Ottmar Hitzfeld zum 70. Geburtstag: General und Gentleman

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Der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer genießt seit seinem Rücktritt das Leben. Das war nicht immer so, trotz aller Triumphe.


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Wer Ottmar Hitzfeld begegnen will, muss sich nur öfter in Lörrach aufhalten. In die südbadische Stadt, in der er am Samstag vor 70 Jahren als jüngstes von fünf Geschwistern zur Welt kam, ist der erfolgreichste deutsche Trainer aller Zeiten nach dem Ende seiner Vereinskarriere wieder zurückgezogen.

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Dort kann man den gläubigen Katholiken beim Kirchgang, beim Allgemeinmediziner, im Restaurant oder in der Fußgängerzone treffen – Hitzfeld hautnah und höflich.

"Ich erlebe gerade eine sehr glückliche Lebensphase und genieße den Alltag“, sagt der Jubilar, der den Geburtstag im engsten Familienkreis feiern wird, zu Goal und SPOX.

"Als Trainer ist alles vorbestimmt durch den Terminkalender. Jetzt kann ich den Alltag selbst gestalten“, berichtet er zufrieden. "Stresssituationen waren lange ein prägender Teil meines Lebens. Ich musste immer Ergebnisse liefern, zeitweise ging das zu Lasten meiner Gesundheit.“

Aber er sagt auch: "Fußball ist meine Leidenschaft, mein Hobby, war nicht nur Beruf." Schließlich stand der Sport über Jahrzehnte bei Hitzfeld im Mittelpunkt.

Hitzfeld als Torjäger beim FC Basel und VfB Stuttgart

Das zeigt sich auch wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt.  Auf einem großen Foto im Untergeschoss des Jakobsparks blickt einem ein schmaler, junger Mann mit langen schwarzen Haaren forsch entgegen.

Hitzfeld mit Anfang 20, als er beim FC Basel seine Karriere als "Proffi“, wie er es selber ausdrücken würde, begann. Zweimal wurde er Schweizer Meister, einmal Pokalsieger, zudem Torschützenkönig. Daran knüpfte er 1975 nahtlos nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart an, den er mit seinen Treffern zurück in die Bundesliga schoss. Unter anderem erzielte er sechs Tore beim 8:0 gegen Jahn Regensburg – bis heute Rekord im deutschen Profi-Fußball.

1978 ging er zurück in die Schweiz, wo er 1983 seine Laufbahn als Spieler beendete und danach in Baden-Württemberg als Realschullehrer für Sport und Mathematik arbeiten wollte. Doch weil das staatliche Schulamt eine Nachprüfung verlangte, nahm der verärgerte Hitzfeld das Angebot als Trainer beim Schweizer Zweitligisten SC Zug an.

Vom Präsidenten gewürgt

Im neuen Job spürte er allerdings von Anfang an den Erfolgsdruck, zumal ihn der cholerisch veranlagte Klubpräsident in der Kabine sogar würgte, weil Hitzfeld dessen Sohn nicht eingesetzt hatte. Trotz des Aufstiegs in die Nationalliga A verließ er Zug und holte danach mit Aarau und den Grasshoppers Zürich sechs nationale Titel.

1991 wechselte er zu Borussia Dortmund und führte den BVB zu zwei Meisterschaften und 1997 zum Champions-League-Triumph. Nach einem Übergangsjahr als Sportdirektor ging Hitzfeld dann zum FC Bayern, wo er seine größten Triumphe feierte.

Ottmar Hitzfeld Bayern München Champions League 2001

Insgesamt weitere fünf Meisterschaften sowie dreimal den DFB-Pokal und 2001 erneut die Champions League und danach den Weltpokal holte er in München, wo man ihm wegen seiner kompromisslosen, aber auch respektvollen Art die Beinamen "General“ und "Gentleman“ gab.

Ottmar Hitzfeld: Burnout statt Bundestrainer

2004 allerdings lehnte Hitzfeld das Angebot des DFB ab, die Nationalmannschaft nach Rudi Völlers Rücktritt zur Heim-Weltmeisterschaft zu führen – wegen eines Burnouts. "Damals hatte ich als Trainer abgeschlossen. Ich wollte nie mehr Trainer sein. Ich zog mich eineinhalb Jahre nach Engelberg zurück. Erst dann war ich wieder bereit zu arbeiten.”

Anfang 2007 ließ er sich von Uli Hoeneß zur Rückkehr zum FC Bayern überreden, wo er eineinhalb Jahre später bei seinem endgültigen Abschied die Tränen nicht zurückhalten konnte. "Der Gewinn des Doubles mit Bayern 2008 war sicherlich ein krönender Abschluss meiner Zeit als Bundesliga-Trainer“, berichtet Hitzfeld im Gespräch.

Danach übernahm er für sechs Jahre die Nationalelf seiner zweiten Heimat Schweiz, wo er nach dem 0:1 im WM-Achtelfinale 2014 gegen Argentinien endgültig als Trainer aufhörte.

"Das war ein schöner Abschluss, das war mir sehr wichtig. Man sollte immer zum richtigen Zeitpunkt gehen. Und das ist mir auch immer gelungen.“

Seitdem genießt Hitzfeld den Ruhestand, zumal er in Kürze zum dritten Mal Großvater werden wird. Er lebe "wie ein Rentner“, erklärt der frühere Meistercoach selbstironisch: "Zeitungen lesen, Brötchen kaufen und Fußball schauen."

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