HINTERGRUND
Philipp Lienhart steht am Scheideweg. 2014 verpflichtete Real Madrid den gebürtigen Lilienfelder von Rapid Wien . Zunächst auf Leihbasis, nach starken Leistungen überwiesen die Königlichen 800.000 Euro in die österreichische Hauptstadt, um sich die Dienste des Innenverteidigertalents dauerhaft zu sichern.
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Die Erwartungen an den 1,89-Meter-Hünen waren in der Alpenrepublik groß. An der Seite von David Alaba und Aleksandar Dragovic sollte er das zukünftige Verteidiger-Gespann der Nationalmannschaft bilden. Heute, im Jahr 2017, wartet das Land noch immer auf den großen Durchbruch seines größten Hoffnungsträgers. Ob ihm dieser in Madrid gelingen wird? Unwahrscheinlich.
Dabei war die noch junge Karriere des Philipp Lienhart immer wieder bestimmt von überraschenden Wendungen. 2007 verließ er Lilienfeld, ein 2.800-Seelen-Dörfchen in der niederösterreichischen Provinz, in Richtung Wien. Bei Rapid durchlief er sämtliche Jugendmannschaften und führte seine Teams als verlängerter Arm des Trainers stets als Kapitän aufs Feld.
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Sechs Jahre nach seinem Wechsel zum 32-maligen österreichischen Meister wurde er in die zweite Mannschaft befördert, parallel baute sich Lienhart mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann ein zweites Standbein neben dem Fußball auf. Spätestens nach seiner überragenden U19-EM in Ungarn war diese jedoch hinfällig: Völlig überraschend klopfte Real Madrid beim 18-Jährigen an.
"Geschockt" vom Angebot der Königlichen
"Ich war daheim, als mich mein Berater darüber informiert hat, dass es Interesse von Real Madrid gibt. Ich war geschockt. Ich konnte es nicht glauben. Es war eine Riesenüberraschung. Am Anfang hat mir das kaum jemand geglaubt, als ich es erzählt habe", erzählte der Neu-Madrilene einst gegenüber Laola1 .
Nach einer überzeugenden Debütsaison im U19-Team des spanischen Rekordmeisters zogen die Königlichen schließlich die Kaufoption für den Innenverteidiger. In der Castilla, der Reservemannschaft Reals, sollte der Österreicher unter Trainer Zinedine Zidane den nächsten Schritt machen, um eines Tages im Bernabeu aufzulaufen.
"Philipp hat auf jeden Fall genügend Potenzial für die Castilla", prognostizierte Marca -Journalist Ruben Jimenez gegenüber sportnet.at . "Außerdem hat er eine tolle Übersicht und sorgt für die Spielöffnung. Das war für uns, die ihn nicht kannten, schon eine Überraschung", erklärte er – und sollte Recht behalten. Seit seiner Ankunft im Reserveteam der Königlichen gehört Lienhart zum unumstrittenen Stammpersonal. Und dennoch: Der Weg zu den Profis wurde trotz seiner überzeugenden Leistungen zuletzt immer länger.
Lediglich ein Kurzeinsatz im Profi-Team
Deutlich wurde dies vor allem in der Schlussphase der abgelaufenen Saison. Im Vorfeld des vorentscheidenden Meisterschaftsspiels gegen den FC Barcelona plagten die Königlichen enorme Personalprobleme in der Innenverteidigung. Pepe und Raphael Varane fielen verletzt aus, Nacho Fernandez drohte im Falle einer Gelben Karte bei der Clasico-Generalprobe gegen Gijon eine Sperre. Für einen Platz im Kader der Königlichen reichte es dennoch nicht.
Lediglich ein einziges Mal durfte der österreichische U21-Nationalspieler bei den Königlichen Profiluft schnuppern. Im Dezember 2015 schenkte ihm der damalige Real-Coach Rafael Benitez in der Schlussphase des Pokalspiels gegen Cadiz einen Kurzeinsatz. Der 3:1-Sieg der Madrilenen wurde später jedoch annulliert, nachdem mit Denis Cheryshev ein nicht spielberechtigter Akteur eingesetzt wurde.
"Philipp muss gucken, dass er weiterkommt"
Auf seinen Durchbruch bei den Königlichen wartet Philipp Lienhart also noch immer, in den vergangenen Wochen wurden Spekulationen um einen Wechsel in die Bundesliga laut. Vor allem der SC Freiburg soll großes Interesse am 20-Jährigen haben, lediglich ein Gespräch mit Christian Streich stehe aktuell noch aus. Sein Berater Rob Groener feuerte die Gerüchte zuletzt an. "Nach drei Jahren muss Philipp gucken, dass er weiterkommt", ließ er Mitte Mai gegenüber FußballTransfers verlauten.
Ein Wechsel würde für alle Seiten Sinn ergeben. Im Breisgau träfe Lienhart mit Christian Streich auf einen Trainer, welcher in den letzten Jahren eine Vielzahl junger Talente weiterentwickelt und auf ein höheres Niveau gebracht hat. Der Europa-League-Teilnehmer würde seinen Kader mit einem hochtalentierten und lernbereiten Talent verstärken.
Und auch Real könnte im Falle eines Verkaufes von einer positiven Entwicklung des 20-Jährigen profitieren. In den vergangenen Jahren praktizierten die Blancos regelmäßig ein System mit Rückkaufoptionen bzw. Leihen. So fanden mit Alvaro Morata (Juventus Turin), Lucas Vazquez (Espanyol Barcelona), Dani Carvajal (Bayer Leverkusen) oder Jesus Vallejo (Eintracht Frankfurt) bereits einige namhafte Akteure auf Umwegen zurück ins Bernabeu. Eine solche Konstellation wäre bei einem Verkauf von Lienhart ebenfalls denkbar.
Während seiner drei Jahre in der spanischen Hauptstadt ist der Innenverteidiger jedenfalls heimisch geworden. "Ihm gefällt es dort sehr gut. Mittlerweile spricht er auch die Sprache fließend", verriet Berater Groener.
Ob es zu einer Rückkehr kommt, bleibt abzuwarten. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass Real Madrid völlig überraschend anklopfen würde. Momentan steht Philipp Lienhart aber am Scheideweg. Die Zeichen stehen auf Neuanfang.


