HINTERGRUND
Superstar Cristiano Ronaldo hüpfte gerade noch inmitten seiner glücklichen Kollegen völlig losgelöst über den Rasen des Bernabeu, da nahm Sergio Ramos auch schon die nächste Heldentat ins Visier. "Wir haben Geschichte geschrieben", sagte der Kapitän von Real Madrid nach dem Halbfinal-Kraftakt in der Champions League gegen Bayern München, "jetzt wollen wir Legenden werden." Am 26. Mai in Kiew, mit der "Decimotercera", dem 13. Triumph in der Königsklasse.
Es wäre der dritte hintereinander für Real - das hatten zuletzt die Bayern 1974 bis 1976 geschafft, da hieß der wichtigste Wettbewerb im Klubfußball noch Europapokal der Landesmeister. Während Ramos in der Südkurve das Lied von den "Reyes de Europa" (Könige Europas) anstimmte, mahnte Coach Zinedine Zidane: "Wir haben noch nichts erreicht." Aber er versprach 80.000 siegestrunkenen Fans im Bernabeu auch: "Wir werden unseren Titel mit allem, was wir haben, verteidigen."
Madrid huldigt "San Keylor" Navas
Und das ist eine ganze Menge, wie der FC Bayern auch beim 2:2 (1:1) im Rückspiel erfahren musste. Wenn, wie am Dienstag, der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass Ronaldo erneut einen schwachen Tag hat, trifft eben Karim Benzema doppelt (11./46.). Wenn alle Welt denkt, Madrid brauche einen neuen Torwart, um seine Dominanz in Europa zu erhalten, hält der viel gescholtene Keylor Navas plötzlich (fast) alles. Real müsse sich "bei Navas bedanken, dass er eine so großartige Leistung gebracht hat", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes geknickt.
Während die Stars wie Ronaldo, Ramos und auch Toni Kroos schwächelten, brachten Benzema und Navas die Königlichen als erstes Team seit Juventus Turin (1996 bis 1998) zum dritten Mal hintereinander ins Endspiel. Das Real-Hausblatt Marca feierte "San Keylor" als Heiligen, AS als "Helden". Und Zidane meinte: "Er hat uns mit seinen Paraden sehr viel gegeben. Wir sind glücklich, ihn zu haben."
Der mitunter vom eigenen Anhang verhöhnte Torwart sagte augenzwinkernd: "Es gibt anscheinend auch Leute, die mich mögen." Real brauche keinen neuen Keeper mehr zu holen, scherzte er, "sie haben doch schon einen neuen: Seit ich mir die Haare geschnitten habe, bin ich ein anderer Mensch."
Sergio Ramos: "Die weiße DNA zwingt dich, bis zum Ende zu kämpfen"
Benzema trägt schon seit Jahren Glatze - und steht in Madrid fast ebenso lange in der Kritik. In der Champions League hatte er in dieser Saison vorher nur gegen Nikosia getroffen. "Er hat gezeigt, dass er ein großer Spieler ist", lobte Zidane, "er gibt nie auf."
Damit steht Benzema sinnbildlich für die "weiße Bestie" Real. Ja, die Bayern seien besser gewesen, gab Kroos zu, "trotzdem hatte ich keine Zweifel." Die drei Titel in der Champions League seit 2014 hätten Real "ein Grundbewusstsein" gegeben - nach dem Motto: Wir schaffen das! Die Bayern seien ein "harter Knochen" gewesen, sagte Ramos, "aber die weiße DNA zwingt dich, bis zum Ende zu kämpfen."
Real, schrieb Marca, "stirbt nie". Real, sagte Zidane, "kämpft immer bis zum Schluss. Und wenn man leidet, ist es ja fast noch schöner". Auch wenn dieses "verrückte Spiel" für das Herz "etwas schwieriger" gewesen sei. Aber bis Kiew, ergänzte er, bleibe "genügend Zeit zum Ausruhen".





