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Philipp Lahm: "Das gilt es gegen Real Madrid zu vermeiden"

09:00 MESZ 09.04.17
*GER ONLY / NO GALLERY* Thiago Philipp Lahm FC Bayern 2017
Philipp Lahm spricht ausführlich über den Sieg gegen Borussia Dortmund, die anstehenden Duelle mit Real Madrid und Arjen Robbens Move.

MIXED-ZONE-INTERVIEW

Der FC Bayern München hat sich am Samstagabend im Bundesligatopspiel gegen Borussia Dortmund überzeugend mit 4:1 durchgesetzt und damit die Generalprobe für das Viertelfinalhinspiel der Champions League gegen Real Madrid am Mittwoch erfolgreich gemeistert. Kapitän Phillipp Lahm stand nach der Partie in der Mixed Zone Rede und Antwort. 

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Philipp, wie wichtig war der Erfolg?

Philipp Lahm: Unser Vorsprung hätte auf sieben Punkte schmelzen können, von daher war es für die Bundesliga sehr, sehr wichtig. 

Hatten Sie also gedacht, es könne im Kampf um die Meisterschaft tatsächlich nochmal spannend werden? 

Lahm: Wenn man diesen Monat sieht, dann warten schon noch ein paar Aufgaben. Leipzig hat in letzter Minute gewonnen, sodass es vor dem Spiel nur noch sieben Punkte waren. Dann läuft man auf einmal zwischen den beiden Madrid-Spielen in Leverkusen auf, was auch nicht so einfach ist und dann hätten es theoretisch schon nur noch vier Zähler sein können. So schnell kann das gehen. Deswegen war es wichtig, dass wir heute gewonnen haben. 

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War das Spiel die perfekte Generalprobe für die Partie gegen Real Madrid am Mittwoch? 

Lahm: Wenn man gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft, die im Viertelfinale der Champions League spielt, so klar gewinnt, kann man auf jeden Fall sehr zufrieden sein.

Ist so ein Ergebnis auch ein wichtiges Zeichen an Real? 

Lahm: Ich finde, das ist egal. So ein Erfolg gibt uns Spielern natürlich Selbstvertrauen, aber es ist ein anderer Wettbewerb. 

Wobei man in Madrid jetzt natürlich auch weiß: Die Bayern haben 4:1 gegen Dortmund gewonnen, die sind gut drauf. 

Lahm: Es zählt immer das Spiel, das vor der Nase steht, deshalb glaube ich nicht, dass Real großartig Angst vor uns hat. 

Was gilt es noch zu verbessern? 

Lahm: Heute wenig. Ich finde, dass wir in Ballbesitz sehr, sehr gut gespielt haben. Außerdem haben wir einen guten Mix reingebracht, sodass man auch mal dem Gegner den Ball gibt. Ende der ersten Halbzeit hatten wir große Kontermöglichkeiten, die wir aber nicht ganz so gut ausgespielt haben. Es war in Summe wirklich ein sehr, sehr gutes Spiel von uns. 

Sind Sie in Ihren alten Tagen mehr Rechtsaußen oder mehr Rechtsverteidiger? 

Lahm: Ich sehe mich immer noch als Rechtsverteidiger. 

Sie waren aber permanent auf der Außenbahn unterwegs. 

Lahm:  Ich bin ja auch noch jung. Wobei: Wenn man die Gegenspieler anschaut bin ich doch irgendwie alt. 18, 19, 18 waren die Spieler auf meiner Seite heute, glaube ich. Da sind dann doch ein paar Jahre dazwischen. 

Arjen Robben hat achtmal aufs Dortmunder Tor geschossen und wieder in typischer Manier getroffen. Sie kennen ihn als Gegenspieler aus dem Training und aus den Duellen mit der Nationalmannschaft. Warum ist es so kompliziert, gegen ihn zu spielen? 

Lahm: Ich glaube, ich habe eine positive Statistik gegen Holland. Die müsste man mal rauskramen und nachschauen. Dann könnte ich sie Arjen auch mal unter die Nase halten. (lacht) 

Kann man den Robben-Move verteidigen? 

Lahm: Man hat ja gesehen, dass Arjen in der ersten Halbzeit auch einmal rechts vorbeigegangen ist und mit rechts geflankt hat. Wenn man ihm also auf der rechten Seite zu viel Raum lässt, läuft er halt dort vorbei. Er hat ein unglaubliches Tempodribbling. Wenn er den Ball annehmen kann und mit Tempo kommt, macht es das für jeden Gegner schwer. Das ist dasselbe wie bei Franck auf der anderen Seite, der auch eine ganz enge Ballführung hat. Wenn der Gegner einmal zuckt, ist er weg. Das sind einfach sehr, sehr gute Spieler. Aber was erzähle ich da eigentlich? 

Worauf wird es gegen Real Madrid ankommen? 

Lahm: Auf eine geschlossene Mannschaftsleistung. Jeder muss sein bestes Level abrufen, weil wir gegen eine absolute Topmannschaft spielen, die auf jeder Position weltklasse besetzt ist. Daher muss es im Kollektiv passen und da gehören nicht nur elf Spieler dazu, sondern alle. Wir müssen unser ganzes Potenzial abrufen und wollen dem Gegner natürlich wenig Torchancen geben, da zuhause in der Champions League jeder Treffer sozusagen doppelt bestraft wird. Es ist wichtig, defensiv gut zu stehen, aber unsere Qualität liegt definitiv im eigenen Ballbesitz, das haben wir heute gezeigt. 

Real wird vermutlich nicht so defensiv spielen wie Dortmund. 

Lahm: Ich glaube jedenfalls nicht, dass sie mit einer Fünferkette spielen. Ob sie uns früher unter Druck setzen, weiß ich nicht. Wenn wir unser Positionsspiel gut umsetzen, kommt der Gegner nicht wirklich gut in die Zweikämpfe. Ich kann mich an das Hinspiel vor zwei Jahren in Madrid erinnern, da haben wir sie auch gut kontrolliert, uns aber Konter gefangen. Das gilt es zu vermeiden. 

Sie haben zum x-ten Mal Cristiano Ronaldo vor der Brust, es ist das vorletzte mal. Was bedeutet das für Sie? 

Lahm: Das ist etwas Schönes. Der ganze April mit zwei Dortmund- und zwei Madrid-Spielen ist etwas ganz Besonderes, da ist schon eine große Vorfreude da. Mit den Mannschaften und den einzelnen Spielern verbinde ich sehr viel. Ich habe häufig gegen Cristiano Ronaldo und gegen seine Mannschaften gespielt. Das ist eine schöne Sache. Man will sich immer mit den Besten messen und das durfte ich in meiner ganzen Karriere tun. 

Ist es ein Nachteil, zuerst zuhause spielen zu müssen? 

Lahm: Nein, das sehe ich nicht so.

Was wäre ein gutes Ergebnis? 

Lahm: Zu gewinnen ist immer wichtig. Und dann haben wir die Qualität, auch auswärts etwas mitzunehmen - egal wo wir spielen. 

Ist es diese Saison für Sie etwas Besonderes, weil Sie genau wissen, dass es die letzte Chance ist, die Königsklasse nochmal zu gewinnen? 

Lahm: Es ist schon so, dass man die letzten Wochen intensiver erlebt. Es ist das letzte Mal, dass ich im Santiago Bernabeu, das für mich eines der schönsten Stadien der Welt ist, auflaufen werde. Dort habe ich schon vieles erlebt.

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