Über das Verhältnis zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wurde schon viel spekuliert. Die einen sagen, beide würden den Erfolg einander neiden, um selbst in einem noch besseren Licht zu stehen. Andere behaupten, sie würden sich mehr als nur respektieren, die Leistung des anderen insgeheim sogar bewundern.
Fakt ist: Die beiden besten Fußballer der Welt beobachten sich nur aus der Ferne. Doch sie können sie einander wohl besser verstehen als jeder andere. Messis Rücktritt als argentinischer Nationalspieler nach dem verlorenen Copa-America-Finale dürfte Ronaldo vor dem EM-Viertelfinale am Donnerstag (21.00 Uhr) in Marseille gegen Polen ins Grübeln gebracht haben.
"Cristiano ist ein Siegertyp"
Die EURO in Frankreich ist Ronaldos siebtes großes Turnier und seine vielleicht letzte Chance, im Nationaltrikot einen Titel zu gewinnen. Was aber, wenn Portugal auf dramatische Weise ausscheidet? Vielleicht sogar durch einen verschossenen Elfmeter durch Ronaldo? Dass CR7 ähnlich wie sein Rivale spontan seine Nationalmannschafts-Karriere beenden könnte, ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen. Zumal Ronaldo (31) zwei Jahre älter ist als Messi (29).
Doch dazu wird es nicht kommen, glaubt Portugals Nationaltrainer Fernando Santos: "Cristiano ist ein Siegertyp." Ohne den Angreifer und dessen zwei Tore gegen Ungarn zum Vorrundenabschluss wäre die Selecao das Quinas bereits ausgeschieden. Beim unansehnlichen Achtelfinalsieg gegen Kroatien (1:0) verzichtete Ronaldo dann zugunsten der Teamtaktik weitestgehend auf spektakuläre Einzelaktionen. "Portugal ist ein Team und Ronaldo ist ein Teamspieler", lobte Santos seinen Star hinterher.
Gegen Polen wird Ronaldo womöglich wieder mehr offensive Akzente setzen. Schließlich fehlt ihm nur noch ein Treffer zum EM-Torschützenrekord von Michel Platini (9). Der Mann mit den meisten EM-Einsätzen (18) ist er schon jetzt. Auch hat außer ihm noch kein Spieler bei vier Endrunden jeweils mindestens einen Treffer erzielt.
Es fehlt der eine große Triumph
Doch persönliche Titel und Rekorde hat Ronaldo genug gesammelt in seiner Karriere, er sucht den ganz großen Triumph mit seinem Heimatland. Den verpasste er bei der Heim-EM 2004 im Finale gegen Griechenland. "Das war die einzigartige Chance, Europameister zu werden", sagt Ronaldo zwölf Jahre später. 2008 (Viertelfinale) und 2012 (Halbfinale) scheiterte Ronaldo ebenfalls in der K.o.-Runde.
In die Liste der Top-Stars ohne Titel bei großen Turnieren (Johan Cruyff, Zico, Raul, Eusebio, Zlatan Ibrahimovic oder eben Messi) will Ronaldo auf keinen Fall aufgenommen werden. "Portugal wird große Dinge gewinnen, wie eine EM oder eine WM", sagte Ronaldo vor der EURO in Frankreich. Er sagte aber nicht, dass er dann definitiv noch dabei ist.
