DEUTSCHLAND
Manuel Neuer (Tor, Wertung 3,5/5): Der Welttorhüter musste bereits nach sieben Minuten seine Klasse zeigen, als er nach Griezmanns Flachschuss abtauchte. Danach hatte er wenig zu tun, packte zwischenzeitlich bei zwei Freistößen sicher zu, bis er kurz vor der Pause machtlos gegen den Strafstoß des Atletico-Stars war. Kurz vor dem 0:2 wäre er vermutlich besser mit der anderen Hand an Pogbas Flankenball gegangen.
Joshua Kimmich (Abwehr, Wertung 3/5): Gegen Italien im Mittelfeld aufgeboten, beorderte Joachim Löw den Youngster im Duell mit dem Gastgeber wieder zurück auf die Position des Rechtsverteidigers. Zumindest nominell. Denn gab Kimmich de facto eine Art Flügelstürmer. Er war einer der absoluten Aktivposten und praktisch immer anspielbar. Vor dem 0:2 offenbarte er seine mangelnde Erfahrung, als er leichtfertig Pogba das Leder servierte und das zweite Gegentor folgte. Sekunden später scheiterte er mit links am Pfosten (74.).
Benedikt Höwedes (Abwehr, Wertung 3,5/5): Der Schalker Kapitän nahm Mats Hummels' Platz in der Defensivzentrale ein. Er spielte stark, mal von einem haarsträubenden Ballverlust in der gegnerischen Hälfte Mitte der ersten Halbzeit abgesehen. Dafür aber auch mir einer Monstergrätsche gegen Olivier Giroud im Strafraum (42.). Er versuchte sich auch als Antreiber, konnte aber nicht mehr den großen Einfluss nehmen und hatte Pech, als er mit einem Kopfball scheiterte (81.).
Jerome Boateng (Abwehr, Wertung 2,5/5): Boateng hatte deutlich mehr Probleme mit dem Spielaufbau, als man das von ihm gewohnt ist. Vor allem seinen gefürchteten Diagonalbällen mangelte es an Präzision. Gegen Frankreichs Stürmer mit viel Sonne und auch einigem Schatten. Nach einer Stunde knickte er unglücklich um und musste verletzt runter.
Jonas Hector (Abwehr, Wertung 2,5/5): Seinem guten Auftritt gegen Italien samt entscheidendem Elfmetertreffer ließ der Linksverteidiger einen engagierten in Marseille folgen. Er war häufig in Frankreichs Hälfte zu finden, ohne sich dann dort aber entscheidend durchsetzen zu können. Pech: Er verschuldete den unnötigen Eckstoß, der dem 0:1 vorausging.
Emre Can (Mittelfeld, Wertung 3/5): EM-Debüt im Halbfinale? Kann man mal machen. Das dachte sich jedenfalls Joachim Löw und beorderte den Liverpooler in das zentrale deutsche Mittelfeld. Nach wackligen Anfangsminuten steigerte sich Can und lieferte ein gutes Spiel ab. In der 14. Minute prüfte er den glänzend reagierenden Hugo Lloris aus 15 Metern. Can fand einen guten Mix aus Abräumen und Attacke. Nach gut einer Stunde opferte Löw ihn für Angreifer Mario Götze.
Toni Kroos (Mittelfeld, Wertung 3/5): Kroos stand oft mindestens ein Franzose auf den Füßen. Den Dirigenten wollten die Equipe tricolore nicht zum Zug kommen lassen, das gelang bis Mitte der ersten Halbzeit auch. Dann schwamm Kroos sich frei und wurde wieder zum Spieler mit den meisten Ballaktionen und Zweikämpfen (16 insgesamt, 75 Prozent gewonnen). Allerdings nicht so zwingend, wie man ihn in diesem Turnier auch schon gesehen hat.
Bastian Schweinsteiger (Mittelfeld, Wertung 3/5): Solch eine starke erste Halbzeit und dann solch ein fatales Ende: Schweinsteiger glänzte in seinem ersten Startelfeinsatz des Turniers als Ballverteiler. Er ließ sich in eigenem Ballbesitz zwischen die Innenverteidiger fallen und gab den Takt vor. Mehrfach unterband er aussichtsreiche französische Gegenangriffe dank klugen Stellungsspiels und kam auch aus der Distanz zum Abschluss (28.). In der Nachspielzeit dann das Malheur, als er mit seinem überflüssigen Handspiel im Sechzehner den Strafstoß verschuldete, der zum 0:1 führte. Nach der Pause zunächst noch ordentlich, dann zu spät gegen Griezmann vor dem 0:2, zunehmend abgetaucht und später ausgewechselt (79.).
Mesut Özil (Mittelfeld, Wertung 3,5/5): Deutschlands Spielgestalter agierte in halbrechter Position. Bemerkenswert: Er führte in den ersten 45 Minuten nicht nur die meisten Zweikämpfe aller Deutschen (7), sondern gewann davon auch bärenstarke 86 Prozent. Özil spielte gut, hatte viele Ideen, kam selbst aber nicht gefährlich zum Abschluss.
Julian Draxler (Mittelfeld, Wertung 3/5): Stark in der Ballsicherung, dafür nur selten durchsetzungsfähig im offensiven Eins-gegen-Eins. Sein stark getretener Freistoß in der 76. Minute zischte knapp am Kasten von Lloris vorbei.
Thomas Müller (Angriff, Wertung 2,5/5): Die Gomez-Verletzung spülte Müller von rechts in die Sturmspitze. Der torlose Torjäger verrichtete seinen Dienst emsig. Er hatte mehrere Abschlüsse (13./15.), ohne jedoch die ganz große Chance zu haben. Mit zunehmender Spieldauer fehlte ihm immer mehr die Durchschlagskraft.
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Shkodran Mustafi (Abwehr, Wertung 3/5): Der Innenverteidiger kam für den verletzten Jerome Boateng in die Partie und hatte prompt nach einer Standardsituation eine Kopfballchance.
Mario Götze (Angriff, ohne Wertung): Viele hatten den WM-Helden in der Startformation erwartet, doch er kam erst in der zweiten Halbzeit in die Begegnung. Er konnte nicht mehr für die Wende sorgen.
Sane (Angriff, ohne Wertung): Der Schalker war nach seiner Hereinnahme sofort gefährlich, allerdings auch ohne Glück im Abschluss und den entscheidenden Duellen.
FRANKREICH
Hugo Lloris (Tor, Wertung 4/5): Frankreichs Kapitän strahlte enorme Sicherheit aus. Stark tauchte er nach Hectors Schuss ab (14.) und stark tippte er Schweinsteigers Schuss über den Querbalken (28.). In der Folge weiter souverän und mit einem famosen Reflex in der Nachspielzeit nach Kimmichs Abschluss.
Bacary Sagna (Abwehr, Wertung 3/5): Sagna und Sissoko beackerten die rechte Außenbahn der Gastgeber. Gegen Hector und Draxler blieben sie die Punktsieger.
Laurent Koscielny (Abwehr, Wertung 4/5): Frankreichs Abwehrchef spielte bärenstark. Er hatte genau zwei Wackler drin, ansonsten war er der absolute Chef im Ring in Frankreichs Defensive.
Samuel Umtiti (Abwehr, Wertung 3,5/5): Gegen Island war der künftige Barca-Verteidiger für den gesperrten Adil Rami in die Mannschaft gerutscht und er erhielt gegen Deutschland den Vorzug gegenüber dem deutlich routinierteren Kollegen. Umtiti machte seine Sache nach ein paar Anfangsschwierigkeiten gut und rettete unter anderem in höchster Not am eigenen Fünfer vor Thomas Müller (32.).
Patrice Evra (Abwehr, Wertung 2,5/5): Der erfahrene Außenverteidiger hinterließ auf seiner linken Außenbahn – wie schon im gesamten Turnierverlauf – keinen besonders guten Eindruck. Immer wieder rannte er Kimmich und Özil hinterher, allerdings hatte er auch nicht die ganz große Unterstützung seines Vordermanns Dimitri Payet.
Blaise Matuidi (Mittelfeld, Wertung 3/5): Bei Paris Saint-Germain nennen sie ihn „die Lunge“ und am Montag flog er noch eben nach England, um einen Transfer in diesem Sommer voranzutreiben. Davon war gegen Deutschland nicht zu merken. Traumhaft seine Kombination mit Griezmann zu Beginn des Spiels, die in der ersten Großchance des Spiels mündete (7.). Matuidi war viel damit beschäftigt, Räume zu stopfen und die Kreise von Toni Kroos einzuengen.
Paul Pogba (Mittelfeld, Wertung 3/5): Gegen die Isländer hatte er sein bisher bestes Spiel in diesem Turnier gezeigt. Im Duell mit der DFB-Elf ließ Pogba wieder nach. Auch, weil er im Mittelfeld der Bleus vornehmlich Aufgaben in der Rückwärtsbewegung hatte. Er hatte genau eine gute Offensivszene: Als er Kimmichs Fehler gnadenlos ausnutzte und Wegbereiter zum 2:0 war.
Moussa Sissoko (Mittelfeld, Wertung 3,5/5): Sissoko blieb in der Mannschaft, obwohl Abräumer N’Golo Kante seine Sperre abgebrummt hatte und rechtfertigte dies. Er fuhr satte neun Ballgewinne ein (Höchstwert aller Spieler auf dem Feld) und hinterließ einen glänzenden Eindruck.
Dimitri Payet (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Sein schwächstes Spiel bei dieser EM. Zu Beginn ließ er Gegenspieler Kimmich einmal stehen und rannte ihm fortan nur noch hinterher. Auch gegen Mesut Özil musste er viel Defensivarbeit verrichten und einen Freistoß aus passabler Position trat Mitte der ersten Hälfte er wenig platziert. Nach 71 Minuten hatte er Feierabend.
Antoine Griezmann (Angriff, Wertung 4,5/5): Der Atletico-Star und Top-Torjäger des Turniers war der Matchwinner. Er spielte neben Giroud als echte Spitze. Er war dribbel- und zweikampfstark, zudem eiskalt im Abschluss. Griezmann markierte beide Treffer. Die der Goldene Schuh des Turniers ist ihm kaum noch zu nehmen, nun hat er auch eine weitere Bewerbung für die Auszeichnung zum besten Spieler abgegeben. Zu Recht mit Standing Ovations verabschiedet.
Olivier Giroud (Angriff, Wertung 3/5): Girouds Einsatz wackelte wegen gesundheitlicher Beschwerden etwas, er konnte aber auflaufen. Er rackerte viel, rieb sich in Zweikämpfen auf. Spielerisch gelang ihm wenig, seine Schnelligkeit ließ auch zu wünschen übrig. Als Wandspieler und Raumschaffer für Griezmann aber sehr wertvoll.
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N'Golo Kante (Mittelfeld, keine Wertung): Seinen Stammplatz hat er zunächst verloren. Nach seiner Einwechslung aber einmal mehr ein toller Zweikämpfer. Half mit, den Sieg in der Schlussphase einzutüten.
Andre-Pierre Gignac (Angriff, keine Wertung): Der Publikumsliebling bekam an alter Wirkungsstätte noch ein paar Einsatzminuten, ohne dabei aufzufallen.
Yohan Cabaye (Mittelfeld, keine Wertung): Ersetze in der Nachspielzeit Antoine Griezmann.




