

Für Jorge Andujar Moreno, wie der Spanier mit bürgerlichem Namen heißt, entwickelte sich seine erste Saison in Königsblau allerdings schnell zum Albtraum. Bereits nach seinem ersten Testspiel klagte der Neuzugang über Kniebeschwerden. Die Schock-Diagnose folgte nur einen Tag später: Kreuzbandriss. Unglücklicher konnte das Deutschland-Abenteuer für den Rechtsfuß nicht beginnen.

Coke als Opfer des Tedesco-Systems

Nach nur acht Einsätzen in der Endphase der abgelaufenen Bundesligasaison (ein Tor) und dem "schwersten Kapitel seiner Karriere", wie er in einem Interview mit der WAZ verriet, will der Spanier nun eigentlich zeigen, wie der wahre Coke tickt: "Ich will die Vorbereitung nutzen, um meinen Akku voll aufzuladen und den Fans dann zeigen, was ich kann." Dabei geht es ihm nicht allein um Einsätze, sondern viel mehr auch darum, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen, wie er es auch beim Top-Klub aus Sevilla getan hat.

Eigentlich. Denn nachdem Coke in der Vorbereitung noch optimistisch und voller Vorfreude auf seine zweite Schalke-Saison blickte, musste der sympathische Spanier den nächsten Dämpfer hinnehmen. Anders als Vorgänger Markus Weinzierl sieht Neu-Trainer Domenico Tedesco wenig Verwendung für den 30-Jährigen. Grund dafür ist das neue 3-4-3-System von Königsblau, in der Cokes Parade-Position des Rechtsverteidigers schlicht nicht mehr existiert.

So lässt Tedesco in der Dreierkette mit drei gelernten Innenverteidigern spielen, während er bei den Außenpositionen im Mittelfeld vor allem auf Tempo setzt. Da Neuzugang Bastian Oczipka auf links gesetzt ist und Daniel Caligiuri rechts die Nase vorn hat, scheinen Cokes Aussichten auf Spielzeit momentan gering. Zumal mit Pferdelunge Alessandro Schöpf zeitnah der eigentliche Wunschspieler für den rechten Flügel wieder zur Verfügung stehen wird. "Wir finden, dass Daniel Caligiuri oder Alessandro Schöpf in unserer aktuellen Formation geeigneter dafür wären, die komplette rechte Seite zu beackern. Die Position rechts in der hinteren Dreierkette halte ich für Coke aufgrund seiner Körpergröße nicht für ideal", erklärt auch der Coach im kicker -Interview.

GFX Stats Coke SchalkeGoal

"Ich nehme den Wettbewerb an"

Für den 30-Jährigen, der den Schritt von Sevilla nach Gelsenkirchen ohnehin als "schwere Entscheidung" bezeichnet hatte, stellt die aktuelle Situation einen herben Rückschlag dar. So schaffte er es trotz Verletzung von Kontrahent Schöpf in den ersten drei Pflichtspielpartien nicht einmal in den Kader, weswegen er sich mit einem Wechsel kurz vor Transferschluss beschäftigte. "Das ist für ihn eine Umstellung", erläutert Heidel die Situation. "Er hat natürlich auch den Anspruch, spielen zu wollen. Alles andere wäre auch fatal. Nur mit dieser Einstellung ist es möglich."

Doch trotz einiger Möglichkeiten entscheid sich Coke schließlich für einen Verbleib in Gelsenkirchen. "Nachdem er ein paar Optionen gecheckt hat, kam er zu uns und sagte: 'Leute, ich nehme den Wettbewerb an‘", erklärte Sportdirektor Axel Schuster nach dem Testspiel in Gütersloh, in dem Coke als Doppeltorschütze glänzen konnte.

Denn auch das ist Coke: Statt sich hängen zu lassen und über seine schlechten Aussichten auf Spielzeit zu meckern, beweist er im Testspiel, dass er darauf brennt, dem Team zu helfen – in Zeiten, in denen Spieler Streiken, um Wechsel zu erzwingen, ist ein solches Verhalten längst nicht mehr alltäglich.

Betrachtet man zudem den extrem kleinen Kader der Knappen von nur 20 Feldspielern, scheint es nicht ausgeschlossen, dass Coke in einer langen Saison womöglich doch noch einmal Chancen eingeräumt werden. Egal ob auf dem Flügel oder in der Dreierkette, Coke wird sich über jeden Einsatz freuen - denn zumindest in puncto Charakter wird Coke seinem Ruf als Königstransfer gerecht.

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