HINTERGRUND
Pass auf den rechten Flügel, perfekte Ballan- und mitnahme, zügig vorbei am ersten Gegenspieler, flinker Haken in die Mitte und Abschluss in die lange Ecke. So sieht ein klassisches Tor von Bayern Münchens Superstar Arjen Robben aus.
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Der Niederländer beherrscht diesen Bewegungsablauf wie kein Zweiter. Unnachahmlich und mit Zug zum Tor erzielte er auf diese Weise etliche Tore für Bayern, Chelsea, Real Madrid und die Niederlande. Kaum ein Verteidiger kann sich dagegen wehren.
Ähnlich wie Robben machte auch in Italiens Serie B in dieser Saison ein Spieler auf diese Art auf sich aufmerksam. Riccardo Orsolini von Ascoli Picchio ist auf dem rechten Flügel beheimatet und sorgte nicht nur in der zweiten Liga für Furore.
Goldener Ball bei der U20-WM
Bei der U20-Weltmeisterschaft 2017 in Südkorea erzielte der 1,83 Meter große Flügelspieler satte fünf Tore für sein Land und sicherte sich so den Goldenen Ball für den besten Torschützen des Turniers.
Hinter dem 20-Jährigen waren unter anderem Paris Saint-Germain, Neapel und der AC Mailand her. Doch bereits im Winter sicherte sich Rekordmeister Juventus Turin für 6,5 Millionen Euro die Dienste des Filigrantechnikers.
Viel Geld für einen Spieler, der bisher erst eine Profi-Saison hinter sich hat. Immerhin kann die Ablösesumme durch gewisse Bonuszahlungen noch auf bis zu zehn Millionen Euro anwachsen.
Getty ImagesNachdem die Alte Dame Orsolini verpflichtet hatte, verlieh man den Offensivspieler sofort wieder an Ascoli, damit er weiterhin Spielpraxis sammeln konnte.
"Ich bin froh, dass ich noch eine Weile bei Ascoli bleiben kann, weil es eine gute Möglichkeit ist, um mich vorzubereiten", meinte Orsolini kurz nach seinem Wechsel. Dass der Junge aus Ascoli ein großes Talent ist, sahen nicht nur die europäischen Top-Vereine so, sondern auch sein Berater Donati di Campli.
"Orsolini? Er ist ein Riesentalent. Er ist sehr fokussiert auf seine Profi-Karriere, er weiß, dass er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, aber das macht ihm keine Probleme", erklärte sein Berater gegenüber Tuttosport. "Für mich ist er bereit für Top-Level-Fußball."
Orsolini darf mit in die Staaten
Der Sprung vom Tabellen-16. der Serie B zum italienischen Serienmeister ist wahrlich ein Wagnis, doch in den Gesprächen mit Juventus zeigte man Orsolini eine Chance auf, um auf diesem besagten Top-Level Fuß zu fassen. Wie sein Berater erst kürzlich bestätigte, bekommt sein Schützling in der Vorbereitung die Chance, mit Juventus die Amerika-Tour zu bestreiten.
"Ich denke, er wird die Vorbereitung mit Juventus absolvieren und versuchen, die Aufmerksamkeit von Allegri (Trainer von Juventus, Anm. d. Red.) zu bekommen. Ich habe mit Juves Sportdirektor Paratici gesprochen und er meinte, dass er von Anfragen überflutet wird. Doch durch Pjacas Verletzung könnte Orsolini alle überraschen", setzte di Campli fort.
Getty ImagesUnd Orsolini selbst? Er weiß ebenfalls, auf was er sich da eingelassen hat. Doch er will es sich selbst beweisen und dem Spiel auch bei Juve seinen Stempel aufdrücken: "Es herrscht viel Druck auf mir, aber ich will meine Chance bei Juventus nutzen."
Doch von diesen Chancen wird es nicht viele geben – immerhin wartet hochkarätige Konkurrenz auf ihn. Offensivkräfte wie Paulo Dybala, Juan Cuadrado und Mario Mandzukic lauern auf den Halbpositionen im Angriff. Ein klassischer Flügelspieler im 3-4-2-1-System von Allegri ist Orsolini nicht. Dafür sind seine Defensivqualitäten zu unausgereift.
Es bleibt abzuwarten, ob sich der Dribbler in der ersten Mannschaft von Juventus etablieren kann. Orsolinis Berater kann sich auf jeden Fall einen Verbleib in der Hinrunde vorstellen: "Er könnte bis Januar bleiben und versuchen, sich einen Platz in der Mannschaft zu erarbeiten. Juventus ist eine der wenigen Mannschaften, die Platz für Talente bietet.“
Orsolini ist definitiv eines dieser Talente, das in einer Mannschaft, die ihm Raum gibt, zu einer echten Waffe werden kann. Dann, wenn er den Ball annehmen kann, mit ein paar schnellen Schritten Tempo aufnimmt, einem unwiderstehlichen Haken ins Zentrum zieht und den Ball präzise im Kasten versenkt. Wie Arjen Robben das eben so macht.


