Niko Kovac beim FC Bayern als Trainer vorgestellt: Geladen und entsichert

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Niko Kovac tritt beim FC Bayern das schwere Erbe von Jupp Heynckes an. Bei seiner offiziellen Vorstellung gibt sich der Neu-Münchner sehr souverän.


HINTERGRUND

Eigentlich sollte Niko Kovac an diesem Vormittag im Geschäftsstellen-Mediencenter an der Säbener Straße seine ersten offiziellen Worte als Trainer des FC Bayern München sprechen. Einige Tage vorher musste der Rekordmeister - vermutlich aufgrund des großen Andrangs - umdisponieren. So wurde kurzerhand eine informative Mail an die Medienvertreter geschickt, dass die Vorstellung des ehemaligen Frankfurters nun doch im deutlich größeren Rahmen stattfindet: in der Allianz Arena.

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Gestärkt vom traditionell schmackhaften Catering im Pressebereich nahmen die zahlreichen gespannten Journalisten Platz. Wie würde sich der Neue präsentieren? Was hat er zu verkünden und wie will er den Bundesliga-Primus auch im Hinblick aufs internationale Geschäft aufpolieren? Bereits als er die wenigen Stufen zum mit Mikrofonen und diversen Getränken gespickten Podium hinaufschritt und sich in seinen Stuhl fallenließ, war klar: Kovac ist Vollprofi, keine Spur von Nervosität, nicht der Hauch eines Anflugs von Unsicherheit.

Niko Kovac Bayern Munchen

Mit selbstsicherem, festem Blick verschaffte sich der gebürtige Berliner einen ersten Eindruck, scannte die Gesichter derjenigen, die ihn in Zukunft auf seinem Weg als Coach in München begleiten werden. "Ich wünsche allen Anwesenden erst einmal einen schönen Vormittag. Ich bin nach einiger Zeit wieder zurück, freue mich auf die Aufgabe und bin froh, dass der FC Bayern sich entschieden hat, mich als Trainer einzustellen. Ich hoffe, dass ich das Vertrauen zurückzahlen kann", sagte Kovac einleitend und spielte damit grinsend auf seine bayrische Vergangenheit.

Niko Kovac ist sich der hohen Erwartungshaltung bewusst

Zwischen 2001 und 2003 hatte er selbst als Spieler die Fußballschuhe für die Bayern geschnürt, sein Bruder Robert, der Niko als Co-Trainer in die Isar-Metropole folgt, stand sogar noch zwei weitere Jahre, also bis 2005, beim FCB unter Vertrag. "Ich denke, dass das eher ein Vorteil ist", erklärte Niko hinsichtlich seines viel zitierten "Stallgeruchs" und schob nach: "Ich weiß, wie man hier denkt. Dementsprechend sind Robert und ich darauf vorbereitet."

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Wenige Sätze, die vermittelten, dass Kovac sich im Klaren darüber ist, was ihn in München, dort, wo das Bestmögliche gerade gut genug ist, erwartet. Konkrete Ziele wollte der neue Übungsleiter jedoch nicht ausrufen, wissend, dass großspurige Ankündigungen vor allem beim deutschen Eliteklub bumerangartig zurückfliegen, sobald mal eine außerplanmäßige sportliche Talsohle einkehren sollte. "Ich möchte keine Plätze oder Titel als Ziel ausgeben. Ich will die Mannschaft besser machen, um die Ziele des FC Bayern zu verwirklichen."

Einen Ansatz, wie er die Operation "Bessermachen" angehen möchte, lieferte Kovac gleich mit: "Wir wollen den Stil des FC Bayern beibehalten. Das eine oder andere werden wir modifizieren, das kann auch während des Spiels passieren. Man spielt nicht nur mit einem System ein ganzes Spiel. Wir müssen in der Lage sein, das ein oder andere auch während der Partie verändern zu können."

Natürlich spielte im betonierten Bauch der Arena auch das DFB-Pokalfinale, im dem Kovac mit seinem Ex-Klub über seinen neuen Arbeitgeber überraschenderweise triumphiert hatte, eine wichtige Rolle. Auf die Frage, ob die Tatsache, mit einem Titel im Gepäck in den Süden zu kommen, von besonderer Bedeutung für ihn sei, antwortete Kovac: "Es ist sicherlich schön. Vor allem für Eintracht Frankfurt. So etwas nach 30 Jahren zu erreichen, ist schon toll. Jetzt habe ich als Trainer auch eine Kerbe im Colt und ich hoffe, dass in Zukunft noch die eine oder andere Kerbe hinzukommt."

Ansage an Robert Lewandowski

Dass er nicht nur Kerben sammeln, sondern ebenjenen Colt schon geladen und entsichert hat, um bei Kovac' Metaphorik zu bleiben, ließen weitere deutliche Ansagen vermuten. Dem zuletzt immer wieder mit Abwanderungsgedanken in Verbindung gebrachten Robert Lewandowski habe er seinen "Standpunkt mitgeteilt". Der Pole sei "ein Weltklasse-Stürmer, der in München noch viel leisten wird." Kovac ergänzte: "Wir gehen davon nicht ab, dass Lewandowski auch in der kommenden Saison beim FC Bayern spielen wird. Ich habe ihm gesagt, wie wichtig er für uns ist. Das Gespräch war nicht lange, aber es war 'to the point'." Heißt dechiffriert: "Ich habe ihm klipp und klar gesagt, dass er nirgendwohin wechseln wird."

Auch bezüglich Renato Sanches, der nach einer fürchterlichen Leih-Saison bei Swansea City zum deutschen Serienmeister zurückkehren wird, äußerte sich Kovac mit Nachdruck: "Ich werde versuchen, es zu schaffen, ihn so zu integrieren, dass er sich hier wohlfühlt. Ich wünsche mir, dass er den Kampf annimmt und von der ersten Minute an Gas gibt. Und dann bin ich auch überzeugt, dass er die Leistung bringt, die wir von ihm erwarten."

Nachdem Kovac in Frankfurt mit verhältnismäßig "kleinen" Namen erfolgreich war, warten in der bayrischen Landeshauptstadt die großen Namen auf den recht unerfahrenen Kroaten. Die große Kunst wird auch darin liegen, arrivierte Stars wie Franck Ribery und Arjen Robben, die kürzlich ihr Arbeitspapier jeweils um ein weiteres Jahr verlängert haben, bei Laune zu halten.  

Franck Ribery Arjen Robben

Gerade die beiden Routiniers gelten als besonders ambitioniert, als schwierige Charaktere, sollte einmal nicht der erwartete Platz in der Startelf herausspringen. "Das sind zwei Weltklasse-Spieler, die für den FC Bayern Tolles geleistet haben", lobte Kovac das Duo und prophezeite: "Das sind impulsive Menschen, ich weiß, wie die beiden denken und fühlen. Ich werde mit beiden sprechen und ihnen sagen, wie wichtig sie sind. Das sind Führungsfiguren, Vollprofis. Sie arbeiten tagtäglich hart an sich - manchmal auch zu viel."

Kovac: Rauer Wind statt Weichspüler

Man konnte das Gefühl gewinnen, dass Kovac alles andere als gewillt ist, sich im großen Zirkus auf der Nase herumtanzen zu lassen. Vielmehr versprühte er einen Hauch von rauem Wind im locker-lässigen Gewand. Sein Credo: "Vorbereiten heißt hart arbeiten", wirkte nicht medial phrasiert und weichgespült, sondern glaubwürdig.

Charismatisch und souverän stand er der Zuhörerschaft eine halbe Stunde lang Rede und Antwort. Als hätte er nie etwas anderes gemacht, als säße er schon seit Jahren auf diesem Stuhl in der Allianz Arena, der deutschlandweit wohl größten Bühne, die ein Trainer betreten kann.

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