"Ich bin auch deshalb gegangen, weil es unmöglich ist, mit den Bayern mitzuhalten. Wolfsburg hat nicht die Spieler geholt, die für einen Qualitätssprung nötig waren", sagte Ivan Perisic 2015 gegenüber der Gazzetta dello Sport nach seinem Abgang aus der Autostadt. "Es ist einfacher, in Italien Meister zu werden. Ich sehe sieben, acht Mannschaften, die bis zum letzten Spieltag dafür kämpfen werden."
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Mit diesen Worten begründete der kroatische Nationalspieler seinen Wechsel zu Inter. Knapp zwei Jahre später ist von diesen Ambitionen wenig übrig geblieben. Die letzten beiden Spielzeiten liefen wie die Jahre zuvor mehr als enttäuschend für den Triple-Gewinner aus dem Jahr 2010. Weit über 20 Punkte Rückstand zum Saisonende auf Serienmeister Juventus Turin sind für die Nerazzurri längst zum Standard geworden.
Deshalb soll Perisic bereits wieder vor dem Absprung stehen. Nach einer durchaus überzeugenden Saison in einer durchschnittlichen Mannschaft mangelt es nicht an möglichen Abnehmern. Vor allem aus der Premier League und dort speziell von Manchester United soll großes Interesse bestehen. Aber auch Namen wie Paris Saint-Germain oder sogar der FC Bayern sollen in der Verlosung sein.
Der Spieler persönlich dürfte mit dem Kapitel Inter schon abgeschlossen haben, wenn man die Szenen nach dem letzten Spiel der Saison noch einmal Revue passieren lässt. Denn Perisic verabschiedete sich auffällig lange von den Fans und genoss seine möglicherweise letzten Momente als Spieler im Giuseppe-Meazza-Stadion ausgiebig.
Doch ist der aus der Bundesliga als schmächtiger Außenbahnspieler bekannte Kroate wirklich eine Verstärkung für einen Top-Klub wie Manchester United? Und vor allem: Steht die von Inter aufgerufene Ablösesumme von 50 bis 60 Millionen Euro im Verhältnis zu seinem eigentlichen Leistungsvermögen?

United-Coach Jose Mourinho äußerte sich bereits vor einiger Zeit gegenüber Sky Sports zu den Transferplanungen: "Ed Woodward weiß seit März, wen ich will, was ich will und wie sehr ich es will." Wen er will? Da soll Perisic ein absoluter Wunschspieler des Portugiesen sein. Bereits Ende März reiste 'The Special One' persönlich während einer Länderspielpause nach Kroatien, um mit den Verantwortlichen über einen Wechsel des Flügelspielers zu verhandeln.
Die Breite des Kaders reicht aktuell nicht aus
Doch wäre der 28-Jährige wirklich das fehlende Puzzle-Teil im Kader der Red Devils? Fakt ist, dass der Klub im neuen Jahr neben der Premier League vor allem auch in der Champions League eine große Rolle spielen will. Dafür ist eine Verstärkung des Kaders unumgänglich, denn durch die vielen Pokalwettbewerbe ist die Belastung für die Spieler auf der Insel noch einmal auf einem anderen Level als im Rest Europas.
Bislang stehen im aktuellen Aufgebot mit Jesse Lingard, Henrikh Mkhitaryan und Anthony Martial nur drei Spieler im Kader, die in den absoluten Top-Spielen als Option für die Außenbahn in Frage kommen. Sollte Zlatan Ibrahimovic seinen Vertrag in Manchester noch um ein Jahr verlängern oder eine andere Granate für den Sturm verpflichtet werden, kann Marcus Rashford auch noch als Alternative für den Flügel angesehen werden.
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Vor allem Martial kam vor gut zwei Jahren mit den größten Erwartungen ins Old Trafford. Die Verantwortlichen legten damals 60 Millionen Euro für einen 19-Jährigen auf den Tisch. Mit Bonuszahlungen kann sich die Summe sogar noch auf circa 80 Millionen erhöhen. Doch der Gewinner des "Golden Boy"-Awards ist bislang einfach noch nicht wirklich angekommen. Unter Trainer Mourinho hat er keinen leichten Stand. In dieser Spielzeit bot er den Franzosen nur 18-mal in der Startformation auf. Auch über einen Wechsel wurde von diversen Medien bereits spekuliert, doch diesen Gerüchten hat sein Berater Anfang Juni erstmal den Riegel vorgeschoben.
"Martial hat noch zwei Jahre Vertrag und es gibt keinen Grund, dass er Manchester heute verlässt", erklärte Philippe Lamboley gegenüber Journal du Dimanche . "Falls Ed Woodward mir mitteilt, dass er gehen soll, sehen die Dinge anders aus." Das sei bei ihrem letzten Treffen allerdings nicht der Fall gewesen.
Unabhängig davon, ob Martial nun bleibt oder nicht, muss in der Offensive Verstärkung her. In der letzten Saison fehlte es in vielen Spielen schlichtweg an der Durchschlagskraft, was vor allem an den vielen Unentschieden und sechs torlosen Remis zu sehen ist. Mit 29 Gegentreffern stellte man hinter Tottenham (26) die zweitbeste Abwehr der Liga, landete jedoch 17 Punkte hinter dem Vizemeister aus London.

Deshalb geistern viele Namen rund um das Old Trafford, doch nach der Absage von Antoine Griezmann soll kein Spieler so dicht vor einem Wechsel nach Manchester stehen wie Perisic. Ende Mai bestätigte Inters Sportdirektor Piero Ausilio öffentlich das Interesse des Europa-League-Siegers. "United hat uns noch kein offizielles Angebot gemacht, aber das Interesse an ihm ist da", sagte er damals gegenüber Premium Sport . Mittlerweile soll ein Wechsel kurz bevorstehen und ihn zum teuersten kroatischen Spieler aller Zeiten machen. Laut Medienberichten sollen sich die beiden Klubs auf eine Ablösesumme von 52 Millionen Euro geeinigt haben.
Olic als großes Vorbild
Eine ordentliche Summe für einen Spieler, den viele noch aus seiner Zeit in der Bundesliga kennen. Doch der Kroate hat gerade wohl die beste Spielzeit seiner Karriere hinter sich gebracht. Mit elf Toren und elf Assists war er einer der Lichtblicke in einer tristen Inter-Mannschaft. Seine Lieblingsposition ist definitiv auf der linken Außenbahn, wo er vor allem als Vorlagengeber glänzt und mit seinen trickreichen Dribblings immer wieder die gegnerischen Abwehrreihen knacken kann. Alternativ kann der Ex-Wolfsburger auch auf der rechten Seite oder hinter den Spitzen agieren.
Mourinho sollen aber neben seinen offensiven Fähigkeiten auch seine fleißige Arbeit für die Defensive beeindrucken. Körperlich ist der 28-Jährige momentan wohl in der besten Verfassung seiner Karriere. Dafür verantwortlich ist auch ein ehemaliger Teamkollege bei den Wölfen und der kroatischen Nationalmannschaft: Ivica Olic.
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"Ich habe schon vorher viel über das Engagement und den Willen von Olic gehört, aber erst als ich es selbst gesehen habe, wurde mir bewusst, dass ich härter arbeiten muss und meine Gewohnheiten ändern muss", sagte Perisic 2014. "Er wurde mein Vorbild und hat mich auf den richtigen Weg geführt."
Doch sollten die Red Devils deshalb wirklich bereit sein, zwischen 50 und 60 Millionen Euro für ihn hinzublättern? Mit 28 Jahren ist er zwar im besten Fußballeralter, doch wahrlich keine Investition in die Zukunft mehr, wie es beispielsweise ein Anthony Martial war. Auf der anderen Seite sind auf dem aktuellen Markt wohl nicht unbedingt viele Hochkaräter für die Außenbahn verfügbar. Deshalb werden die Inter-Verantwortlichen einen Teufel tun, von ihren durchaus übertriebenen Forderungen abzurücken. Dass in England das große Geld vorhanden ist, weiß die ganze Fußballwelt. Gleichzeitig planen die Nerazzurri ebenfalls einen Neuanfang und werden einen ihrer besten Spieler nicht um jeden Preis abgeben wollen.
United sollte sich eventuell erst um absolute Top-Spieler eines Kalibers wie Alexis Sanchez, der sich möglicherweise ebenfalls auf dem Markt befinden könnte, bemühen oder sich intern darüber einig werden, ob man einem Spieler wie Martial das nötige Vertrauen entgegenbringen will, bevor man sich entschließt, Perisic wirklich zum teuersten Spieler des kroatischen Fußballs zu machen.



