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Serie A

Sehnsucht nach Titeln: Wie 'Ameise' Monchi die Roma umkrempelt

11:00 MESZ 30.07.18
MONCHI ROMA
Nach zahlreichen zweiten und dritten Plätzen will die Roma in der Serie A den Titel. Damit das klappt, krempelt Sportdirektor Monchi den Kader um.


HINTERGRUND

Ramon Rodriguez Verdejo ist einer von vielen Millionen Menschen, die auf Twitter aktiv sind. Bereits seit 2012 ist er auf diesem Social-Media-Kanal unterwegs und hat sich sein Konto hübsch gemacht: Als Wallpaper hat er einen Spruch auf Spanisch gewählt: "No sabes lo fuerte que eres hasta que cer fuerte es tu unica opcion", steht dort – auf Deutsch übersetzt: "Du weißt nicht, wie stark du bist, bis diese Stärke deine einzige Option ist." Den Spruch hat Ramon Rodriguez Verdejo aus dem Internet geklaut, wo er ursprünglich noch mit einem Bild veranschaulicht wird: mit einer Ameise, die ein eigentlich viel zu großes Stück eines Zweiges trägt.

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Das Bild passt hervorragend, denn Ramon Rodriguez Verdejo ist nicht irgendein gewöhnlicher Twitter-User, sondern der Manager der AS Roma, besser bekannt unter seinem Spitznamen 'Monchi'. Und er ist wohl der Sportdirektor im europäischen Fußball, der den besten Ruf genießt. Denn bereits in seinen 16 Jahren beim FC Sevilla, seinem Heimatklub, glänzte er als unermüdlicher Arbeiter, als Ameise quasi, die immer auf der Suche nach den talentiertesten Spielern war. Und seit 2017 macht er nun den Job für die Roma – und knüpft in der italienischen Hauptstadt nahtlos an die Erfolge an, die er mit dem Klub aus der spanischen Liga hatte.

Monchi: Kleine Rückschläge steckt er weg

Was mit den Giallorossi möglich ist, wie die wahre Stärke des Klubs aussieht, möchte Monchi testen und wirbelt dafür einiges im Kader in diesen Wochen durcheinander. In den letzten Tagen musste der Mann aus dem Hintergrund allerdings aus unschönen Gründen nach vorne in die Öffentlichkeit treten, denn er musste erklären, warum der Transfer des Brasilianers Malcom von Girondins Bordeaux gescheitert war. Die Italiener waren sich mit den Franzosen und dem Flügelspieler schon über einen Wechsel in der Größenordnung von 40 Millionen Euro einig – aber dann mischte sich der FC Barcelona ein und Malcom geht nun zu den Katalanen.

Für Monchi und die Roma war das Ganze nur ein kleiner Rückschlag. Denn das Konzept steht auch weiterhin – und die Strategie auf dem Transfermarkt bleibt unangetastet. Bereits in Sevilla gelang es Monchi, den Spagat hinzubekommen, an dem andere Manager reihenweise scheitern: eine erfolgreiche Mannschaft auf die Beine stellen und gleichzeitig die Kasse klingeln lassen.

Neun Trophäen sammelten die Andalusier in den Monchi-Jahren – und das nach einer titellosen Zeit von 58 Jahren. Gleichzeitig baute der Klub auf Talente aus der eigenen Jugend wie Sergio Ramos, Jose Antonio Reyes und Jesus Navas und kaufte Spieler wie Dani Alves und Ivan Rakitic, um sie später mit enormem Gewinn wieder abzugeben. Als der Manager im Jahr 2017 seinen Abschied verkündete, wurde er im vollen Stadion Sanchez Pizjuan emotional verabschiedet und die Trophäen seiner Zeit standen aufgereiht vor ihm auf dem Rasen.


Die Roma holte in diesem Sommer Javier Pastore (l.) von PSG

Einen Titel hat Monchi den Römern noch nicht beschert – aber er arbeitet hart daran. "Es ist klar, dass die Roma einen ziemlich guten Sportdirektor geholt hat", sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp vor dem Champions-League-Halbfinale in diesem Jahr über den Spanier. Die Reds sind einer der Klubs, mit denen Monchi intensiv verhandelt hat: Er verkaufte Liverpool im vergangenen Sommer Mohamed Salah für 42 Millionen Euro und nun Torhüter Alisson für 62 Millionen Euro. "Liverpools Angebot war zu gut", sagte Monchi über die Offerte für den brasilianischen Nationaltorwart und damit machte er einen seiner Grundsätze deutlich: Wenn der Betrag stimmt, ist niemand unverkäuflich, denn ein gutes Geschäft muss immer gemacht werden.

Der Verkauf von Publikumsliebling Radja Nainggolan an Inter Mailand für 38 Millionen Euro war aus Sicht des Managers solch ein gutes Geschäft. Natürlich wird Monchi dieser Transfer aufs Brot geschmiert werden, falls Inter in der kommenden Serie-A-Saison in der Tabelle vor der Roma landet, doch das ist ihm erst einmal egal. Er hat die längerfristige Entwicklung des Kaders im Blick und dabei eine klare Strategie.

Für den Platz im Mittelfeld holte er Javier Pastore von PSG und machte bei diesem indirekten Tausch gegen Nainggolan auch noch 13 Millionen Euro Gewinn. Wichtiger war Monchi aber in Absprache mit Trainer Eusebio Di Francesco, dass der Arbeiter und Kämpfer Nainggolan mit einem technisch feineren Akteur wie Pastore ersetzt wurde.

Der Argentinier soll dabei helfen, dass die Roma den letzten Schritt geht. In den vergangenen fünf Spielzeiten landete das Team immer auf dem zweiten oder dritten Tabellenplatz, aber nie an der Spitze. Gegen die Top-Mannschaften erzielten die Giallorossi mit ihrem kämpferischen Ansatz als Außenseiter regelmäßig starke Ergebnisse, aber gegen die Mannschaften, die der Roma die Kugel überließen, tat sie sich immer wieder schwer und verspielte die entscheidenden Punkte. Vom Zerstörer Nainggolan zum Kreativen Pastore – das soll sinnbildlich für die Entwicklung des Teams stehen, das nun nach dem Willen der Verantwortlichen zu seiner dominanten Rolle stehen soll.

Neuer Roma-Flügelflitzer aus der Bundesliga?

Passend dazu besorgten sich die Römer mit Justin Kluivert einen der talentiertesten Dribbler, der in Europa zu haben war. Verbarrikadiert sich der Gegner vor dem eigenen Sechzehner, müssen Lösungen her. Und die sollen Spieler wie Pastore und Kluivert liefern. Dass sich der Klub auch um Malcom bemühte, zeigt, dass dieser Weg konsequent verfolgt werden soll. Als Alternativen nach dem gescheiteren Transfer des Brasilianers werden in der Hauptstadt nach italienischen Medienberichten nun mit Leon Bailey (Leverkusen) und Christian Pulisic (Dortmund) zwei Spieler aus der Bundesliga gehandelt, die auf den Außenpositionen ebenfalls über außergewöhnliche Schnelligkeit verfügen.

"Die Priorität ist, dass wir Titel holen", sagte Monchi zuletzt und ergänzte im Guardian: "Niemand kommt mit einem Transparent ins Stadion, auf dem 'Tolle finanzielle Ergebnisse' steht." Damit das gelingt, wird er ameisenmäßig noch bis Ende August weiterarbeiten und sicherlich noch den einen oder anderen Transfer tätigen, der vielleicht auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheint. Doch die Roma baut darauf, dass der Erfolg Monchi auch in ihrem Klub am Ende Recht geben und man die wahre Stärke des Vereins erkennen wird.

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